Maiglöckchen

Convallaria majalis

Habitus: Die Pflanze hat einen ausläuferartigen, kriechenden, verzweigten Wurzelstock, der an den Spitzen jährlich weiterwächst. Der Wurzelstock trägt am Ende die zwei bis drei Laubblätter, die unten meist von einer häutigen Scheide umgeben sind.

Blätter: Die Laubblätter sind langgestielt, elliptisch bis lanzettlich und zugespitzt. Der kantige Blütenstengel ist unbeblättert, wird bis zu 20 cm hoch und trägt eine einseitswendige Traube weißer nickender Blüten.

Blüten: Die Blütenhülle ist breit-glockig und hat sechs zurückgeschlagene Zipfel. Sie hat sechs Staubgefäße und einen dreifächrigen Fruchtknoten, ist honiglos, aber stark duftend, bietet also den besuchenden Honigbienen nur Blütenstaub dar. Die Frucht ist eine rote Beere von Erbsengröße, die zwei blaue Samen enthält.

Blütezeit: Mai bis Juni.

Standort

Wächst vorwiegend in Laubwäldern in West- und Mitteleuropa. Sie braucht warmen, humusreichen Boden. Das Maiglöckchen wird auch als Zierpflanze in Gärten gehalten.

Allgemeine Verbreitung

Ganz Europa.

Geschichtliches und Allgemeines: In den Schriften der Antike scheint Convallaria majalis nicht erwähnt zu sein, was durch die Tatsache zu erklären ist, daß die Pflanze in Griechenland äußerst selten vorkommt. Vom 15. Jahrhundert an wird sie dagegen häufig in den Kräuterbüchern aufgeführt und auch als Heilpflanze erwähnt. Brunfels gibt aus dem Destillierbuch des Hieronymus Brunschwygk (1500) eine Reihe von Verwendungen an, nach denen das "Meyenblümleinwasser" gut gegen Gift und Ohnmacht sei, Herz, Sinne und Hirn stärke und eingerieben das Zittern der Hände und Arme vertreibe usw. Allerdings ist es unklar, auf welche Quellen die Verwendungen zurückgehen. Auch Matthiolus rühmt das Maiglöckchen als stärkendes Mittel für Hirn, Herz und alle edlen Teile des Körpers. In Rußland wurde die Pflanze seit alters her viel vom Landvolke gegen verschiedene Erkrankungen des Herzens, gegen Wassersucht, Epilepsie, Schlaganfälle usw. gebraucht. Die Russen glaubten, daß beim Gebrauch des alkoholischen Auszuges der Blüten gegen Epilepsie der Kranke mit so viel Tropfen der Tinktur beginnen müsse, wie er Jahre zähle. Vielfach finden die Blüten Verwendung als Niespulver (Schneeberger Schnupftabak)) und auch als Schönheitsmittel gegen Sommersprossen. Im 18. Jahrhundert verschwindet das Maiglöckchen wieder aus dem Arzneischatz und wird nur noch in der russischen Volksmedizin in der alten Weise angewandt. Erst im 19. Jahrhundert beschäftigte man sich dann wieder eingehender mit der Droge. In Mähren hat man früher eine Abkochung des Maiglöckchens bei Tollwut getrunken und als Umschlag aufgelegt. Auch gegen drohenden Abort ist ein solches Dekokt dort beliebt.

Giftstoffe: Die giftigen Inhaltsstoffe ähneln denen des Roten Fingerhutes. Es handelt sich um herzwirksame Glycoside, der Hauptwirkstoff ist das Convallatoxin. Die Giftstoffe sind in allen Teilen der Pflanze enthalten, aber insbesondere die roten Beeren stellen für Kinder eine Gefahr dar. Auch Blumenwasser in dem Maiglöckchen gestanden haben nimmt die Gifte auf. Es hat schon starke Vergiftungen und Todesfälle gegeben, nachdem Kinder dieses Blumenwasser getrunken haben. Ein Grund, insbesondere für Familien mit Kindern, keine Maiglöckchen in der Vase zu halten. Die Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, Durchfälle und Schwindelgefühl. Bei starker Vergiftung kommt es zu Herzrythmusstörungen. Der Tod könnte durch Herzstillstand eintreten. Glücklicherweise sind starke Vergiftungen selten, da die Giftstoffe vom Körper schlecht aufgenommen werden.

Heilwirkung: Präparate aus Maiglöckchen sind wichtige Mittel bei Erkrankungen des Herzens. Sie wirken herzstärkend und werden so vorwiegend bei Herzschwäche und Herzrythmusstörungen eingesetzt. Maiglöckchen war früher auch Bestandteil in Schnupftabak.

Name: Die Pflanze trägt auch die Namen Maiblume, Maililie, Mairöschen und Maischellen. Der Gattungsname Convallaria stammt vom lateinischen convallis und bedeutet Talkessel, womit er auf das Vorkommen der Pflanze hinweist. Der lateinische Artname majalis bezieht sich auf die Blütezeit (majus - Mai).

Kulturanleitung: Es kommt häufig in lichten Laubwäldern und Gebüschen vor. Maiglöckchen gedeihen am besten in tiefgründiger, reichlich gedüngter und feuchter Erde. Der Standort kann im tiefen Schatten liegen, wenn der Boden diese Eigenschaften aufweist. Im Garten ist die Staude, die uns herrlich duftende Schnittblumen bietet, vor allem als Unterpflanzung für lichte Laubgehölze geeignet. Will man sie ansiedeln, dann sind einjährige, sogenannte Pflanzkeime zu verwenden. Wir legen diese, nachdem die Wurzeln auf 10 cm Länge gekürzt wurden, mit Abständen von 5 bis 7 cm in etwa 15 cm tiefe Rillen. Die Keimspitzen sollen nach der Pflanzung 3 bis 4 cm mit Erde bedeckt sein. Auf größeren Flächen sind Reihenabstände von etwa 25cm zu wählen die Zwischenräume sind dann meist bereits im folgenden Jahre zugewachsen. Die Bestände, die im 2. Jahre die ersten Blumen bringen, können sehr alt werden, wenn man die Flächen alljährlich im Herbst mit einer flachen Schicht von gut verottetem Mist, fettem Kompost oder gejauchter Torfstreu überzieht.

Eingetragen am 27.12.2015Aktualisiert am 27.01.2016 11:38:44