Geissraute

Galega officinalis

Habitus: Es handelt sich um eine dreiachsige, meist ganz kahle, lebhaft grüne Staude, mit sehr langer, rübenförmiger Pfahlwurzel, kurzem, fingerdickem, vielköpfigem Erdstock und zahlreichen, 40 bis 100 cm hohen, aufrechten, meist einfachen, gerieften, hohlen Stengeln.

Blätter: Die Laubblätter sind kurz gestielt, unpaarig (meist 11- bis 17-zählig) gefiedert. Die Blättchen sind elliptisch bis lanzettlich, 1,5 bis 4 cm lang, 1 bis 1,5 cm breit, stumpf bis spitzlich oder etwas ausgerandet, deutlich stachelspitzig, mit parallellen, gegabelten Seitennerven. Die Nebenblätter sind klein und ganz frei, spitz.

Blüten: Die Blütentrauben sind blattachselständig, die oberen scheinbar endständig, lang gestielt, die tragenden Laubblätter oft weit überragend, reichblütig. Die Blüten sind ca 1 cm lang und etwas nickend, mit sehr dünnen, 2 bis 3 mm langen Blütenstielen und pfriemlichen, bleibenden, die Kelchröhren an Länge erreichenden Tragblättern. Der Kelch ist glockig, die Zähne pfriemlich, länger als die Röhre, unter sich kaum verschieden. Die Kronblätter sind weiss, namentlich die Fahne meist bläulich, alle schwarz genagelt. Die Fahne ist länglich verkehrteiförmig, ebenso lang wie das stumpfe Schiffchen, die Flügel etwas kürzer, elliptisch, lose mit dem Schiffchen verbunden. Die verwachsen Hülsen sind schräg aufrecht abstehend, 2 bis 3 cm lang und 2 bis 3 mm dick, stielrund, kahl, rotbraun, vielsamig und zwischen den Samen etwas eingeschnürt. Die Samen sind länglich, abgeflacht und braun.

Blütezeit: Juni bis Oktober.

Standort

In Auengebüschen, in feuchten Wiesen, an Flussufern, im Röhricht, vielfach angebaut und in den wärmeren Gegenden leicht verwildernd.

Allgemeine Verbreitung

Iberien, Balkan, Mittelmeerraum.

Geschichtliches: Ob die alten griechischen und römischen Ärzte die Galega officinalis gekannt haben, ist eine ungelöste Streitfrage. Nach der überkommenen Literatur scheint sie jedenfalls in Italien bis in das frühe Mittelalter und in Deutschland bis in das 15. Jahrhundert unbekannt geblieben zu sein. Die beiden berühmten Botaniker des 16. Jahrhunderts H. Bock und L. Fuchs erwähnen sie in ihren Kräuterbüchern noch nicht, dagegen nennen sie Gesner und Camerarius. Um 1600 wurde die Pflanze bereits in vielen deutschen Gärten zu Heilzwecken kultiviert. Herba Galegae seu Rutae caprariae gelangte dann sehr schnell zu einem großen Ansehen. Außerordentliche Heilkräfte rühmte ihr der von Dodonaeus angeführte Baptista Sardus nach. Besonders wurde sie als harn- und schweißtreibendes Mittel, ferner als Wurmmittel, bei Verdauungs- und Stoffwechselstörungen, Hautkrankheiten, Epilepsie und Vergiftungen empfohlen. Nach Camerarius soll Galega die Hühner zu vermehrtem Eierlegen veranlassen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie in Deutschland als Futterpflanze empfohlen, doch mußten die Kulturen bald wieder aufgegeben werden, da sich der Anbau wegen Frostempfindlichkeit der Pflanze nicht lohnte. Das Extractum Galegae wird noch jetzt in der Westschweiz als ein die Milchabsonderung beförderndes Mittel gebraucht. In Holland verfüttert man im Sommer und Herbst das Kraut, im Winter die Wurzel an das Vieh in großem Umfange zur Erhöhung des Milchertrages. In Italien werden die Blätter als Salat gegessen.

Eingetragen am 26.12.2015Aktualisiert am 27.01.2016 11:51:44