Weicher Akanth

Acanthus mollis

Habitus: Die Wurzel ist stark, ästig, vielköpfig, der Stengel steif aufrecht, 20;-30; cm hoch, ganz einfach, dick, rundlich, etwas kantig, weichhaarig, blattlos oder unter der Ähre einige kleinere Blätter tragend.

Blätter: Die Blätter sind grundständig und fast rosettig am Boden ausgebreitet, gestielt, 10; –15; cm lang, 5-8 cm breit, fast kahl, doch kurz gewimpert, auf jeder Seite in 5-6 breite buchtig gezähnte Lappen mehr oder minder tief gespalten.

Blüten: Der Kelch ist ungleich vierspaltig, mit gegenüberstehenden kleineren Lappen. Die große, einlippige Blumenkrone ist weiß mit blaßrotem Rand. Die kurze Röhre verschließt ein Bart. Die große, dreilappige Unterlippe ist flach, aufrecht und breit. Behaart sind auch die einfächrigen Staubbeutel. Die Frucht ist eine eiförmige, zweifächrige Kapsel mit einsamigen Fächern.

Blütezeit: Mai bis Juli

Standort

An steinigen Stellen und auf Schutt, unter Gesträuchen.

Allgemeine Verbreitung

Rund um das Mittelmeer, In Mitteleuropa findet man ihn gelegentlich im Garten angepflanzt.

In der Baukunst: Das elegant zugeschnittene Distelblatt scheint die Baukünstler der Antike angeregt zu haben, die Blattform in Marmor nachzubilden und als Zierrat zu verwenden. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. genügten in der Baukunst die kräftigen, schlichten Formen des dorischen Stils und die leichte Anmut des ionischen nicht mehr; man bevorzugte eine neue Säulenform, die in der reichen Handelsstadt Korinth entwickelt wurde. Die korinthische Ordnung unterscheidet sich von der ionischen vor allem durch das Kapitell, bei dem um einen Kelch (kalathos) Akanthusblätter in ein bis zwei Reihen angeordnet sind. Das älteste bisher bekannte Beispiel stammt aus dem Apollon-Tempel in Bassai, der dem Architekten Iktinos (er leitete auch den Bau des Parthenon auf der Akropolis in Athen) zugeschrieben wird.

Heilwirkung: Nach Dioskurides dienen die Wurzeln als Kataplasma bei Brandwunden und Verrenkungen. Getrunken treiben sie den Harn und stillen den Durchfall. Von guter Wirkung sind sie bei Schwindsucht, inneren Rupturen und Krämpfen. Matthiolus kennt dieselbe Verwendung. Er schreibt ferner: "Diß Kraut / wo man es haben kan / dienet sonderlich wol zu den weich Cristirn." Die zerstoßene oder gesottene Wurzel heilt bei Verwendung als Pflaster verrenkte Glieder und den Brand. Auch bei Podagra kann man es anwenden. Die Blätter verwendet er in einem Pflasterrezept, das Geschwülste erweichen soll. Auch Weinmann weist auf die trocknende, zerteilende und diuretische Kraft der Wurzel hin und berichtet, daß Dodonaeus sie in der äußerlichen Anwendung bei Verletzungen dem Symphytum vergleiche.

Eingetragen am 09.01.2015Aktualisiert am 01.01.1970 1:00:00