Akelei, gemeine

Aquilegia vulgaris

Habitus: Es handelt sich um eine ausdauernde, 40-60 cm hohe Staude. Sie hat steif aufrechte, verzweigte und beblätterte Stengel, die kahl oder weichhaarig sind und drei bis zehn Blüten tragen.

Blätter: Die langgestielten Grundblätter sind ein- bis zweifach fiederteilig, auf der Unterseite meist heller grün und behaart. Die Stengelblätter sind den grundständigen ähnlich, aber kleiner und einfacher.

Blüten: Die nickenden Blüten sind lang gestielt und haben bis 5 cm im Durchmesser. Ihre Farbe ist dunkelblau, dunkelviolett oder rosa bis weiß. Die fünf flachen, eiförmigen Kelchblätter sind gefärbt, laufen in eine stumpfe, grüne Spitze aus und stehen waagerecht ab. Jedes der fünf trichterförmigen Kronenblätter trägt einen langen, einwärts gekrümmten Sporn. Zahlreiche gelbe Staubblätter stehen büschelförmig gedrängt.

Früchte: . Die Fruchtknoten, etwa fünf, sind schmal, lang geschnäbelt und klebrig drüsig behaart. Die langgestreckten Balgfrüchte stehen aufrecht und haben Queradern. Die Samen sind glänzend schwarz.

Blütezeit:  Mai und Juli.

Standort

In Wäldern, auf Waldwiesen, vorwiegend auf Kalkböden. Wird zahlreich in vielen Variationen als Zierpflanze in Gärten angebaut, etwa mit angezüchteten braunroten, außen gelblichen Blüten, mit rein gelben, sehr lang gespornten und auch mit scharlachroten Blüten.

Allgemeine Verbreitung

In Mittel und Südeuropa Die Akelei kommt nur auf der nördlichen Erdhalbkugel, hauptsächlich in den gemäßigten Klimazonen vor, sowohl in Japan als auch in Neu-Mexico ist sie zu Hause.

Geschichte: Die zahlreichen wild wachsenden Arten der Akelei sind schon seit dem 15. Jahrhundert in den Gärten als Stauden gern gesehen. Hildegard von Bingen nennt sie in ihrem Kräuterbuch „Physica“ Acheleia und Ageleia. Sie soll gegen den bösen Zauber helfen, aber auch gegen Impotenz, jedenfalls empfiehlt sie Tabernaemontanus dafür mit den Sätzen: „So einem Mann sein Krafft genommen und durch Zauberey oder andre Hexenkunst zu den Ehlichen Wercken unvermöglich worden wäre, der trincke stätig von dieser Wurzel und dem Samen,  er genieset und kommt wieder zurecht.“ Auch empfiehlt er sie bei Erkrankungen der Leber und Milz, als Heilmittel bei Wunden, bei Gelbsucht und Wassersucht. Matthiolus bemerkte über die Kraft und die Wirkung der Akelei: „Welcher Breutgam durch Zauberey ungeschickt geworden ist zu ehelichen werken, der trinke von einem Auszug dieser Wurzel und vom Samen und er genest.“

Hieronymus Bock wunderte sich über die geringe Verbreitung der Akelei als Heilmittel. Die Akelei wird seit etwa 1800 auch in den offiziellen Heil- und Arzneikräuterbüchern nicht mehr aufgeführt.

Akelei findet man auch auf den Gemälden des Mittelalters oft der Madonna zugeordnet, wie bei dem Gemälde im Nordhäuser Dom zum heiligen Kreuz, das Konrad von Soest zugeschrieben wird.

Name: Der botanische Name lässt verschiedene Deutungen zu, einmal von dem Lateinischen = Wasser und = sammeln oder = Wasserbehälter oder ganz anders von < aquila> = Adler bezogen auf die angebliche Ähnlichkeit der Blütensporne, mit Adlerkrallen. Es lohnt sich einmal die Blüte der Akelei genauer zu betrachten:«Elfenhandschuh» werden die Blüten der Akelei auch im Volksmund genannt. Mit Phantasie entdeckt man tatsächlich fünf Kelch-Finger, in die graziöse Elfenhände passen könnten. Alles in allem eine verspielt-romantische, unkomplizierte Staude, deren englischer Name „Columbine“ viel besser zu ihr passt als das „harte“ Akelei. Die deutschen Namen klingen eher lustig: Ackelchen, Aggerli, Hagleie, Hackelehnen, Gackeli, Glocken, Zuckerglocken, Teufelsglocken, Kaiserglocken, Frauenschühli, Kapuzinerhütli, Pfaffenkäpple, Plumphise, Schlotterhose, Tintenglocke, Herrablume, Zaniggele u.a.

Volksglaube: Der engl. Name der Akelei ist Columbine flower. Dadurch wird die Akelei zum Symbol der Unschuld Mariens. Diese Bedeutung bekommt einen Sinn, wenn man den französischen Namen ancolie als eine Kurzform für Melancholie ansieht. Erhärtet wird diese Interpretation dadurch, dass die Akelei in der Renaissance als Begräbnispflanze benutzt wurde. Auch als Ornament, besonders in der Buchmalerei, ist die Akelei seit dem 14. Jahrhundert häufig anzutreffen. Sie ist die "gotische" Pflanze. Interessant ist neben der Symbolik die Beziehung zur Zahlenmystik und der Geometrie, die sich an der Pflanze aufzeigen lassen: das zweimal dreigeteilte Blatt, das grundständige Blatt, das dreimal dreigeteilt ist. Diese Dreiteilung wurde als ein Hinweis (Symbol) der göttlichen Dreifaltigkeit angesehen.

Die Blüte ist geometrisch als regelmäßiges Fünfeck darstellbar. Ihr Diagramm folgt dem goldenen Schnitt, der' Göttlichen Proportion.

Albrecht Dürer malte die Akelei und Goethe widmete ihr ein paar Zeilen: „Schön erhebt sich die Agley und senkt das Köpfchen herunter. Ist es Gefühl oder ist es Mutwill? Ihr ratet es nicht!“

 

Eingetragen am 07.01.2015Aktualisiert am 07.01.2015 12:59:17