Lauch, Bärlauch

Allium ursinum

Habitus: Bärlauch ist eine etwa 20 bis 50 cm hohe Pflanze mit geradem, zwei- oder dreikantigem aufrechtem Stängel. Die Zwiebel ist länglich, sehr schlank, 2 bis 6 cm lang (aus den Grundteilen der beiden Laubblätter gebildet), von durchsichtigen, weißlichen oder gelblichen, zuletzt bis auf einige Borsten verschwindenden Häuten umgeben, ohne oder mit sehr wenigen Nebenzwiebeln.

Blätter: Die Blätter des Bärlauchs sind lang gestielt und kommen einzeln, wenn auch dicht nebeneinander aus dem Boden. Die grundständigen Laubblätter sind meist zu 2 (selten nur 1 oder zu 3), flach, elliptisch-lanzettlich, spitz, dünn, ziemlich plötzlich in den 5 bis 20 mm langen Stiel verschmälert, mit zahlreichen schiefen Queradern.

Blüten: Am Ende des Stängels stehen die Blüten in einer 10 – 25-blütigen flachen bis kugelförmigen Scheindolde. Die im Durchmesser 1 bis 2 cm großen sternförmigen Blüten haben sechs reinweiße, vorne spitz zulaufende oder stumpfe Blütenblätter. Sie sitzen auf geraden, 1 bis 2 cm langen Blütenstielen. Die 2 bis 3 mm großen Samen des Bärlauchs haben kleine fleischige Anhängsel, sogenannte Elaiosomen, die ihre Verschleppung durch Ameisen und die erfolgreiche Verbreitung der Pflanzen sicherstellen.

Blütezeit   April bis Juni

Standort

Bärlauch braucht nährstoffreiche, lockere, tiefgründige und humose Böden in sickernassen und staufeuchten Lagen. Er bevorzugt schattige Laub-, Mischwälder und insbesondere Auenwälder. In den Alpen ist der Bärlauch bis zur Buchengrenze zu finden. Er bildet oft große, sehr individuenreiche, dichte Bestände, deren "Knoblauchduft" man schon aus einiger Entfernung wahrnimmt.

Allgemeine Verbreitung

In fast ganz Europa aber auch im Kaukasus

Geschichte: Bärlauch, Wald- oder wilder Knoblauch, hat insofern etwas mit Bären zu tun, als die früher in unseren Wäldern heimischen Bären diese Pflanzen nach dem langen Winterschlaf als erste Nahrung in Fülle vorfanden. Der alte Name Ramsen (in Kombination mit dem typischen Biotop erklären sich Ortsnamen wie Ramsau) nimmt auf den durchdringenden Knoblauchgestank Bezug und bezeichnet den üblen Geruch von Ziegen und Schafen. Tabernaemontanus berichtet, "daß die Milch vom Safft diß Krauts gerinnet und zusammen laufft" und weiter vom üblen starken Geruch und bösen Geschmack, "daß wann das Rindviehe es in der Weide versucht / so schmäckt und reucht die Milch / Käß / und die Butter so stark nach dem Knoblauch, dass die-selbige nicht leichtlich kann genossen werden." Weil die Milch also ungenießbar wird, ist Bärlauch als Viehfutter nicht brauchbar.

In der Heilkunde und in der Küche der Antike ist der Bärlauch unbekannt. Nördlich der Alpen wurde er aber immer wieder bis auf den heutigen Tag als Knoblauchersatz verwendet, was auch die erstaunlich häufigen Funde von Überresten des Bärlauchs in den jungsteinzeitlichen Pfahlbauten des Voralpenlandes zeigen. Küsters leitet hieraus ab, dass damit bereits vor 5000 Jahren die Menschen "knofelten" zu einer Zeit, als dort der echte aus dem Mittelmeerraum stammende Knoblauch noch nicht bekannt war. Der aus Süddeutschland stammende Name "Zigeunerlauch" wirft ein bezeichnendes Licht auf die angeblichen oder tatsächlichen Nutzer des Bärlauchs.

Kulinarisches: Als gesunder Frühlingsgenuß erfreut sich Bärlauch wachsender Beliebtheit. Köstlich schmeckt er kleingeschnitten auf einem Butterbrot, in Salaten, (Wild)Kräuterquark, als Pesto usw. Da seine Inhaltsstoffe sehr empfindlich sind, sollte er nicht mitgekocht werden, sondern erst am Ende der Zubereitung dazugegeben werden. Der Vorteil gegenüber dem Knoblauch ist, daß man am nächsten Tag nicht aus allen Poren duftet. Die Blüten schmecken ebenfalls knofelig und können z.B. als Salatdekoration verwendet werde. Ab der Blüte werden die Blätter nicht mehr verwendet, da sie dann zäh und faserig werden und die Pflanze ihre Kraft in die Blüte und die Samenbildung steckt.

Heilwirkung: Bärlauch verbessert die Durchblutung der Kapillaren, senkt den Cholesterinspiegel, bekämpft die Frühjahrsmüdigkeit  und bewirkt allgemein eine Verjüngung des Organismus. Er kann für eine entschlackende Kur verwendet werden, weil er Magen und Darm reinigt. Vorschlag hierzu: Eine Woche lang das Abendessen durch Bärlauch ersetzen, der auf mannigfaltige Weise zubereitet werden kann. Zum Beispiel als Blattgemüse, Salat oder mit Weichkäse als bekömmlicher und wohlschmeckender Brotaufstrich. Bei Fadenwurmbefall stellt man aus der ganzen Pflanze Aufgüsse zum Trinken her oder verabreicht diese auch als Klistier. Bärlauch lindert Magenschmerzen und gilt als Verdauungstonikum, findet Anwendung bei Koliken, Blähungen, Magenverstimmung und Appetitverlust. Er wirkt blutdrucksenkend, herzstärkend, gegen Arteriosklerose. Aufgrund seiner leicht antibiotischen Wirkung hilft Bärlauch bei Infektionen der Atemwege gegen Asthma und Bronchitis.

 

Eingetragen am 20.11.2014Aktualisiert am 07.01.2015 12:53:59