Zwiebel, Küchenzwiebel

Allium cepa

Habitus: Botanisch gesehen ist die Zwiebel ein extrem stark gestauchter Spross, der auch als "Zwiebelscheibe" oder "Zwiebelkuchen" bezeichnet wird, dessen Blätter in Teilen als Speicherorgan dienen und im Herbst die aus den oberirdischen, absterbenden Teilen der Pflanze die Nährstoffe einlagern und sicher über den Winter bringen. Speicherort sind die basalen Teile der Blätter, die sich fleischig ausbilden und röhrenförmig um den Spross legen und als Zwiebelringe in Erscheinung treten, wenn man Zwiebeln für die Zubereitung quer schneidet.

Blätter: Die oberen, grasähnlichen Blätter entspringen rechts und links der Zwiebel.

Blüten: Der runde oberhalb der Mitte etwas blasig aufgetriebene Stängel trägt an seiner Spitze einen doldigen, kugeligen Blütenstand aus grünlichweißen Blüten. Diese sind scheinbar sechszählig organisiert, da drei Kelch- und Kronblätter nicht voneinander zu unterscheiden sind, weil sie gleich aussehen, weshalb man sie als Perigonblätter bezeichnet. Dann folgen zwei mal drei Staubblätter und innen stehen drei miteinander verwachsene Fruchtblätter.

Frucht: Die Samen sind schwarz und eckig. Der Blütenbau aus dreizähligen Kreisen der Blütenorgane ist allgemein ein Charakteristikum für die lilienverwandten Gewächse.

Blütezeit:  Juni  bis  August.

Standort

Zwiebeln verlangen einen humusreichen, tiefgründig, gut gelockerten Boden in warmer Lage. Zwiebeln brauchen neutralen bis leicht alkalischen Boden, saurer Boden ist für die Kultur ungeeignet.

Allgemeine Verbreitung

Kulturpflanze Die Kulturgeschichte der Zwiebel beginnt nachweislich in Ägypten. Ihre Heimat liegt in Zentralasien und man nimmt an, daß sie zwei oder drei Jahrtausende v.Chr. in China bekannt war und über Indien im Zweistromland bekannt wurde.

Geschichte: Die Zwiebel galt im alten Ägypten als Volksnahrungsmittel und zählte zu den beliebtesten Gemüsen. Die Ägypter gaben den Toten ganze Bündel mit in die Gräber und wickelten sie mitunter auch in die Binden der Mumien. In der langen ägyptischen Gefangenschaft lernten auch die Israeliten die Zwiebel kennen und vermissten sie auf dem Weg nach Kanaan sehr, als sie durch die Wüste zogen, denn im 4. Buch Mose, 11,5 heißt es: "Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen und der Melonen, der Pfeben (Wassermelonen), Lauchs, Zwiebeln und Knoblauchs."

Dioskorides unterscheidet lange, runde, gelbe und weiße Zwiebeln. Weiter schreibt er: "Alle Zwiebeln beissen / blähen den Leib / erwecken ein begierdt zum essen / bringen denn Durst / machen dünn / erzeugen einen Unwillen des Magens / und sindt dem Bauch bequem." Die Römer legten für den Anbau von Zwiebeln und Knoblauch eigene Gärten, sog. cepinae, an und stellten hierfür eigene Gärtner, sog. ceparii, ein. Wie Varro aus der Zeit der römischen Republik berichtet, waren ihre Vorfahren "recht brave Leute, obgleich ihre Worte einen derben Knoblauch- und Zwiebelgestank hatten." Mit der Verfeinerung der Sitten im späteren Kaiserreich waren Zwiebeln nur noch im Volk und bei den Legionären ein beliebtes Nahrungsmittel. Die Vornehmen mieden diese Speisen und die Bezeichnung "Zwiebelesser" hatte bald den Charakter eines Schimpfwortes.

Volksglaube/Brauchtum: Der Floridus Macer resümiert zur Zwiebel, dass die Ärzte über sie nicht einer Meinung zu sein scheinen. "Denn Dioskorides erklärt, dass sie aufblähe und das Haupt beschwere und nach ihrem Genuß den Durst entzünde / Galén sagt, sie sei schädlich für Menschen gelbgalliger Komplexion, für Leidende an zuviel Weißschleim sei sie indes höchst heilsam Asklepius ... gibt bekannt, dass sie dem Magen überaus gut tut, ... wer jeden Morgen nüchtern Zwiebeln isst, der lernt sein Leben lang den Schmerz nicht kennen. Alle zusammen geben kund, dass die Zwiebel, wenn man sie isst, den Schlummer bringt, ferner daß sie heilsam den harten Leib erweicht. / Mit Honig und Essig gestampft und aufgeleget, macht sie, daß Hundebisse heilen, andere kochen sie zuerst mit Wein und Honig sind drei Tage vorbei, löst man das Pflaster wieder ab. Dioskorides lehrt, Zwiebel mit Raute auf Schlangenbisse aufzulegen das helfe viel." Obwohl Zwiebeln in Ägypten Volksnahrungsmittel und die "Vielhäutige" der Mondgöttin Isis geheiligt war, ist der Verzehr den Priestern und Eingeweihten streng verboten. Man glaubte, das Wachstum der Zwiebeln stehe, gleich der Mensis der Frau, in Beziehung zu den Mondphasen. Die Hieroglyphe für den Mond und seine wandelbare Gestalt ist eine Zwiebel. Sie und der Knoblauch gelten seit dem Altertum als Aphrodisiakum (und Haarwuchsmittel!) und sind Symbole für Erotik und Zeugung.

Die vielen Schalen und Häute der Zwiebel regten die Phantasie der Menschen an und so ist sie die Lösung eines Mecklenburgischen Rätsels, in dem nach dem "lütten Racker" in den "nägen Hüd" (neun Häuten) gefragt wird oder in Siebenbürgen nach dem Fräulein mit den sieben Häuten oder in Brandenburg nach dem Mütterchen mit den hundert Tüchern. In der Wiener Gegend orakelte man das Wetter des kommenden Jahres, indem zur Christmette zwölf Zwiebelschalen auf den Tisch gelegt wurden und Salz auf die Schalen gestreut. Nach der Rückkehr aus der Mette war man dann sehr gespannt: Jede nasse Schale deutet auf einen verregneten, jede trockene Schale auf einen dürren Monat im kommenden Jahr. Zum Brauchtum gehört auch, dass mit Zwiebelschalen Ostereier hellbraun gefärbt wurden.

 

Essbar:

Zwiebelsuppe für 4 Personen

 4 große Zwiebeln

 6 Essl. Butter

 2 leicht geh. Essl. Mehl

 1 Liter kräftige Fleischbrühe

 Salz und Pfeffer

 2 Essl. Parmesan

 4 Weißbrotscheiben

Die Zwiebeln schälen, in feine Ringe schneiden und in 4 Esslöffel Butter einige Minuten anziehen lassen. Das Mehl hinzugeben und unter ständigem Rühren rösten, bis es eine hellgelbe Farbe angenommen hat. Dann die Zwiebeln mit der heißen Fleischbrühe aufgießen und gut durchrühren. Mindestens 20 Min. köcheln lassen und mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken.

In der Zwischenzeit den Parmesan reiben, die Weißbrotscheiben entrinden, in Würfel schneiden und in der restlichen Butter goldbraun anrösten. Die Suppe auf Teller verteilen und mit Käse und gerösteten Brotwürfeln bestreuen.

Heilwirkung: Kneipp  hält die Zwiebel für ein gutes Mittel zur Förderung der Verdauung, warnt aber davor, zuviel zu nehmen, weil nur Leute, die schweres schwarzes Brot essen, sie gut vertragen. Er empfiehlt die Zwiebeltinktur oder die in Milch gesottenen Zwiebeln als ein herrliches Mittel gegen Bauchgrimmen, Magendrücken, Unterleibsschmerzen und Spulwürmer. Zwiebel und Rosmarin in halb Wasser und halb Wein miteinander gesotten sollen den Urin noch stärker treiben als die Zwiebel allein und ein wirksames Mittel gegen Wassersucht sein. Einreibungen mit Zwiebelsaft vertreiben die Schmerzen, wirken zerteilend auf verhärtete Stellen. Eine Zwiebelabkochung sei gut für alle Arten von Ausschlag.

Verwendung in der Kosmetik: Die Zwiebel ist zur Haarpflege besonders geeignet. Zwiebelhaarwasser wird wie folgt hergestellt: Eine geschälte, feingehackte Zwiebel wird einen Monat lang mit 1/8 Liter hochprozentigem Alkohol angesetzt, anschließend filtriert und in eine Flasche abgefüllt. Mit diesem Haarwasser wird die Kopfhaut täglich massiert. Wer die Tönung von braunem oder dunkelblondem Haar verändern will, muss 50 g Zwiebelschalen mit 1/8 Liter kaltem Wasser übergießen, das Ganze erhitzen und 5 Minuten kochen lassen. Mehrmals täglich reibt man die Haare mit dem braunen Zwiebelwasser ein, bis sie die gewünschte Tönung haben. Auch graue Haare können so auf natürliche Weise getönt werden.

Eingetragen am 19.11.2014Aktualisiert am 07.01.2015 12:47:25