Schneeglöckchen

Galanthus nivalis

Habitus: Es handelt sich um ein bis 20; cm hoch werdendes, mehrjähriges Kraut, Der Stängel ist einblütig, Da der Stiel schwach gebaut ist, senkt sich das Köpfchen (nickend). Die Stängel sind zylindrisch und nicht abgeflacht.

Blätter: Eine häutige Scheide umhüllt die Blätter. Das Schneeglöckchen hat zwei schmale, blaugrüne bereifte Blätter; die drei inneren Blütenblätter sind deutlich kürzer als die drei äußeren und an der Spitze.

Blüten: Die Blüte besteht aus einer sechsblättrigen weißen Blütenhülle, sechs Staubgefäßen und einem Stempel. Das Schneeglöckchen besitzt einen unterständigen Fruchtknoten. Die drei inneren Blütenblätter sind viel kleiner als die drei äußeren und normalerweise grün gezeichnet. Die Blüte hat 3 äußere und 3 innere Blütenblätter. Die inneren sind um die Hälfte kleiner als die äußeren, außerdem tragen sie an der Spitze einen grünen Fleck.

Blütezeit:  Februar bis März

Standort

Auf ausreichend feuchten, nährstoffreichen Böden, Laubmischwälder, Gebüsche, Wiesen, Südeuropa, selten, häufig angepflanzt und verwildert aus Gärten;

Allgemeine Verbreitung

Schneeglöckchen stehen unter Naturschutz und dürfen in der freien Natur nicht gepflückt werden. Alle in Mitteleuropa vorkommenden Populationen des Schneeglöckchens sind aus Gärten verwildert.

Rückert, Friedrich (1788;-1866;)

Schneeglöckchen

Der Schnee, der gestern noch in Flöckchen vom Himmel fiel

Hängt nun geronnen heut als Glöckchen am zarten Stiel.

Schneeglöckchen läutet, was bedeutet's Im stillen Hain?

O komm geschwind! Im Haine läutet's den Frühling ein.

O kommt, ihr Blätter, Blüt' und Blume, die ihr noch träumt,

All zu des Frühlings Heiligtume! Kommt ungesäumt!

Andersen, Hans Christian (1805;-1875;)

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Das Schneeglöckchen

Es war Winterzeit.

Die Luft war kalt und der Wind scharf; aber zu Hause war es warm und gemütlich. In seinem eigenen Häuschen saß das Schneeglöckchen; es schlummerte in seiner Zwiebel unter der Erde und Schnee. Eines Tages fiel Regen.

Die Tropfen drangen durch die Schneedecke hinab in die Erde; sie berührten die Blumenzwiebel und erzählten ihr von der Lichtwelt da oben. Bald drang auch ein Lichtstrahl ganz fein durch den Schnee hinab zu der Zwiebel und streichelte sie mit ihrer Wärme. "Komm herein!" sagte die Blume. "Das kann ich nicht", sagte der Sonnenstrahl, "ich bin noch nicht stark genug, um die Erde ganz aufzuschließen. Erst zum Sommer werde ich stärker." "Wann ist es Sommer?" fragte die Blume, und sie wiederholte diese Frage, sooft ein Sonnenstrahl zu ihr hinabdrang. Aber noch lag der Schnee, und es fror Eis auf dem Wasser in jeder Nacht. "Wie lange das dauert!" sagte ungeduldig die Blume. "Ich muß mich strecken! Ich muß hinaus und den Sommer einen guten Morgen zunicken! Es wird hohe Zeit!" Und die Blume reckte und streckte sich drinnen gegen die dünne Schale, die das Wasser von außen weichgemacht und die Sonne gestreichelt hatte. Bald sproß sie unter dem Schnee hervor mit weißgrüner Knospe auf grünem Stengel und mit schmalen, dicken Blättern, die gleich einem Mantel umgaben.

Der Schnee war kalt, aber vom Lichte durchstrahlt. "Willkommen! Willkommen!" klang jeder Strahl, und die Blume erhob sich über den Schnee hinaus in die Lichtwelt. Und als die warmen Strahlen der Mittagssonne sie küssten, da öffnete sie sich ganz, weiß wie der Schnee und geschmückt mit grünen Streifen. Sie neigte ihr Haupt in Freude und Demut. "Wunderschöne Blume!" sangen die Sonnenstrahlen, "wie bist du frisch und zart" Du bist die Erste, du bist die Einzige" Du läutest den Frühling ein!" Das war eine Lust! Es war, als ob die Luft sänge und klänge, als ob die Strahlen des Lichtes dem Schneeglöckchen in seine Blätter und seine Stängel hineindrängten.

Aber es war noch weit bis zur Sommerzeit. Wolken verhüllten bald wieder die Sonne, und scharfe Winde rausten über das arme Schneeglöckchen fort. "Du bist zu früh gekommen!" sagten Wind und Wetter. "Noch führen wir das Regiment. Du wärest besser nicht hinausgelaufen, um Staat zu machen. Es ist noch nicht an der Zeit!" Aber die kleine Blume hatte mehr Stärke in sich, als sie selbst wusste! Und so stand sie da in ihrer weißen Tracht mitten im Schnee und neigte ihr Haupt, wenn die Schneeflocken dicht und schwer auf sie herabsanken und die eisigen Winde über sie dahinfuhren. "Du bricht ab!" sagten sie" Du verwelkst! Du erfrierst! Was wolltest du auch schon draußen? Der Sonnenstrahl hat dich genarrt!" Aber gegen Mittag kamen einige Kinder in den Garten.

"Oh ein Schneeglöckchen!" jubelten sie, "da steht eins, so schön, so reizend, das erste, das einzige!" Und diese Worte taten der Blume so wohl; das waren Worte wie warme Sonnenstrahlen. Das kleine Schneeglöckchen empfand in seiner Freude nicht einmal, daß es gepflückt wurde. Es lag in Kinderhand, wurde in die warme Stube gebracht, von freundlichen Augen betrachtet  und von weichen Händen ins Wasser gestellt. Das Blümchen fühlte sich neu gestärkt und belebt, als wäre es auf einmal mitten in den Sommer hineinversetzt.

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Eichendorff, Joseph Freiherr von (1788;-1857;)

geboren am 10;.3.

 

Schneeglöckchen

`s war doch wie ein leises Singen

In dem Garten heute nacht,

Wie wenn laue Lüfte gingen:

"Süße Glöcklein, nun erwacht,

Denn die warme Zeit wir bringen,

Eh's noch jemand hat gedacht."

's war kein Singen, 's war ein Küssen,

Rührt die stillen Glöcklein sacht,

Daß sie alle tönen müssen

Von der künftgen bunten Pracht.

Ach, sie konntens nicht erwarten,

Aber weiß vom letzten Schnee

War noch immer Feld und Garten

Und sie sanken um vor Weh.

So schon manche Dichter streckten

Sangesmüde sich hinab,

Und der Frühling, den sie weckten,

Rauschte über ihrem Grab.

Eingetragen am 17.11.2014Aktualisiert am 17.11.2014 19:24:59