Narzisse, gelbe

Narcíssus pseudonarcissus

Habitus. Die Narzisse wächst aus einer braunen Zwiebel und wird 15 bis 40 cm hoch. Der Stängel ist zusammengedrückt zweikantig.

Blätter: Die Blätter der Narzissen haben eine linealische Form und sind etwa so lang wie der Blütenstängel. Bläulichgrün und unten gekielt.

Blüten: Die Blüten sind gelb oder weiß und haben 6 Blütenblätter, innen mit einer Nebenkrone. Sie stehen meist einzeln auf einem langen Stängel.

Blütezeit :  März bis Mai.

Standort

Auf schwach sauren Böden im Alpenvorland und den Mittelgebirgen Westeuropas. Gartenzierpflanze gelegentlich daraus verwildert. in Fettwiesen, in lichten Laubwäldern bis  2000 m.

Allgemeine Verbreitung

In West- und Südwesteuropa

Name: Die Gelbe Narzisse wird auch Osterglocke und Trompeten-Narzisse genannt. Die Bezeichnung Narzisse oder im wissenschaftlichen Namen Narcissus, entstammt der griechischen Mythologie. Narziß war ein griechischer Held und so schön, dass sich alle Dryaden und Waldnymphen in ihn verliebten. Er aber erwiderte ihre Liebe nicht, denn Narziß hatte nur Augen für sich selbst. So beschlossen die Götter ihn für seine Eigenliebe zu bestrafen.
Als Narziß mal wieder sein Spiegelbild in einem Fluß betrachtete, wurde er so verzückt von seiner eigenen Schönheit, daß er sich selbst umarmen wollte, dabei ins Wasser fiel und ertrank. Man errichtete einen Scheiterhaufen um den toten Narziß zu verbrennen. Als aber die Flammen seinen Leichnam berühren wollten, wurden diese entrückt und zurück blieb eine Blume, nämlich die Narzisse.
Sie trägt in ihrer Blütenkrone einen Kranz und zeigt damit Narziß, wie er sich über das Wasser beugt und sich selbst betrachtet. Der Artname der Gelben Narzisse, pseudonarcissus, bedeutet unechte Narzisse. Der Artname der Weißen Narzisse, poeticus, heißt dichterisch besungen.

Geschichtliches: Noch vor der Verwendung der Blüten von N. pseudonarcissus in der Heilkunde war die Zwiebel als Radix Narcissi sylvestris s. Bulbocodii offizinell. Die Pflanze, die zu unseren giftigen Kräutern zählt, kann beim Vieh Magen- und Darmentzündungen verursachen. Die von Orfila an Hunden angestellten Versuche haben gezeigt, dass die schädlichen Wirkungen selbst den Tod zur Folge haben können. In den Arzneiverordnungen Hippokrates  finden sich Rezepte für Narzissen-Einlagen in den Uterus, als Emmenagoga und zur Erweichung des Muttermundes. Bock  führt die Narzisse als "Gäl Hornungsblume" an, weiß aber von ihrer Heilkraft noch nichts zu berichten und verweist auf das "Narzissenrößlin" (Narciss. poeticus), das als Emetikum, äußerlich als Wundheil- und erweichendes Mittel, gegen Podagra und Hautleiden anzuwenden ist. Matthiolus  faßt alle Narzissenarten zusammen und spricht ihnen die gleichen Eigenschaften wie Lonicerus zu. Nach Dragendorff  werden Zwiebel und Blüte der Narzisse in Südeuropa als Emetikum, bei Ruhr, Intermittens, Krämpfen, Epilepsie, äußerlich gegen Geschwüre angewandt. In der Homöopathie wird das Mittel gegen Bronchialkatarrh, Schnupfen, im konvulsivischen Stadium des Keuchhustens und bei Diarrhöe angewandt. Eine Familie, die infolge Verwechslung mit Lauch Zwiebeln der Wiesennarzisse gegessen hatte, erkrankte an Übelsein und Leibschmerzen. Auf Brechmittel und Milch trat bald Besserung ein. Ein Knabe, der sich dieser Behandlung entzogen hatte, war noch am nächsten Tage krank. Vergiftung mit Zwiebeln von Narciss. poeticus führte zu Erbrechen, bei Tieren zu gastrointestinalen Erscheinungen, Injektion bei der Katze zu Schädigung der Herz- und Atemtätigkeit . Ein zu bestimmten Zeiten in der Narzisse enthaltenes Alkaloid wirkt ähnlich dem Muscarin (vgl. Agaricus) und dem Arecolin . Über Narzissendermatitiden, die besonders in Gegenwart von Schweiß und Sonnenhitze auftreten, vgl. auch Touton . Die Zwiebeln enthalten neben dem Alkaloid "Narcissin" u. a. Gerbsäure, ätherisches Öl und Inulin, die Blätter u. a. Scillain, Phytosterin, Wachs, fettes Öl, Quercetin, die Blüten: ätherisches Öl

Anwendung in der Praxis: Narcissus pseudonarcissus ist ein selten angewandtes Mittel bei Reizungen der Mucosa, insbesondere der Bronchien. Im einzelnen gibt man es bei: Bronchialkatarrh, Pertussis, Rhinitis, Asthma, ferner bei Diarrhöe und Nausea mit Vomitus. Daneben werden auch Epilepsie, Stirnkopfschmerz und Fieber als Indikationen genannt. Angewandter Pflanzenteil: Bock erwähnt die Verwendung von Wurzel und Kraut, Matthiolus nur die der Wurzel. Geiger führt an, daß zu seiner Zeit die Blüte offizinell war, daß man aber früher auch die Zwiebel benutzt hätte. Dragendorff nennt Zwiebel und Blüte. Nach Heinigke wird die frische Zwiebel zur Bereitung der Essenz benutzt. Clarke schreibt vor, die unentfalteten Knospen, Stengel, Blätter und Blüten zu verwenden. Die frische, blühende Pflanze ohne Wurzel nennt auch das HAB. (§ 3). Das "Teep" wird aus der frischen, blühenden Pflanze mit Wurzel gewonnen.

Eingetragen am 17.11.2014Aktualisiert am 07.01.2015 12:43:59