Aronstab, gefleckter

Arum maculatum

Habitus: Die krautige Pflanze wird 15 bis 50 cm hoch. Die Wurzel besteht aus einem knolligen Wurzelstock mit vielen fleischigen Wurzeln.

Blätter:  Die Blätter haben einen langen, grundständigen Stengel mit einer Länge bis 20 cm. Sie sind meist pfeilförmig und haben manchmal eine spitz-, eiförmige oder lanzettliche Gestalt. Sie haben eine dunkelgrüne Farbe, die Mittelrippe ist sehr stark ausgeprägt. Oft erheben sich einfarbige braune bis violette Flecken als Noppen.

Blüten: Die Blüten sind von einem hellgrünen, gelblichen oder leicht rötlichen Hüllblatt umgeben, das innen weiß und nach unten kesselartig erweitert ist. Der Blütenschaft wird bis 60 cm hoch. Er trägt an der Spitze den Blütenkolben, der von einer blaß gelblichgrünen, bauchigen und zugespitzten Scheide umgeben ist. Der obere Teil des Blütenkolbens ist keulenartig verdickt, braunviolett und nackt. Der darunter befindliche dünnere Teil der Kolbenspindel trägt die weiblichen und männlichen Blüten, die beide ohne Perigon sind. Über bzw. zwischen den Blüten befinden sich zwei Kreise von Borsten. Der Blütenkolben ist von einer Blattscheide umgeben. Die Samen sind erbsengroß, fleischig, einsamig, orangerot bis dunkelrot und stehen dicht gedrängt am Stengel.

Blütezeit: März bis Mai

Standort

In feuchten Laub- und Laubmischwäldern, auf lockerem und nährstoffreichem Humusboden. Er liebt durchlässige kalkreiche Böden

Allgemeine Verbreitung

Der Aronstab kommt vor allem in der gemäßigten Zone in unteren europäischen Gebirgslagen vor (Voralpen und Jura vor allem).

Name: Die Pflanze hieß auch Zehrwurz, Eselsohr, Magenwurz und auch Pfaffenspint. Schon die alten Griechen nannten das Gewächs Aron, woraus der Gattungsname Arum entstanden ist. Die Bezeichnung Aronstab verweist übrigens auf den Blütenkolben. Er nimm damit Bezug auf das Alte Testament, Zitat (2. Mose 7, 10): Und Aaron warf  seinen Stab vor den Pharao und vor seine Knechte hin und er ward zur Schlange. Der Lateinische Gattungsname maculatum bedeutet gefleckt, womit er sich auf die Laubblätter bezieht.

Vermehrung: Die eingeschlechtlichen Blüten stehen getrennt an der Kolbenachse. Deren Ende bildet eine braun-violett farbene Keule, die mit Duftdrüsen ausgestattet ist. Bei Wärme - im Kessel liegen die Temperaturen durch intensive Atmung bis 16 °C über der Außentemperatur - verströmen sie einen harnartigen Geruch, durch den Insekten angelockt werden. Sie finden an der glatten Spatha keinen Halt und rutschen in den Kesselgrund. Hier befinden sich die weiblichen Blüten, die Nektar absondern. Zwischen weiblichen und männlichen Blüten stehen Sperrborsten, die nach der Bestäubung welken, so dass das Insekt wieder, nach etwa 24 Stunden, entkommen kann. Auf dem Weg ins Freie wird es mit dem Pollen der jetzt reifen männlichen Blüten beladen.

Geschichte: Siehe, da hatte der Stab Aarons, der dem Stamme Levi angehörte, ausgeschlagen, und zwar hatte er Sprossen getrieben und Blüten hervorgebracht und trug reife Mandeln.4. Buch Mose 17, 23. Aaron (Aron), Moses redegewandter Bruder und manchmal auch dessen Konkurrent, ist im alttestamentarischen Exodus-Bericht als einer der Anführer des israelitischen Auszugs aus Ägypten nach Kanaan beschrieben. Fast ständig führt Aaron einen Stab bei sich, der unter anderem zum Einsatz kommt, um drei der sieben Plagen über Ägypten zu bringen. Auf Aarons Stabzeichen hin wird das Wasser im Nil zu Blut (2. Buch Mose 7,19 f.) kommt es zur Frosch- und schließlich zur Stechmückenplage (2. Buch Mose 8, 5 f., 16 f.).
Hier ist aber ein anderer Stab Aarons gemeint:
Nach einem niedergeschlagenen Aufruhr soll den Israeliten die bevorzugte Stellung von Aaron und seinem Clan als einziger zum Hochpriesteramt legitimierten Familie noch einmal deutlich gemacht werden. Mose läßt die zwölf Anführer der israelitischen Stämme ihre Namen auf Stäbe schreiben und legt die zwölf Stäbe über Nacht ins heilige Zelt zur Bundeslade. Aaron hat seinen Namen auf den Stab des Stammes Levi geschrieben. Am nächsten Morgen hat dieser Stab Blüten getrieben und trägt gleichzeitig Mandeln. Fortan wird er bei der Bundeslade verwahrt als Warnung vor weiteren Rebellionen und als Legitimationszeichen für die gottgewollte Priesterschaft der aaronidischen Familie (4.Buch Mose 17.16-25).

Volksmedizin: Die Knollen der Arongewächse scheinen im Altertum vielfach als Nahrung gedient zu haben. So schreibt Theophrast: "Die Wurzeln und Blätter des Aron sind eßbar, wenn sie mit Essig gekocht sind, jene schmecken süß und heilen innere Zerreißungen." Plinius empfiehlt den weiblichen Aron zum Essen, weil der männliche zu hart sei und sich nur langsam weichkochen lasse. Wenn der Bär aus seinem Winterschlaf erwache, so seien die Knollen des Aron seine erste Nahrung, er hält sie also auch roh für die Tiere nicht schädlich. - Dioskurides kennt verschiedene Aronarten, in welchen sich aber unser Aron maculatum nicht mit Sicherheit nachweisen lässt. - Im Mittelalter war der Aronstab ein hochberühmtes Heilmittel. J. J. Becher von Speyer beschreibt im Parnassus medicinalis, Ulm 1663, seine heilkräftigen Eigenschaften: Die Wurzel Pfaffenspint (Aronstab), die trocknet, hitzet sehr, Zertheilet dies, was Lungen ist beschwer, Den zähen Schleim des Leibes in gleichen lösst sie auf, Heilt Brüch und treibt den Harn. Zwey Styck seynd zum Kauf: Die Wurzel präpariert, ein Pulver noch dazu, Sie schaffen wie gesagt, zu solchen Sachen Ruh. Vergiftungen durch den Aronstab sind mehrfach bekannt geworden.. Von Hippokrates wurde der Aronstab als Expektorans, gegen Lungenempysem, Prolapsus ani und zu Uteruseinlagen zur Beförderung der Menstruation wie auch zur Erweichung des Muttermundes verordnet. "Ein berümpt artznei für den zähen husten" nennt Bock den Aronstab, der resolvierend, brust-, lungen- und uterusreinigend, gegen Asthma, Magenverschleimung, Melancholie, äußerlich gegen Kondylome und Mastdarmvorfall wirken soll. Die Blätter seien ein gutes Wundheilmittel, das zugleich alte, unsaubere Wunden reinige. Diesen Indikationen fügt Matthiolus noch hinzu, daß der Wurzelsaft, mit Fenchelwasser gemischt, die Augen rein und klar mache und auch von den Frauen häufig als Hautverschönerungsmittel gebraucht werde.

Heilwirkung: Ältere Ärzte gebrauchen die in gehörig verschlossenen, besonders vor dem Zutritt feuchter Luft geschützten Gefäßen verwahrte Wurzel bei Verschleirnungen der Brust wie des Darmkanals, namentlich bei veralteten Katarrhen, im Schleimasthma bei den infolge der Verschleimung entstehenden Verdauungsstörungen, gegen chronische Rheumatismen, Eingeweidewürmern Rhachitis, hypochondrische Beschwerden, äußerlich zur Reinigung übel aussehender Geschwüre. Sie verordneten dieselbe zu 10-15 Gran in Pulverform oder Pillen mit bitteren Arzneien, kohlensaurer Magnesia, Mittelsalzen. Jetzt ist die Aronswurzel ziemlich außer Gebrauch gekommen, doch dient sie noch als Bestandteil des Birkmann'schen Pulvers (zusammengesetzt aus getrockneter Aronswurzel 4 Lot, Kalmuswurzel 2 Lot, Pimpinellwurzel 1 Lot, Krebssteinen 1 Lot, Zimt und kohlensaures Natron je 3 Quentchen). Man gibt dasselbe als Magenmittel zu einer Messerspitze oder einem Teelöffel voll ein paarmal des Tages. Endlich dient die ihres scharfen Prinzips beraubte Aronswurzel auch als Nahrungsmittel. Sie enthält sehr nahrhafte Bestandteile und ist besonders in Zeiten der Teuerung aller Beachtung wert. Man soll sich ihrer schon an verschiedenen Orten zur Brotbereitung bedient haben. Nach Pereira wird aus der Aronswurzel das sogenannte PortlandSago bereitet.

Giftstoffe: Die gesamte Pflanze ist giftig und enthält in großen Mengen Caliumoxalat und den Scharfstoff Aroin. Bei Kindern führen die roten, süß schmeckenden Beeren immer wieder zu Vergiftungen, selbst beim Berühren der Pflanze kann es zu Hautrötung und Entzündungen kommen.
Eine Vergiftung bei innerer Aufnahme zeigt sich durch Entzündungen der Mundschleimhäute und Anschwellen der Lippen, auf der Zunge und im Rachen kommt es zu schmerzhaftem Brennen. Weiterhin können sich unregelmäßiger Herzschlag, Krämpfe und innere Blutungen einstellen.

Volksglaube: Etliche Weiber brennen aus Kraut/Wurzel und Blumen vom Aron ein kräftig Wasser, welches das Gesicht schön macht und die Runtzel vertreibt  - so berichtet Tabernaemontanus von ihm als „Schönheitspflanze“.   Wenn Mädchen zum Tanz gingen, sollten sie Zehrwurzel in die Schuhe legen und sprechen „Zehrwurzelkruat, ich zieh dich in meine Schuh, ihr Junggesellen, lauft mir alle zu.“ Besonders wirksam war dieser Spruch, wenn die Pflanze am Himmelfahrtstag gesucht wurde. In der christlichen Symbolik gehört er zu den Mariensymbolen, weil sich der Blütenkelch zum Himmel empor öffnet.






 

Eingetragen am 16.11.2014Aktualisiert am 07.01.2015 12:42:44