Haselwurz

Asarum europaeum

Habitus: Die ganze Pflanze ist zottig behaart, so auch die Grundachse und die Blattsprossen. Die immergrünen Laubblätter bilden dichte Nester, da die Grundachse reichlich verzweigt ist und jeder neue Laubspross Wurzeln treiben kann. Der Wurzelstock ist ziemlich dünn und kriecht ganz dicht unter der Oberfläche. Manchmal bleibt er sogar in der Laubspreu stecken.

Blätter: Je zwei Laubblätter und 3 bis 4 kleine, bräunlichgrüne und schuppige Niederblätter kommen aus jedem Laubspross. Die Stiele der Laubblätter sind 10 bis 15 cm lang und rotbräunlich überlaufen. Die ledrigen Blätter sind glänzend dunkelgrün und werden bis zu 8 cm breit. Ihre Form ist herz- oder nierenförmig.

Blüten: Die Blüten sind sehr unscheinbar und häufig unter den Blättern verborgen. Sie sitzen am Ende der Sprosse und sind 1 bis 1,5 cm lang. Die glockenförmigen Blütenkronen sind drei oder vierteilig, innen purpurn und außen bräunlich. Beim Zerreiben riechen sie nach Pfeffer.

Blütezeit: März bis Mai

Standort

In Laubwäldern auf humusreichen, kalkhaltigen Böden, aber auch in Auenwäldern und in Nadelforsten. Steigt in den Alpen bis über 1200 m.

Allgemeine Verbreitung

Mittel- und Osteuropa Südosteuropa, Kleinasien, Sibirien, bis hin zum Altai-Gebirge im Norden bis England und Südschweden, fehlt im ganzen nördlichen Flachland und im Westen.

Name: Ein häufiger Standort der Haselwurz ist unter Haselnussbüschen. Daher könnte der Name rühren. Der griechische Gattungsname Asarum bedeutet unverzweigt (asaron = zweiglos), den Artnamen europaeum erhielt die Pflanze, weil sie die einzige in Europa wachsende Art der Asarum-Gattung ist.

Geschichtliches: Schon bei den Römern und auch noch im Mittelalter galt die Haselwurz als ein wichtiges Heilmittel. So soll sie Brechreiz erzeugen und harntreibend wirken. Mit Honig getrunken war es zu jener Zeit als Abführmittel in Gebrauch. Paracelsus setzte die Haselwurz z.B. als Pflaster beim  „ Sausen der Schläfenadern “ ein. Bei anderen Autoren wird sie als Mittel zur Stärkung von Niere , Blase, Leber und Milz genannt. Dies scheint auf der Beachtung der „ Signaturlehre “ zu beruhen. Danach zeigt die Natur z.B. durch die Form von Blättern und Blüten an, für welches menschliche Organ mit ähnlicher Form die Pflanze als Heilmittel infrage kommt, hier also wegen der Form der Blätter Leber und Nieren.
Auch im Milchzauber spielte die Haselwurz eine Rolle. In Oberöstereich glaubte man wenn jemand die Milch von Kühen verzaubert hatte, musste man die Milchzuber mit Haselwurz ausreiben und auswischen. Danach geben die Kühe wieder gute und viel Milch.

Heutige Verwendung: Der einen kampferartigen Geruch verströmenden Wurzelstock wird genutzt. Er weist außerdem einen scharf würzigen Geschmack auf. Nach dem Sammeln im August sollte der Wurzelstock möglichst schnell getrocknet werden und dann verschlossen aufbewahrt werden. Heute wird sie als auswurfförderndes Mittel in Auszügen bei trockenen Rachen- und Kehlkopfkatarrhen sowie bei Asthma verwendet. Homöopathisch wird Haselwurz in entsprechender Verdünnung bei nervösen Reizerscheinungen wie Kopfschmerzen mit Übelkeit, nervösem Erbrechen, Hysterie, Fieber, Darm- und Blasenkrämpfen, Koliken, Rheuma, nervöser Überempfindlichkeit, Lichtscheue und Frostgefühl gegeben. Außerdem benutzt man Haselwurz in ganz niedrigen Dosen noch als Zusatz in Niespulvern und Schnupftabak.

Eingetragen am 16.11.2014Aktualisiert am 01.12.2014 16:31:27