Osterluzei, gemeine

Aristolochia clematis

Habitus: Es handelt sich um eine 20 bis 70 cm hohe krautige Pflanze mit einem eigenartig riechenden Stengel.

Blätter: Die Laubblätter haben einen tief ausgebuchteten herzförmigen Grund und sind rundlich bis eiförmig. Sie sind langgestielt, bis 10 cm lang und auch breit, schwach ausgerandet. Der Blattrand ist glatt und höchstens durch kleine Zähnchen rau.

Blüten: Die Blüten stehen in achselständigen, doldenähnlichen und wenigblütigen Wickeln. Sie sind mittelgroß und viel kürzer als die Blätter. Die Blütenhülle ist schwefelgelb und am Grund bauchig erweitert. Sie bildet eine gerade Röhre, die oben in eine eiförmige Zunge erweitert ist.

Blütezeit: Mai bis Juni

Standort

Braucht kalkhaltigen, nährstoffreichen, lockeren Lehm- oder Lößboden, die überreich an Nitrat sein sollten. Gedeiht nur in klimatisch begünstigten Gegenden. Gebüsche, Raine, Kulturen, vor allem in Weinbergen. Bis in Höhenlagen von 1200 m beobachtet.

Allgemeine Verbreitung

Europa (außer Nordeuropa), Kleinasien und im Kaukasus, in England, Schottland und Norwegen eingebürgert.


Name: Auf den Einsatz als Blutungsmittel bei Wöchnerinnen ist der wissenschaftliche Name Aristolochia zurückzuführen (griech.“aristos“ = „sehr gut“ und „locheios“ = „zum Gebären gehörend“). Er weist somit auf die Verwendung der Pflanze als Mittel zur Geburtsförderung hin. Die deutsche Bezeichnung der Pflanze ist aus dem griechischen Gattungsnamen entstanden. Der Artname clematis stammt von dem griechischen Wort klema für Ranke und bezieht sich auf die Wuchsform der Osterluzei.

Die Kesselfalle: Vom Blütenduft angelockte Zweiflügler stürzen vom glatten, zungenförmigen Endstück der Blütenröhre ab und gleiten durch leicht bewegliche Haare in den basalen Kessel. Wachskörnchen an den Wandflächen verhindern ein Entkommen. Während nun die Blüte ein weibliches Stadium durchläuft erfolgt durch mitgebrachte Pollen die Bestäubung. Beim nachfolgenden männlichen Zustand beladen sich die Insekten mit neuen Pollen. Zur selben Zeit vertrocknen die Haare in der Blütenröhre, die Blüten neigen sich und die eingeschlossenen Insekten können die Kesselfalle verlassen. Auf diese Weise sichert die Blüte eine Fremdbestäubung.

Heilwirkung: Die Osterluzei wurde in alter Zeit in Südeuropa und Westasien als Heilpflanze verwendet. Die alten Ägypter verwendeten sie gegen Schlangenbisse. Hippokrates verwendete die Pflanze zur Erleichterung der Geburt. Hildegard von Bingen führt sie als Heilpflanze auf. Im 16. Jahrhundert war Osterluzei in vielen Gärten

Brauchtum: In katholischen Gegenden ist die Osterluzei  Teil des  „Wurzwisches“, eines aus verschiedenen   Arzneipflanzen bestehenden Straußes. Dieser Strauß wird an Mariä Himmelfahrt in  der Kirche geweiht und stellt eine Ehrung der Natur dar. Diese Pflanze unterstützt jeden Neubeginn. Sie gibt  Energie und Kraft das Angefangene durchzustehen. Bei der Hochzeit unters Bett gestreut kann Osterluzei neues Leben anziehen. 

Eingetragen am 16.11.2014Aktualisiert am 07.01.2015 12:41:22