Buchweizen, gemeiner

Fagopyrum esculentum

Habitus: Der Stengel ist aufrecht und wenig verzweigt und zur Fruchtzeit oft rot.

Blätter: Die Blätter sind meist deutlich länger als breit, herz- bis pfeilförmig und bis 8 cm lang, die untersten deutlich gestielt und die oberen fast sitzend.

Blüten: Die 5-15 Blüten stehen in einer endständigen Trugdolde und in traubigen, kurzen Blütenständen in den Achseln der gestielten, herzförmigen Blätter. Die Blüten werden um 3 mm lang und sind meist weißlich oder rötlich. In jeder Blüte reift eine Frucht. Sie ist dreikantig, etwa 4-6 Millimeter lang und etwa 3 Millimeter breit und sieht wie eine kleine Buchecker aus.

Blütezeit: Juli bis Oktober.

Standort

Als Getreide-, Futter- und Bienenweide-Pflanze kultiviert, selten verwildert auf Ruderalstellen.

Allgemeine Verbreitung

Heimisch in Zentralasien, kultiviert in Europa (v.a. Balkan, Österreich, Südtirol), Japan, China, Kanada, Brasilien, Südafrika, Australien.

Name: Der Name Buchweizen leitet sich von seinen kastanienbraunen dreikantigen Früchten ab, die eine ähnliche Form wie Bucheckern haben. In manchen Gegenden wird Buchweizen auch als Heiden, Blenden oder schwarzes Welschkorn bezeichnet. Der Name Buchweizen wird zum ersten Mal in einem Nürnberger Archiv erwähnt. Zur Namenserklärung gibt Hegi an, diese Bezeichnung sei nur in Norddeutschland üblich, während in Mittel- und Süddeutschland die Namen Heidenkorn, heidnisch Kern und Taternkorn, auch Haid'n (bayerisch-österreichisch) gebräuchlich seien. Diese Namen weisen auf die Herkunft aus Asien zu einer Zeit, in der es sowohl Christen als auch Heiden gab. Die Bezeichnung Haid'n könnte entweder dasselbe bedeuten oder Bezug nehmen auf arme Standorte wie Heiden, wenn diese für Ackerland umgebrochen werden.

Geschichte: In China soll die Nutzung des Gewöhnlichen Buchweizens sehr alt sein. Doch in den vorgeschichtlichen Funden, früher als etwa 1000 v. Chr., sind zwar Hirsen und später Reis, Weizen, Gerste und andere Nutzpflanzen nachgewiesen worden, aber kein Buchweizen. Auch im Buch der Oden (11.-6. Jh. v. Chr.) wird er unter den 150 wichtigen Kultur- und Wildpflanzen nicht genannt. Buchweizen muß demnach in China erst nach dieser Zeit aufgekommen sein. Die bisher ältesten Buchweizenfrüchte sind im Südwesten der Sowjetunion gefunden worden und zwar in den Siedlungen Elabuga, Neprovo und Azov. Diese liegen im fruchtbaren Steppengebiet nördlich des Schwarzen Meers (heutige Ukraine), datiert auf den Beginn der Eisenzeit (7./6. und 5./4. Jh. v. Chr.). Dort lebten zu der Zeit die Skythen, die teils Ackerbauern, teils berittene Nomaden waren. Letztere haben auch Handel mit griechischen Städten betrieben und unterhielten Beziehungen zu Ilrakein (heutiges Bulgarien) und Kelten. So berichtete jedenfalls Herodot (5. Jh. v. Chr.). In Wirklichkeit kann der Anbau von Buchweizen in diesem Gebiet viel älter sein, aber der Handel damit nicht früher als etwa 800 v. Chr., weil es erst seit dieser Zeit dort die berittenen Nomaden gab. In der Ukraine hat wahrscheinlich der Buchweizenanbau mindestens bis zum Mittelalter angedauert, denn die Grabhügel der Sewerjan- und Poljanstämme aus dem 10.-12. Jahrhundert n. Chr. enthielten regelmäßig Buchweizenkörner (nach Opravil 1974). Die Ausbreitung des Buchweizenanbaus nach Westen wird durch Funde der Früchte in mittelalterlichen Städten belegt (bei archäologischen Ausgrabungen in den Altstadtkernen im Zuge von Bauarbeiten). In Polen ließ sich dies an zwei Stellen aus dem frühen Mittelalter (6.j-10. jh.) und in Krakau (11./12. jh.) belegen, nachgewiesen durch Krystina Wasylikowa (1984). In der Tschechoslowakei und in Ungarn gibt es mehr Funde aus dem frühen Mittelalter (ab 10. jh.) und danach kontinuierlich bis zum 17.-18. Jahrhundert (zusammengestellt von Opravil 1974). In Deutschland sind Buchweizenfrüchte bisher nur im Rheinland gefunden worden und zwar an mehreren Stellen, wie in Duisburg in Schichten des 15./16. Jahrhunderts (Zeitspanne nicht näher eingrenzbar), in Neuss im 14./15. und 16. Jahrhundert sowie außerdem in der Burg Brüggen bei Viersen im 15. Jahrhundert. Der botanische Bearbeiter K.- Knörzer schließt daraus, daß der Anbau von Buchweizen im Rheinland im 15. Jahrhundert begonnen hat. Auf niederländischem Boden sind Nachweise der Früchte nur in Amsterdam aufgetaucht, in Schichten aus dem 13. Jahrhundert und von dieser Zeit an kontinuierlich bis zum 19. Jahrhundert (Paap 1984). Auch anhand der Pollenkörner in Torfmooren und fossilen Böden (Plaggenesch) ist Buchweizen gut nachweisbar, denn seine Pollenkörner sind groß und deutlich strukturiert. Die ältesten stammen aus Polen. Sie sind gleichaltrig mit den Buchweizenkörnen der Skythen, gehören also an den Beginn der Eisenzeit. Die Bearbeiterin, K. Wasylikowa (1984), deutet diese frühen Pollenfunde in Polen so, daß Buchweizen (Fagopyrum spec.) zu der Zeit dort vorgekommen sein müsse, doch noch ohne Nutzung, vielleicht als Unkraut. In Deutschland ist Buchweizenpollen an zahlreichen Stellen Norddeutschlands festgestellt worden: als nördlichstes in Holstein, Ostfriesland, im nordöstlichen Niedersachsen und südlich bis zum Nordrand der Mittelgebirge (Steinhuder Meer NW Hannover sowie bei Elze NW Hildesheim). Da die Pollendiagramme meist bis in vorgeschichtliche Zeit zurückreichen, läßt sich der Beginn der Buchweizen-Pollenkurve frühestens vom 13.-14. Jahrhundert an datieren.

Nahrungsmittel: Das Mehl ist zum Brotbacken wegen seines fehlenden Klebers nur dann brauchbar, wenn es mit Weizen- oder Roggenmehl versetzt wird. Dann kann auch Gebäck daraus hergestellt werden, wie es in den östlichen USA noch 1940 stellenweise üblich war. Buchweizenmehl wurde für Pfannkuchen verwendet, die, handdick mit Speck gebacken, auch kalt als Tagesproviant mitgenommen wurden (z. B. im Hümmling/Ostfriesland, im Teufelsmoor bei Bremen). Die »Knödel« in Schleswig-Holstein bestanden aus Buchweizenmehl, Fett, Essig, Sirup oder Honig mit Obstfüllung. In Südtirol waren die aus dem Mehl gebackenen »Plenten« wegen ihrer bungerstillenden Wirkung sehr beliebt. In Österreich (Steiermark, Kärnten) aß man den »Heidensterz«, ein breiartiges Gericht, als dortige Nationalkost. In Westfalen wurde Buchweizenmehl in die Grützwurst getan, und die »Panhas« aus Mehl, Fleisch, Blut, Fett und Gewürz als deftiges Essen hergestellt. Grütze war ein weiteres wichtiges Produkt aus Buchweizen. Sie wurde auch in die Hafenstädte verkauft, wo sie im 17. und 18. Jahrhundert als Schiffsproviant für die langen Reisen begehrt war wegen ihrer Nahrhaftigkeit und langen Haltbarkeit. Als Braugut zur Herstellung von Bier konnte Buchweizen ebenfalls verwendet werden. Buchweizenbier wurde noch in unserem Jahrhundert in Mecklenburg und Schlesien getrunken. Weiterhin kann Spiritus aus den Körnern gebrannt werden.

Hier haben Sie ein russisches Gericht aus Buchweizengrütze.

Rezept: Buchweizengrütze mit Champignons

(Drogamirowski-Kascha)

  • 1 Zwiebel, 20 g Butter, 200 g Buchweizengrütze,
  • 1 1 Fleischbrühe (Würfel), 250 g frische Champignons, Salz, Pfeffer,
  • 1/8 1 saure Sahne.
  • Margarine zum Einfetten, 1/8 1 saure Sahne.

Zwiebel schälen, fein würfeln und in heißer Butter im Topf goldgelb braten. Die Buchweizengrütze waschen, abtropfen lassen und in den Topf füllen. Mit Fleischbrühe aufgießen. Einmal durchkochen lassen. Hitze reduzieren. Gewaschene, geputzte Champigons halbieren. In die Buchweizengrütze mischen und wieder aufkochen. Bei kleiner Hitze in 15 Minuten garziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. 1/8 l saure Sahne zugeben. In eine gefettete feuerfeste Form füllen. In den vorgeheizten Ofen schieben. Backzeit: 10 Minuten. Elektroherd: 220 Grad. Gasherd: Stufe 5 oder 1/2 große Flamme.

Servieren. Übrige saure Sahne getrennt reichen.

Vorbereitung: 10 Minuten.

Zubereitung: 35 Minuten.

Eingetragen am 28.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 15:01:48