Rhabarber

Rheum officinale

Habitus: Bis 250 cm hoch werdende, mehrjährige Pflanze. Aus einer holzigen, ausdauernden Wurzel erhebt sich der sehr dicke, innen hohle Stengel.

Blätter: Die sehr großen Blätter sind handförmig gelappt und zugespitzt, eiförmig mit herzförmigem Grunde. Am Grunde ihrer Stiele findet sich eine aus den verwachsenen Nebenblättern entstandene häutige Scheide.

Blüten: Die sehr zahlreichen Blüten stehen meist in Rispen. Das einzelne Blütchen enthält ein sechsteiliges Perigon, sechs bis neun Staubgefäße, die am Grunde des Perigons befestigt sind und einen dreikantigen Fruchtknoten mit drei gebogenen Stempeln. Die Narben desselben sind kugelig. Aus den Blüten entwickeln sich rötliche, geflügelte Früchte.

Blütezeit: Juni.

Standort

Kulturpflanze, wächst vorwiegend auf sandig-lehmigen, trockenen Boden.

Allgemeine Verbreitung

Beheimatet in SO-Tibet, SW-China und Burma, verbreitet in ganz China.

Heilpflanze: Rhabarber, über Russland aus China zu uns gekommen, ist seit 5000 Jahren ein bewährtes Heilmittel. Der Stiel wird bei uns erst seit 200 Jahren als Gemüse gegessen. Der kalorienarme Entschlacker macht fit für den Frühling.
In China war Rhabarber bereits um 2700 v. Chr. als Heilmittel bekannt. Bei dem mit Sauerampfer verwandten Knöterichgewächs wurde zunächst nur die Wurzel genutzt. Marco Polo brachte diesen Arznei-Rhabarber 1295 nach Europa. Der heutige Garten- oder Gemüse-Rhabarber setzte sich erst um 1800 durch.

Medizinische Wurzel: Seit Jahrtausenden wirkt die Rhabarber-Wurzel je nach Dosierung bei Durchfall und Verstopfung. In China gilt sie als bewährtes Mittel gegen Gelbsucht, Augenbrennen, Hautgeschwüre, Prellungen, Brandwunden und Nasenbluten. Die Indonesier setzen die Wurzel gegen Malaria ein, die Franzosen bei Problemen mit dem Zahnen. Auch wenn die oft „elefantenohrgroßen" Rhabarberblätter appetitlich aussehen – in den Kochtopf gehören sie keinesfalls.

Blattstiel-Gemüse: Die fleischigen Blattstiele als Gemüse zuzubereiten, ist eine vergleichsweise junge Entdeckung. Zunächst versuchte man, die Blätter zu nutzen. Sie enthalten aber im Gegensatz zu den Stielen hohe Mengen Oxalsäure und dürfen keinesfalls gegessen werden. Die Stiele liefern nur 0,5 bis 0,8 % Oxalsäure, mit zunehmendem Pflanzenalter steigt der Gehalt an. Deshalb endet die Ernte wie bei Spargel um Johanni (2. Junihälfte). Die vergleichsweise geringen Oxalsäure-Werte vermindern sich beim Kochen. Gibt man dem Kochwasser kohlensauren Kalk zu, fällt wasserunlösliches, ungiftiges Kalziumoxalat aus. Auch im Körper bindet Kalzium Oxalsäure. Milchprodukte gleichen den erhöhten Kalziumverbrauch aus.
Obwohl Spinat und Mangold mehr Oxalsäure enthalten als Rhabarber, kommt die Frage nach diesem Inhaltsstoff stets bei Rhabarber auf. Zu hohe Mengen schaden, da sie als Kalziumräuber wirken. 5 Gramm freie Oxalsäure können zum Tod führen. Dafür müsste man gut ein Kilogramm rohen Rhabarber auf einmal verzehren. Die enthaltene Oxalsäure-Menge lässt sich durch kurzes Erhitzen deutlich reduzieren. Auch das Schälen der Stiele hilft, da die Haut die meiste Oxalsäure enthält. Kombiniert man Rhabarber mit kalziumreichen Lebensmitteln wie Milch, Joghurt, Quark, Vollkorn, Erdbeeren oder Hagebutten, sind die letzten Bedenken gegen dieses erfrischende Saisonerzeugnis ausgeräumt. Auch für Spinat- und Mangold-Gerichte empfiehlt es sich, mit kalziumreichen Lebensmitteln zu kombinieren, da auch diese Gemüse zu den Kalkräubern zählen.
Die vermeintliche Oxalsäure-Belastung von jungem Rhabarber tritt in den Hintergrund, wenn man sich bewusst macht, dass diese Pflanze zum Gesündesten gehört, was der Garten im Frühling bietet.

Muntermacher: Den sauren Geschmack der Rhabarber-Stängel bewirken die hohen Mengen an Apfel- und Zitronensäure. Die meiste Säure enthalten grünstielige, grünfleischige Sorten. Etwas weniger säuerlich schmecken rotstielige, grünfleischige Vertreter. Den mildesten Geschmack bieten rotstielige, rotfleischige Sorten.
Der saure Geschmack geht aber nicht auf Vitamin C (Ascorbinsäure) zurück. Frische Rhabarber-Stängel liefern nur 20 mg Vitamin C/100 g, gekocht gehen die Werte auf 5 bis 10 mg zurück. Dafür bietet das Gemüse reichlich B-Vitamine. Der Vitamin-B-Komplex erneuert die Zellenergie, stärkt den Kreislauf, hebt die Stimmung, schützt die Haut, kräftigt das Haar und beruhigt die Nerven. Die hohen Kaliummengen helfen entwässern, und die reichlich enthaltenen Ballaststoffe entfetten, entgiften und regen die Verdauung an. Rhabarber gilt als einer der schlimmsten Feinde von schädlichen Magen- und Darmbakterien.
Fasst man die gesundheitsfördernden Wirkungen zusammen, ergibt sich eine überzeugende Liste.

Eingetragen am 28.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 15:01:23