Futter-Esparsette

Onobrychis viciifolia

Habitus: Eine ausdauernde Pflanze mit ca. 1m langer, dicker Pfahlwurzel und meist sehr kurzem, astigem Erdstock, ohne Ausläufer. Die Stengel sind meist zahlreich, aufteigend bis aufrecht, 10 bis 30 (bis 60) cm lang, nur am Grund astig, krautig, gerieft bis kantig, zerstreut rauh bis schwach wollig behaart, die obersten der wenigen Internodien sind meist sehr verkürzt.

Blätter: Die obersten Laubblätter sind gegenständig bis quirlig und die Blütenstände sind scheinbar endständig. Die Laubblätter sind 10 bis 15 cm lang, unpaarig gefiedert, mit 5 bis 12 Paar meist streng paarweise stehender Blättchen diese sind kurz gestielt, verkehrteiförmig bis elliptisch oder lineal, spitz bis abgerundet und kurz bespitzt, an den unteren Laubblättern oft ausgerandet, dünn, mit zahlreichen, parallelen Seitennerven, oben dunkelgrün und meist kahl, unten seidig angedrückt behaart oder verkahlend, die Winterblätter meist ganz kahl. Die Nebenblätter sind häutig, rotbraun, oft fast so lang wie die Blättchen, lang zugespitzt.

Blüten: Die Blüten sind 8 bis 14 mm lang, an kurzen Stielen mit eng walzlichen Ähren mit kräftigen, 10 bis 20 cm langen, die Laubblätter stets überragenden Achsen. Die Tragblätter sind häutig, pfriemlich und länger als die Blütenstiele, oft fast so lang wie die Kelche. Der Kelch ist 5 bis 7 mm lang, mit kurzglockiger Röhre und 1/4 bis 4mal so langen, lanzettlichen bis pfriemlichen, bewimperten, unter sich kaum verschiedenen Zähnen. Die Kronblätter sind kurz genagelt, kahl, hell fleischrot bis lebhaft karminrot, selten weißlich . Die Fahne ist dunkler geadert, wenig aufgerichtet, breitelliptisch, stumpf, so lang oder etwas kürzer als das breite, schief gestutzte, ziemlich stumpfe Schiffchen. Flügel viel kürzer, höchstens so lang wie der Kelch.

Blütezeit: Mai bis August.

Standort

In Magerwiesen und Fettwiesen auf kalkhaltigen, warmen Böden in Süd. und Mitteleuropa sehr verbreitet, wird als Futterpflanze angebaut.

Allgemeine Verbreitung

In Süd-, Mittel- und Osteuropa sehr verbreitet, bis Frankreich, Grossbritannien, Süd-, Mittel- und Ostdeutschland.

Namensursprung: Obwohl das griechische Wort onobrychis Eselsfutter bedeutet, wurde die Saat-Esparsette im Altertum noch nicht kultiviert. Erst im 16. Jahrhundert ist sie erstmals als Futterpflanze erwähnt worden. Der Artname viciifolia drückt die Ähnlichkeit der Blätter mit denen der Wicke aus.

Nutzung: Der Anbau der Futterleguminose Esparsette (Onobrychis viciifolia), engl., franz. „sainfoin“ (Gesundheu), lässt sich in Deutschland bis ins 16. Jh. zurückverfolgen, ist jedoch vor allem aufgrund relativ niedriger Erträge von Kleearten und Luzerne verdrängt worden. Trotz der unumstrittenen Ertragsschwäche, geringerer N2-Fixierungsleistung und Unkrautkonkurrenz verglichen mit Luzerne wird versucht, Esparsette in Fruchtfolgen des Ökologischen Landbaus zu integrieren. Auf nährstoffarmen Standorten mit trockenen flachgründigen aber kalkhaltigen Böden ist die Esparsette ertragsmäßig mit der Luzerne konkurrenzfähig und erreicht durch ihre längeren Wurzeln tiefere Bodenschichten. Ausschlaggebend ist jedoch der hohe Futterwert des auch aus älterer Literatur als „Gesundheu“ bekannten Esparsettenheus, insbesondere getragen durch seinen vorteilhaften Tanningehalt. Dieser wirkt sich positiv auf das Verdauungssystem von Wiederkäuern und Pferden aus (anti-bloat-effect, vgl. MAJAK et al. 1994) und kann zudem als Kontrollstrategie gegen Magen- und Darmnematoden eingesetzt werden. Studien von LÜSCHER et al. 2005 und PAOLINI et al. 2005 zeigten, dass durch die Fütterung mit Esparsettenheu bei Schafen und Ziegen aufgrund des Tanningehaltes ein anthelminthischer Effekt in der Form eintrat, dass die Eiausscheidung und Anzahl der Würmer im infizierten Tier deutlich verringert wurden. Sowohl für den Öko- als auch den konventionellen Landbau sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung, da Magen- und Darmparasiten bei Wiederkäuern ein häufig auftretendes Problem darstellen und eine wachsende Resistenz gegenüber chemischen Wurmmitteln zu beobachten ist.

Eingetragen am 23.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 14:55:50