Hauhechel

Ononis spinosa

Habitus: Die Staude hat eine kräftige, bis 50 cm langer Pfahlwurzel und 20 bis 60 cm hohen, verschiedenartig verzweigten, unten oft verholzenden, aber doch im Winter meist bis zum Grund absterbenden Stengeln. Die Seitentriebe bei mehreren (aber nicht bei allen) Rassen in meist unverzweigten Dornen endend. Die Sprossachsen sind dicht mit zottigen, weißlichen und meist drüsigen Haaren besetzt, im Alter verkahlend.

Blätter: Die Laubblätter sind von sehr wechselnder Gestalt und Grösse, meist nur kurz gestielt bis sitzend die unteren dreizählig, mit größerem, länger gestieltem Endblättchen, die oberen, namentlich die der Blütenregion, meist ungeteilt. Die Blättchen sind meist 1 bis 2 cm lang, am ganzen Rand fein gezähnelt, kahl oder behaart.

Blüten: Die Blüten sind in traubigen, dicht beblätterten Gesamtblütenständen vereinigt. Der Kelch ist viel länger als der sehr kurze Blütenstiel, so lang wie das Tragblatt. Die Kelchzähne sind 3 bis 4mal so lang wie die Röhre, mit 1 bis 3 Nerven, zuletzt ausgebreitet. Die Krone ist 1 bis 2 cm lang, fleisch- bis purpurrot oder violettlich, selten weiß. Die Fahne ist deutlich länger als die Flügel und Schiffchen. Die Hülse ist eiförmig, wenig abgeflacht, kürzer oder wenig länger als der Kelch, oft drüsenhaarig, zuletzt aus. fallend. Die Samen sind zu 1 bis 3, rundlich, stark höckerig

Blütezeit: Mai bis September.

Standort

Auf mageren, trockenen bis feuchten Wiesen, besonders auf Kalkboden, doch auch auf Torfs boden übergehend, auf Weiden, in lichten Gehölzen, an Weg. und Ackerrändern in vielen Formen sehr verbreitet. 

Allgemeine Verbreitung

Fast ganz Europa mit Ausnahme der nördlichsten Gebiete und Westasien, Nordafrika.

Geschichtliches und Allgemeines: Schon im Altertum war die Hauhechel bekannt. Theophrast sagt von ihr, daß sie ein den Landleuten sehr unangenehmes Unkraut sei. Dioskurides, der sich als erster über die Wirkung äußert, hält die Wurzel für erwärmend und verdünnend, ihre Rinde mit Wein getrunken treibe den Harn, in Essigwasser gekocht, lindere sie Zahnschmerzen. Plinius, der auch über die Verordnung als Nahrungsmittel berichtet, gibt an, daß die frische Pflanze Geschwürsränder beizt. Weiterhin kennt er eine Zubereitung mit Honig gegen Blasensteine. In der Gegend von Göttingen wird aus den getrockneten Blüten ein Tee gegen das "kalte Fieber" und geschwollene Beine bereitet. Nach einem alten Volksglauben soll die Hauhechel auch vor Unglück und Viehseuchen schützen.

Josef Frank (gest. 1841) lobte die Hauhechel sehr bei Bauchwassersucht. Er gab sie gern mit Bitterklee und Wermut zusammen. Die Abkochung der Blüten- und Blattsprosse diente ehedem zum Färben der Wolle mit Alaun vorbehandelt, wird diese schwefelgelb, mit Eisenvitriol grün. Ausführliche Angaben über die Geschichte der Pflanze macht Bulkowstein (vgl. Fußnote 11). In Frankreich verwendet man mehr die Unterart der Ononis spinosa, Ononis repens L. Es handelt sich hier um eine westeuropäische, den Meeresstrand bevorzugende Varietät, die nicht bis ins Rhein- und Rhônegebiet vorreicht. Die Wirkung ist dieselbe. Leclerc sagt von ihr, daß die diuretische Wirkung nicht zu bestreiten ist und daß sie dabei die entzündlichen Erscheinungen herabsetzt. Daher ist nach ihm die Anwendung gerechtfertigt bei Cystitis und der mit Steinbildung verbundenen Nephritis. Er berichtet auch, daß in älteren Zeiten der Ononis die Fähigkeit zugeschrieben worden sei, die Sarcocele zu heilen. Nach ihm hat Bergius über drei geheilte Fälle berichtet.

Name: Die Pflanze hat die meisten ihrer Volksnamen nach den dornigen Zweigen erhalten. Das Wort Hauhechel ist vielleicht gleichbedeutend mit .Heuhechel. (Hegel .--- Stachelwerkzeug zum Durchziehen von Flachs und Hanf), da das Heu leicht an der Pflanze hangen bleibt und sie sich im Heu unangenehm bemerkbar macht: Hackeln (Braunsdweig), Hechle (Schweiz), Hühackele, Hüheckele (Göttingen), Hohachel (Thüringen), Heuhachla (St. Gallen), Haothiekel, Hatthiekeln, Haorthieken (Westfalen), Ruhhackeln (Braunschweig), Schofhächla (St. Gallen), Aglarkraut [wohl zu .Adiel. = Granne, mit dem Begriff des Spitzigen] (Oberösterreich), Achele (Mittelfranken), Hagaloia.dorneng (Niederrhein), Haoldoor (Rheinlande) Huwerdorn, Hähdorn (Nahegebiet), H ee door (Hunsrüdc), Bummeldor (n), Dammeldor (Lothringen), Kreindoorn [Krähendorn] (Schleswig). Die folgenden Benennungen deuten wohl alle darauf, dass die zähen, tief wurzelnden Stengel des Hauhechels dem Pfluge (vgl. die romanischen Namen 1) und den jätenden Weibern viel zu schaffen machen : Eisengras, .kraut (Böhmerwald), Plogstiert [Pflugsterz] (Mecklenburg) Ochsenkraut (Niederösterreich), Wiwrdäörn, Wiwkrud (Altmark), Weiberkrieg (z. Anhalt, Erzgebirge), Frauenkrieg, Mäderkrieg (Nordböhmen), Weiberzorn (Niederösterreich). Zu schwäbisch G(e)weisch -.--- Stoppelfeld (auch Unkraut, das auf dem Stoppelfeld wächst) gehören die alemannischen Benennungen Gweischwurz, Weischta (schäbische Alb), Weischdorn (bayer. Schwaben), Wigstie, Wickster (Baden), Wigste(dorn) , Witschge (Schweiz). Hieher sind wohl auch zu stellen (mit Anlehnung an .lbsche., Eibischl): lbste, lbscha, lbschgä (Schweiz), vielleicht auch Lischa.

Die rötlichbraune, im Herbst von vieljährigen Exemplaren gesammelte Rinde schmeckt schleimig süss mit herbem, etwas kratzendem Nachgeschmack, besitzt einen süsslichen, schwach an Süssholz erinnernden Geruch und ist ein altbekanntes Volksmittel. Die Anwendung geht offenbar auf Dioskurides zurück im Latein des Mittelalters hiess die Pflanze arrista bövis (= Pflanze, die den Ochsen aufholt), ein Name, der sich im Französischen als arrate.boeuf bis auf unsere Tage erhalten hat. In Deutsch. land ist Hauhechelwurzel als R ä di x Onönidis sive Rastae bövis seit Mitte des 16. jahrhunders offizinell als Bestandteil der Spicies lignörum und diurdticae. Sie wird als harntreibendes und steinlösendes Mittel (daher .Steinwurzel.) verwendet bei Wassersucht, Gelbsucht, Blasenkatarrh, Gallensteinen, Harngries, Gicht, chronischem Rheumatismus, Skrophulose, Gonorrhoe, ganz besonders auch in der Veterinärmedizin (vgl. die Volksnamen). Ein Absud aus dem Stengel ist als Antiseptikum gegen Ekzem, Hautjucken und Skorbut im Gebrauch. Aus den getrockneten Blüten wird ein Blutreinigungstee bereitet, der z. B. um Göttingen gegen das „kalte' Fieber und gegen geschwollene Beine angewendet wird. Früher wurde auch ein Destillat gegen Gallen. und Blasensteine und Verstopfungen bereitet. Nach einem Volksglauben soll die im März gegen Vollmond gesammelte Wurzel und das Anfang Juni gesammelte Kraut am stärksten wirken.

Eingetragen am 22.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 14:54:01