Kuhschelle, Wiesen-Kuhschelle

Pulsatilla pratensis

Habitus: Die Wiesenkuhschelle ist ein ausdauerndes, zottiges Kraut mit starken, ästigen, vielköpfigen Wurzeln. Der Stengel ist aufrecht und behaart.

Blätter: Die Blätter sind fiederschnittig mit vierteiligen Abschnitten und linealen Lappen. Die Blattstiele sind am Grunde stark scheidenartig.

Blüten: Der 20-40 cm hohe Schaft trägt gewöhnlich nur eine Blüte mit drei meist sitzenden, fingerig-vierteiligen Hüllblättern. Er ist stielrund und mit langen, weißen, weichen Haaren bedeckt. Die nickenden Blüten sind geschlossen-glockig. Die hell- oder dunkelvioletten, selten rötlichen, blumenblattartigen Kelchblätter sind nach außen umgebogen. Aus den zahlreichen Fruchtknoten mit langen, fadenförmigen Griffeln entstehen Früchte, die zu einem kugeligen Köpfchen angehäuft sind.

Blütezeit: April bis Juni.

Standort

Braucht sandigen, kalkhaltigen, trockenen Boden. Besiedelt im Tiefland magere, trockene Rasen und lichte Kiefernwälder. Düngerscheu.

Allgemeine Verbreitung

Östliches Mitteleuropa.

Heilwirkung: Der Gattungsname Pulsatilla kommt vom lateinischen pulsare (schlagen, läuten), wohl als Hinweis auf die Glockenform der Blüten. Die Pflanze soll bereits von den alten Kelten medizinisch verwandt worden sein und Hippokrates verordnete sie zur Verbesserung der Menstruation sowie zur Unterdrückung hysterischer Angstzustände. Phytotherapeutisch können sie und die anderen Pulsatilla-Arten wegen ihrer Toxizität nicht verwendet werden, obwohl das in früheren Zeiten anders war. Damals waren die Anwendungsgebiete Erkrankungen und funktionelle Störungen der Geschlechtsorgane, des Magen-Darmtraktes sowie der ableitenden Harnwege, Entzündungen und Infektionen von Haut und Schleimhaut und auch Nervenschmerzen. Die Eigenschaften werden in der volksheilkundlichen Literatur mit schmerzlindernd, schweiß- und harntreibend, hautrötend und krampflösend angegeben. Doch die Risiken sind groß. Es kommt allgemein zu heftigen Reizerscheinungen. So treten beispielsweise bei der äußeren Anwendung von Zubereitungen aus frischen Pflanzenmaterial Hautrötungen, Blasenbildung und Juckreiz auf. Die orale Aufnahme führt zu Reizungen der Verdauungsorgane, der Nieren und der ableitenden Harnwege. Weitere Reaktionen sind Krämpfe, Erbrechen und Durchfall. In seltenen Fällen wurde Atemlähmung beobachtet, die den Tod zur Folge hatte. Im Tierversuch konnte zuerst Erregung, dann Lähmung des Zentralen Nervensystems festgestellt werden. Weibliche Weidetiere, die Kuhschelle oder Pflanzen mit ähnlichen Inhaltsstoffen zu sich nahmen, erlitten Fehl- und Frühgeburten. Mißbildungen waren keine Seltenheit.

Eingetragen am 22.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 14:51:20