Küchenschelle, Frühlings-Küchenschelle

Pulsatilla vernalis

Habitus: Der Stengel ist aufgebogen oder aufrecht, zottig behaart, die Höhe beträgt 5 - 15 cm.

Blätter: Die Blätter sind langgestielt und  überwinternd, ledrig, wenig behaart bis kahl, dem Boden meist rosettig anliegend, 1-fach gefiedert oder 3teilig, die Abschnitte sind fiederteilig.

Blüten: Die Blüten stehen einzeln am Ende des Stengels, d. h. am Ende eines Blütenstiels, der aus einer Hochblatthülle entspringt. Die Blüten sind 4-6 cm im Durchmesser, schüsselartig ausgebreitet bis halbkugelig zusammenneigend, außen hellviolett, rosa oder zart bläulich, innen weiß, seltener gelblich, außen gelblich-zottig behaart. Die meist 6 Blütenhüllblätter, sehr selten mehr oder nur 5, die äußeren 3 sind meist schmal-eiförmig, die inneren sehr breit-eifömig. Die Staubblätter sind deutlich kürzer als die Blütenhüllblätter. Die Früchtchen haben einen fedrig behaartem, 3-4 cm langem Griffel. Die Hochblatthülle ist 1-2,5 cm lang, unten verwachsen und zottig behaart.

Blütezeit: März bis Juli.

Standort

Meidet Kalk. Sie kommt auf Silikatmagerrasen und in lichten Kiefernwäldern vor. In höheren Lagen, auf gras- und buschbestandenen Hängen der subalpinen und alpinen Stufe wächst die Varietät alpestris, die in Asien bis zu 3600 m aufsteigt.

Allgemeine Verbreitung

Wächst in Europa von den Pyrenäen, über die Alpen, ganz Mitteleuropa und Skandinavien, bis zum 63. Breitengrad.

Geschichte: Der Erste der sich wissenschaftlich mit der medizinischen Wirkung der Pulsatilla auseinandersetzte, war der Wiener Hofarzt Anton von Störck. Er verwendete für seine Versuche Pulsatilla nigricans, nach Leesers Ansicht können jedoch keine gravierenden Unterschiede in der Heilwirkung der verschiedenen Pulsatillaarten (P. vulgaris, P. pratensis, P. nigricans) vorliegen. Von Störck führte im Jahre 1771 Arzneimittelprüfungen mit Pulsatilla am Menschen durch. Daraufhin empfahl er sie bei verschiedenen Augenerkrankungen, wie grauer Star, Blindheit, Augeneiterungen und Hornhautfell gegen Syphiles, bei heftigen nächtlichen Gliederschmerzen und bei Lähmung. Desweiteren fiel ihm die Anregung der Nierentätigkeit und die Erregung von Durchfällen auf, und er wandte sie innerlich und äußerlich bei Geschwüren und Flechten an. Wie schon Hippokrates vor ihm, erkannte von Störck, daß die Pulsatilla die Menses herbeiführt und in Ordnung bringt. Außerdem war ihm ihre gute Wirkung bei der Behandlung von Melancholie und Depression bekannt.

- Madaus nennt noch eine Reihe anderer Autoren die weitere Indikationen zur Anwendung der Pulsatilla angeben. In die Nase geträufelt zur Reinigung des Hirns (Lonicerus 1564).

- Febris quartana und Pestilenz, wie auch zum Ätzen von Warzen, Mälern und faulem Fleisch (Matthiolus 1626).

- Schneidender Kopfschmerz (Hahnemann).

- "... man legt die frisch zerquetschten Blätter der Küchenschelle auf das Hinterhaupt bei Kopfschmerzen, Erkältungen und dergleichen, behufs der Ableitung auf die Haut."

(Augustinovitsch 1853)

- Die Kinder werden bei Schlaflosigkeit mit der Pflanze beräuchert und bei Fieber legt man sie auf den Puls (Annenkow 1878)

- "... ein Aufguß der Pflanze wird bei Rheumatismus, Hämorrhoiden, Kopfschmerzen und Nachtblindheit gebraucht." (Goretzki und Wiljik 1885)

- Die Samen werden bei Steinkrankheit in abgekochter Form oder als Tinktur gegeben (Gornitzki 1887)

- Bei "der Erkrankung der Sexualorgane beider Geschlechter, z.B. der gonoohöischen Epididymitis und der Dysmenorrhoe, der Entzündung des Uterus und der Adnexe" wirkt Pulsatilla beruhigend (Martel, Bazy, Dormand, Bovet).

- Pulsatilla bewirkt einen "hypnotischen Zustand mit Verminderung der Sensibilität, (...), darauf folgt ein Lähmungszustand, der sich fortschreitend von den Extremitäten auf die Atmungsmuskulatur erstreckt. Man beobachtet gleichzeitig ein fortschreitendes Nachlassen der Herzschläge ohne Veränderung des Blutdruckes." (Ballon 1901) "Diese Beobachtungen berechtigen nach Leclerc (1927) die Anwendung der Pulsatilla in all den Fällen, wo es notwendig ist, eine nervöse Reizbarkeit und schmerzhafte Überempfindlichkeit zu mildern. Man gibt das Mittel bei krampfhaften Zuständen der Genitalorgane, bei Neuralgie, Migräne, gegen die kardiovasculäre Reizbarkeit und nervöse Dyspepsie."

Eingetragen am 22.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 14:46:03