Küchenschelle, echte

Pulsatilla vulgaris

Habitus: Es handelt sich um eine kleine Staude die 5 - 40 cm hoch wird.

Blätter: Die Laubblätter entwickeln sich erst während der Blütezeit und sind 2 - 3fach gefiedert (Fiedern meist schmäler als 5 mm) und schütter weißhaarig. Unterhalb der Blüte stehen 3 zerschlitzte, behaarte Hochblätter in Form eines Quirls.

Blüten: Die Blüten stehen einzeln am Ende eines Blütenstiels, der aus einer Hochblatthülle entspringt. Die Blüten sind nur anfangs glockig zusammengeneigt, sonst aufrecht, schüssel- oder sternförmig ausgebreitet, 5,5-7 cm im Durchmesser (ausgebreitet gemessen), innen und außen gleichfarben blauviolett oder rötlich-violett. Die meist 6 Blütenhüllblätter, gelegentlich mehr, selten nur 5 Blütenhüllblätter sind nie an der Spitze nach außen umgeschlagen. Die Staubgefäße sind etwa halb so lang wie die Blütenhüllblätter.

Blütezeit: März bis Mai.

Standort

Wächst auf Trockenrasen, in trockenen Wäldern, Gebüschen und braucht warmen, kalkhaltigen Boden. Bis zu 1000 m Höhe. Küchenschellen werden auch oft als Zierpflanzen in Gärten gezogen.

Allgemeine Verbreitung

England und Nordfrankreich bis Südschweden und in die Ukraine.

Name: Die Pflanze wird auch als Kuhschelle und Gemeine Küchenschelle bezeichnet. Früher nannte man sie auch Wolfspfote, Bockskraut, Güggelblume, Hackerkraut und Schlotteblume. Küchenschelle ist die Verkleinerungsform des ursprünglichen Namens Kuhschelle. Die Herkunft des Namens ist fraglich, mit Küche hat die Bezeichnung sicherlich nichts zu tun. Sicher ist hingegen, daß die Pflanze ihrer glockenförmigen Blüten wegen die Bezeichnung Schelle bekam. Auch der Lateinische Gattungsname Pulsatilla weist darauf hin (Lat. pulsare - schlagen, läuten). Der Artname vulgaris bedeutet, daß die Pflanze allgemein bekannt ist.

Heilwirkung und Medizinische Anwendung: In der Homöopathie findet die Pflanze Anwendung bei Migräne, Depressionen, Muskel- und Gelenkrheumatisus sowie bei Menstruationsbeschwerden.

Geschichtliches: Schon die alten Griechen kannten die Wirkung der Küchenschelle.  Dioscurides empfiehlt sie unter anderem bei Augenleiden und Geschwüren. Auch bei den Druiden war die Heilwirkung der Pflanze sehr hoch geschätzt. Hieronymus Bock schreibt, daß die "Kuchenschell" "ist gut wider die Pestilenz", "gifftiger Thier stich und biß" und daß sie "Warzen und Flecken vertreibe".

Tabernaemontanus empfiehlt die Küchenschelle bei den gleichen Leiden, aber auch bei Fieber, zur Verhütung von Wassersucht und: "Kuchenschellenwasser in die Nase eingesupt / reinigt das Haupt und Hirn gewaltig von allem zähen Schleim und Unreinigkeit."

Im Mittelalter behandelten Bettler mit dem Saft ihre Arme und Beine, um mit den dadurch hervorgerufenen Entzündungen Mitleid zu erregen. Darüber schreibt der Apotheker Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuch: "Die Landstreicher und Bättler, so aus Faulheit des Bätteln gewohnt, etzen ihnen die Schenkel mit diesem Kraut auf, womit sie die Leute betriegen."

Giftigkeit: Die gesamte Pflanze enthält das Gift Protoanemonin. Dieser Wirkstoff verursacht äußerlich Hautreizungen, es kommt zu Schwellungen, Blasen und Entzündungen der betroffenen Hautpartien. Ähnlich ist die Wirkung auf die Schleimhäute in Mund und Rachen. Innerlich aufgenommen bewirkt das Gift Erbrechen, Störungen des Nervensystems, Magen- und Darmstörungen sowie Krämpfe und Entzündungen der Nieren.

Eingetragen am 22.02.2016Aktualisiert am 18.05.2016 14:45:16