Erdrauch, gewöhnlicher

Fumaria officinalis

Habitus: Im allgemeinen wächst er aufrecht, erreicht eine Höhe von 20 bis 40 cm, doch an manchen Fundstellen liegt er nieder. Die hohlen Stengel sind dünn, glatt, zart, saftigkrautig, bläulich bereift und stark verästelt.

Blätter: Die wechselständig angeordneten Blätter sehen graugrün aus, sind im oberen Teil der Pflanze sitzend angeordnet, unten gestielt, doppelt bis dreifach gefiedert mit kleinen schmalen Fiederabschnitten.

Blüten: Die gespornten zierlichen, in lockeren Trauben angeordneten Blüten sind rosa bis dunkelrot gefärbt, sie besitzen an der Spitze einen schwarz-roten Fleck. Staubblätter scheinbar 6, in 2 Bündeln.

Frucht: Die Frucht ist kugelig, an der Spitze eingedrückt.

Blütezeit: April bis September.

Standort

Schuttstellen, Brachland, Gärten und Äcker auf Feldern und Schuttplätzen bis etwa 1800 m. Der Erdrauch ist als Begleiter der menschlichen Kultur in Mitteleuropa mindestens seit der jüngeren Steinzeit vorhanden.

Allgemeine Verbreitung

 Europa bis Westsibirien/Balkan im Osten, Äthiopien im Süden und Kanaren im Südwesten eingebürgert in N- und S-Amerika.

Brauchtum: Liebesorakel - wenn ein junges Mädchen Erdrauch bei sich trug (Brust), würde es den ersten Mann den es trifft, heiraten Der Name kommt daher ,dass die blaugrüne Farbe und der grazile, verästelte Wuchs lassen die Pflanze wie Rauch aussehen lassen unddurch den Pflanzensaft wird der Tränenfluß so stark angeregt, daß alles wie im Rauch verschwimmt, ausserdem soll die Pflanze von aus der Erde aufsteigenden Dämpfen entsprungen sein, traditionell wird die Pflanze gegen böse Geister geräuchert.

Name: Der Name Erdrauch entspringt einer Übersetzung des lateinischen Namens er kommt als ursprünglicher Volksname in Mitteleuropa nicht vor. Der  wissenschaftliche Gattungsname leitet sich vom lateinischen fumus (Rauch) ab, einer Übersetzung des griechischen kapnos. Name für eine Pflanze, deren Saft wie der Rauch zu Tränen reizte. Ob diese Pflanze aber der Erdrauch war, ist ungewiß. Man könnte sich jedoch vorstellen, daß das zarte und fein zerteilte Blattwerk dieser in Äckern und auf Schuttplätzen vorkommenden Pflanze im Volksglauben mit der Vorstellung von Rauch, der aus der Erde aufsteigt, verbunden wurde. Der Erdrauch ist als Begleiter der menschlichen Kultur in Mitteleuropa mindestens seit der jüngeren Steinzeit vorhanden.

Heilwirkung: Lange Zeit war Erdrauch nur der Verwendung durch die Volksmedizin überlassen, doch in neuerer Zeit haben Forschungsergebnisse diese Heilpflanze auch für die Schulmedizin interessant gemacht. Man hat festgestellt, daß der Erdrauch (übrigens auch das Schöllkraut, ebenfalls ein Mohngewächs) Wirkstoffe enthält, die Gallenwegserkrankungen günstig beeinflussen, weil sie krampflösend wirken und den Galleabfluß regulieren. Bei akuten ebenso wie bei chronischen Gallebeschwerden ist Erdrauch zu empfehlen. Die Schmerzen im rechten Oberbauch lassen nach, die Bekömmlichkeit der Speisen wird besser und Übelkeit, Brechreiz und Kopfschmerzen verschwinden. Neben der Gallewirksamkeit und der krampflösenden Wirkung bescheinigt man dem Erdrauch seit langer Zeit auch eine leichte harntreibende Wirkung sowie eine Wirkung bei Stuhlverstopfung. Der Wirkungsmechanismus ist noch nicht völlig klar. Da Harnverhaltung und Stuhlverstopfung oftmals ihre Ursache in Verkrampfungen haben, könnte die krampflösende Wirkung des Erdrauch dafür verantwortlich sein. Es lohnt sich, nimmt man die eben erwähnten Wirkungen zusammen, diese Heilpflanze in die sogenannten Blutreinigungskuren (Frühjahrskuren) mit einzubeziehen, einmal durch Beigabe von Erdrauch zu Blutreinigungstees, zum anderen auch als Beigabe frischer Erdrauchblätter zu Frühlings-Salaten.

Von der Krafft und Wirckung der Erdrauch Kreuter: Alle beschriebene Geschlechter dess Erdtrauchs/ seynd am Geschmack scharpff und bitter/ warmer qualitet im ersten/ unnd truckener im andern Grad/ mit einer milten Astriction/ dardurch die Eyngeweid gestärcket werden: Haben derwegen ein Krafft zu zertheilen/ dünn zu machen/ durchzutringen/ zu eröffnen und zu stärcken/ werden jnnerhalb und ausserhalb dess Leibs nützlich gebraucht/ dann sie ohn allen Schaden zu gebrauchen seynd/ darmit sie aber desto besser jhre Wirckung vollbringen möchten/ haben die Alten sie geschärpfft/ und mit Molcken oder Kässwasser eingeben/ und haben Senatbletter/ Myrrobalanen und Rhebarbara darzu gebrauchet/ dessgleichen Honig und frische Feygen oder Meerträublein. Der Safft aber wird in Krafft und Wirckung dem Wermuthwasser verglichen/ den pflegt man in einem Violglass/ frisch Baumölen darüber gegossen/ zu dem Gebrauch der Artzeney/ uber Jahr zu behalten.

Jnnerlicher Gebrauch dess Erdrauchs: Der hochberümbte Arabisch Artzet/ IOHANNES MESUE DAMASCENUS, spricht: Dass der Erdrauch ein gebenedeyte hochgelobte Artzeney seye/ Sintemal aber solches nützliches Kreutlein zu viel gemein/ seye es dardurch in verachtung kommen. Aber verständige Artzet werden sich das nicht jrren lassen/ Sintemal dieses unachtsam Gewächs von Gott dem Allmächtigen/ mit vielen unzahlbaren Tugenden begabet ist/ die nicht allein von den Alten/ sondern auch durch die Nachkommen zu unser Zeit/ warhafftig befunden worden seynd.

Taubenkropff hat sonderliche Krafft/ unnd Eygenschafft/ dass er gar sänfftiglich die Gallen/ und alle versaltzene und verbrande Feuchten aussführet/ auff alle Manier gebraucht. Sein Krafft erstreckt sich auch biss in das Geäder/ dann er reiniget das grob/ dick/ unrein/ Melancholisch und verbrande Geblüt. Derowegen er in unser Zeit/ von allen berühmten Ärtzten/ vor allen andern Kreutern/ in Franzosen oder Bocken/ Muselsucht/ Maltzen/ Zitterschen/ oder Flechten/ Krebs/ Fistulen/ Schorbock/ Grind/ Raude/ Schebigkeit/ unnd aller anderer Verunreinigung dess Geblüts unnd der Haut/ heylsamlich unnd nützlich/ jnnerlich unnd eusserlich gebrauchet wird.
Taubenkropff uber Nacht in Kässwasser oder frischem Molcken erbeytzet/ oder aber darinn erwallet/ und dess Morgens früe nüchtern getruncken/ treibet viel ubriger Gallen oder Cholerischer Feuchten auss dem Leib/ beyde durch den Harn unnd Stulgang/ und reiniget das Geblüt. Dessgleichen thut auch und wircket kräfftiger/ so man in Molcken erwallen lasset/ und nimbt der durchgesigenen Brühen vier Untz/ frisch Mandelöl/ oder aber frischen ungesaltzenen Buttern ii.Loth/ und trinckt dz dess Morgens nüchtern/ od ein paar Stund vor dem Nachtessen/ das erweichet den Bauch sänfftiglich/ und macht wol zu Stul gehen/ und mag solche Artzeney zu jederzeit ohn einigen Schaden gebraucht werden.

 

Eingetragen am 17.02.2016Aktualisiert am 21.02.2016 9:20:37