Klatschmohn

Papaver rhoeas

Habitus: Die Pflanze ist ein bis 30-80 cm hoch werdendes, einjähriges Kraut  Die Stengel sind sehr dünn, wenig verzweigt und behaart.

Blätter: Die Blätter sind wechselständig, ein- bis zweifach eingeschnitten, grob gezähnt, behaart und einfach bis doppelt fieder-spaltig bis fiederschnittig.

Blüten: Die Blüten sind einzeln auf langen Stielen, tiefrot, zart, 5-10cm im Durchmesser häufig am Grund mit einem schwarzem Fleck und hat zahlreiche blauschwarze Staubblätter. Der Kelch besteht aus 2 Kelchblättern und 4 Kronblättern die vor der Entfaltung zerknittert sind, (abfallend). Die Staubblätter sind blauschwarz.

Die Kapseln sind glatt, verkehrt eiförmig, 1-2 cm lang und die Samen werden über rundliche Öffnungen ausgestreut.

Blütezeit: Mai bis Juli.

Standort

In Feldern, an Wegrändern, auf Schuttplätzen bis etwa 1700 m Getreidefelder, Ackerland, Straßenränder und Ödland.

Der Klatschmohn bevorzugt kalkhaltige, nährstoffreiche, trockene Böden.

Allgemeine Verbreitung

Heimat ist das östliche Mittelmeergebiet, inzwischen Mitteleuropa durch Verwilderung seit urdenklichen Zeiten.

Name: Den Namen Klatschmohn erhielt die Pflanze, da ihre Blüten im Wind aneinander klatschen. Das Wort Mohn kommt vom althochdeutschen mage, das wiederum seinen Ursprung im griechischen Wort mekon für Mohn hat. Ein weiterer Name der Pflanze ist Feuermohn in der Mundart wurde er auch als Klatschrose, Blutblume, Wilder Mohn, Grindmagen und Paterblume bezeichnet.
Der Gattungsname Papaver stammt vom lateinischen Wort papa für Kinderbrei und vernum für echt. Mohnsaft wurde damals dem Kinderbrei zugesetzt, damit die Kleinen besser einschliefen. Der Artname rhoeas stammt von Dioscurides, der eine griechische Mohnart mit „mekon rhoeas“ bezeichnete, er leitet rhoeas von rhoia für fließen ab und bezog sich damit auf den Milchsaft, der bei Verletzung der Pflanze austritt.

Brauchtum: Klatschmohn wurde als Liebesorakel benutzt: man schlug auf die Blütenblätter und die Stärke des Knalls zeigte den Grad der Gegenliebe an.

Nach Theokrit ist der Schlafmohn aus den Tränen der Aphrodite entsprungen, als sie um den Verlust ihres Geliebten Adonis weinte.

Daraus folgt, das Mohnkuchen z. B. beim Nachmittag-Liebestreff nicht fehlen darf.

 Die „Allerleilustblume“ wie man sie im Volksmund eindeutig bezeichnend nennt, ist auch im Bild „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch vertreten.

Warf man in der Andreasnacht Mohnkörner hinter sich, so sah man den Liebsten im Traum.

Mohn war der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter geweiht und Brautpaare wurden deshalb mit Mohn überschüttet. Auch heute noch ist dies in einigen ländlichen Gegenden Brauch, allerdings wohl eher mit dem Wunsch, daß den Brautleuten das Geld nicht ausgeht. Die christliche Malerei des Mittelalters stellte den Klatschmohn und reife Ähren dar.

Mohn ist Symbol für das Messofper, für das das Blut und den Leib Christi.

Giftigkeit: Prinzipiell enthalten alle Pflanzenteile das schwach giftige Alkaloid Rhoeadin, insbesondere der weiße Milchsaft. Die Samen sind ungefährlich. Nach Verzehr größerer Mengen kann es zu Magen-Darm-Beschwerden mit Bauchschmerzen kommen.

Das im Schlafmohn enthaltene Morphin ist im Klatschmohn nicht enthalten.

Heilwirkung: Wegen ihrer schwach narkotischen Wirkung, gibt man die Droge Kindern als Beruhigungsmittel in Form von Sirup. Der Klatschmohn war schon in der Jungsteinzeit als Heilmittel bekannt. Er soll als Grabbeilage in ägyptischen Gräbern gefunden worden sein, im Orient war die Pflanze als Hustenmittel verwendet. Dioscurides beschreibt verschiedene Mohnarten und unterscheidet sie auch in ihren Wirkungen. Auch Hieronymus Bock beschreibt in seinem Kräuterbuch die „Klapper Rosen“ und empfiehlt sie als Schlafmittel, bei Leber- und Milzleiden, Seitenstechen, Leibschmerzen, gegen Frauenleiden, bei Schmerzen der Augen und vieles mehr. Die Pflanze soll auch als Gegengift wirken: „Klapperrosen ... in Wein gedruncken zertheilet das eingenommen Gifft“.

Der Mohn

Leichter Kopf!

Und klingend wie eine Schelle,

aber ganz und gar nicht leer.

Wenn die Reife gekommen ist,

öffnet sich unter der runden Krone eine Reihe kleiner Löcher,

und wie feiner Pfeffer bestäubt der Samen die lockre Erde,

wo der nächste Mohn wachsen wird,

der Mohn des folgenden Jahres,

groß und scharlachrot.

Gott, wie ist doch alles herrlich eingerichtet!

Rilke, Rainer Maria (1875-1926)

Mohnblumen

Mit roten Feldmohnblumen

Hatt’ ich dein Haar geschmückt,

Die roten Blumenblätter

Die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen

Beim Abendsonnenschein,

Und als die Nacht hereinbrach,

Da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen

Und sehe die Dunkelheit sprühn,

Vor meinen träumenden Augen

Purpurne Mohnblumen blühn.

Löns, Hermann (1866-1914)

 

Eingetragen am 17.02.2016Aktualisiert am 21.02.2016 9:23:47