Herbstzeitlose

Colchicum autumnale

Habitus: Die Herbstzeitlose wird 5 - 20 cm hoch.

Blätter: Die Blätter sind grundständig, breitlanzettlich und saftig.

Blüten: Die Blüte ist 8 bis 25 cm lang und besteht aus 6 gleichgefärbten und nahezu gleichgestalteten Blütenhüllblättern, die unten zu einer langen, fadenförmigen, bleichen Röhre verwachsen sind. Von ihren oberen elliptischen bis lanzettlichen Abschnitten, hell lilarosa gefärbt, steht jeweils ein um 8 bis 10 mm längerer, einem kürzeren gegenüber. In den Schlund der Perigonröhre sind oben sechs Staubblätter mit länglichen, orangegelben Staubbeuteln eingefügt. Die fadenfönnigen Griffel, drei an der Zahl, mit kleinen Narben sind sehr lang und erstrecken sich durch die ganze Röhre.

Blütezeit: August bis Oktober.

Standort

Halbschattig, feuchte, nährstoffreiche, tiefgründige Ton- und Lehmböden, häufig auf Feuchtwiesen und in Auwäldern.

Allgemeine Verbreitung

Mittel- und Südeuropa bis Mittelasien.

Geschichtliches: Colchicumarten wurden schon in der "De materia media" von Dioscurides beschrieben.

Bevor Colchicin medizinisch zur Behandlung von Gicht (seit dem Mittelalter) angewandt wurde, war es ein beliebtes Mittel bei Giftmorden. So verwundert es auch nicht, dass die Landschaft Colchis (Heimat der Giftmischerin Medea) am Schwarzen Meer Pate für den Gattungsnamen Colchicum stand. "außerhalb der Zeit". Hingegen bezieht sich der Artname autumnale (lat. autummus) aus die Blütezeit der Pflanze im Herbst. Somit ergab sich auch ihr deutscher Name "Herbstzeitlose", da ihre Blütezeit außerhalb der Zeit liegt. 

Brauchtum: Diese hoch giftige Wiesenpflanze blüht im »Altweibersommer«. Die Befruchtung, die Verschmelzung von Pollen und Ei, findet zur Wintersonnenwende unter der Erde (der Fruchtknoten am Grund des Blütenkelchs befindet sich in der unterirdischen Zwiebel) statt. Im Frühjahr wachsen die Samenkapsel und die Blätter empor, die grünen Blätter verdorren aber bald. Im Mai sind sie von der Erdoberfläche verschwunden, als versteckten sie sich vor dem Himmelsgestirn. Für die keltischen Sennen und Bergbauern kündete im Spätherbst das elfenhafte, zart lilafarbene Blühen der zeitlosen Pflanze die Herrschaft des Wintergottes (Samain) an. Es war das Signal, die Arbeit draußen zu lassen und mit der Arbeit im Haus, mit dem Hecheln, Spinnen und Weben, zu beginnen. In den dicken giftigen Knollen - Hundshoden, Pfaffenhödchen - sah man die Signatur gichtkranker Zehen. Bei akutem Gichtanfall wird noch heute eine Tinktur aus den Samen der Herbstzeitlose verwendet. Die Schmerzen hören sofort auf'. »Colchicum ( ... ) hemmt die Kristallphagozytose durch die Leukozyten und unterbricht dadurch den circulus vitiosus des Entzündungsgeschehens«.

Saturn, der sonnenferne Planet, der auch für die Gicht verantwortlich gemacht wird, regiert diese Pflanze.

Giftigkeit: Die Vergiftung mit der Pflanze ist nicht selten und kommt durch die Verwechslung der Knolle mit einer Zwiebel oder der Zubereitung der Blätter als Salat. Selbst durch die Milch von Ziegen und Schafen, die die Pflanze gefressen haben, sind Vergiftungen berichtet worden.

Wirkung: Die Prognose ist sehr ernst, mit einer Sterblichkeit von 90%. Die letale Dosis an Colchicin beträgt 43 µg/kg Körpergewicht. Die ersten Symptome treten erst nach einem freien Intervall von 2 - 6 Stunden auf. Sie bestehen aus einem Brennen und Kratzen im Mund- und Rachenbereich, Übelkeit, Erbrechen, einer schweren Gastroenteritis mit zum Teil schleimig-wässrigen und blutigen Durchfällen. Schluckbeschwerden, Temperaturabfall, Schweißausbrüche, heftiger Durst, Krämpfe, Tachykardie, Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps und Lähmungen sind weitere Zeichen. Nach einer Zeit von 12 - 24 Stunden treten die typischen Symptome der Vergiftung auf. Die schon vorher genannten, der Cholera ähnlichen, Durchfälle sind wieder vorhanden. Zusätzlich treten aufsteigende zentrale Lähmungen, blutiger Urin, Atem- und Kreislaufinsuffizienz auf. Der Tod erfolgt durch eine Atemlähmung, meist innerhalb von 2 Tagen, bei voll erhaltenen Bewusstsein. Selbst nach einer vorübergehenden Besserung kann der Exitus eintreten.

Eingetragen am 16.02.2016Aktualisiert am 21.02.2016 9:25:31