Lilie, Türkenbund-Lilie

Lilium martagon

Habitus: Die Pflanze kann auf günstigem Standort 1,5 m hoch werden, im Durchschnitt zwischen 30 und 60 cm. Aus einer goldgelben, schuppigen Zwiebel, die tief im Boden sitzt, entspringt der kräftige, rot-grün gefleckte Stengel. Die ovale Zwiebel kann bis acht Zentimeter Durchmesser erreichen.

Blätter: Die Laubblätter sind länglich- spatelförmig, beiderseits verschmälert, zugespitzt, 7- bis 11-nervig, kurzhaarig-bewimpert und bis 15 cm lang, meist einzeln und wechselständig (seltener gegenständig), die mittleren zu 5 bis 6 (9) quirl-artig.

Blüten: In einem rispigen Blütenstand stehen bis zu sechzehn duftende, nickende Blüten. Die zwittrigen, dreizähligen Blüten haben sechs nach unten und außen gebogene, gleichgeformte Blütenhüllblätter (Tepalen). Die Tepalen sind dabei so stark nach außen gerollt, dass ihre Spitzen am Stiel aufeinander treffen, wodurch sich die typische Turbanform ergibt. Die Blüten sind meist fleischrosa, manchmal auch trübviolett bis hell braunrot. Nur sehr selten sind sie weiß. Die linearen bis länglich-runden Blütenhüllblätter sind 30 bis 45 mm lang und 6 bis 10 mm breit und haben eine in der Regel dunkle Punktierung in unterschiedlichen Größen von kleinsten Sprenkeln bis hin zu großen Flecken.

Blütezeit: Juni bis August.

Standort

Lichte Buchen- und Bergwälder auf sonnigen Bergwiesen, in Hochgrasfluren, an Waldrändern und in Bergsturzgebieten auf humosen, kalkhaltigen Böden (Kalkzeiger!).

Allgemeine Verbreitung

Fast ganz Europa (fehlt ursprünglich in Belgien, Holland, ferner auf den britischen Inseln, in Dänemark, Skandinavien, Nord-Russland, in der ungarischen Tiefebene und stellenweise im Mittelmeergebiet), gemässigtes Asien (östlich bis Japan).

Namensherkunft: Sultan Mehmed I.Der Name Lilium Martagon montanum majus, floribus reflexis war schon vor Carl von Linné in Verwendung, zuerst belegt ist er im Englischen 1477. Die Herkunft des Epitheton martagon ist dabei umstritten. Zum einen wird die Bezeichnung vom türkischen martagan abgeleitet, das eine neuartige Form des Turbans bezeichnet, wie sie von Sultan Mehmed I. (1413–1421) eingeführt wurde, sie bezieht sich auf die Ähnlichkeit mit den zurückgeschlagenen Perigonblättern. Eine andere Ableitung bringt sie mit dem Kriegsgott Mars (Genitiv martis) in Verbindung, da Alchimisten glaubten, dieser stehe in Zusammenhang mit der Umwandlung von Metallen.

Wissenswertes: Die Alchimisten glaubten, mit Hilfe der Goldwurz unedles Metall in Gold umwandeln zu können. Der Türkenbund wird in der Volksheilkunde gegen Hämorrhoiden (goldene Ader) gebraucht und wurde im Mittelalter als Allzweckheilmittel angesehen. Auch glaubte man, dass die Zwiebeln als Futter für Kühe eine schöne gelbe Butter ergeben würden

 

Eingetragen am 10.02.2016Aktualisiert am 14.02.2016 12:02:54