Tulpe, wilde

Tulipa sylvestris

Habitus: Die Wilde Tulpe ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 30 bis 45 (10 bis 60) Zentimetern erreicht. Sie bildet Zwiebeln als Überdauerungsorgan aus. Oft entwickeln die Zwiebeln unterirdische Stolonen, welche die vegetative Vermehrung sicherstellen.

Blätter: Gewöhnlich werden drei Blätter pro Pflanze ausgebildet, in seltenen Fällen können sie auch zu viert stehen. Die einfachen, blaugrün gefärbten Laubblätter sind ungestielt. Die Form der Spreite variiert von schmal-lanzettlich bis linealisch und läuft in einer spitzen, rinnenartig gebogenen Blattspitze aus. Der Blattrand ist glatt ausgestaltet. Die Blätter fühlen sich relativ weich an, sind unbehaart und von glatter Struktur. Sie entwickeln eine Länge von etwa 15 bis 35 cm und eine Breite zwischen 1 und 2 cm.

Blüten: Pro Pflanze entwickelt sich gewöhnlich eine endständige, schwach duftende, glockenförmige Blüte. Selten können zwei Blüten an einer Pflanze beobachtet werden. Die sechs Blütenhüllblätter sind zu zwei Kreisen à drei Blütenhüllblätter angeordnet. Die Blütenhüllblätter des äußeren Kreises sind 30 bis 40 (bis 65) mm lang und 8 bis 15 (bis 25) mm breit, die des inneren Kreises sind 30 bis 40 (bis 60) mm lang und 15 bis 20 (bis 25) mm breit. Die sechs nach vorne spitz zulaufenden, am Grund behaarten Blütenhüllblätter sind an ihrer Innenseite leuchtend gelb gefärbt, die Außenseite weist bisweilen eine grünliche oder rötliche Tönung auf. Auch die sechs fertilen Staubblätter stehen in zwei gleichen Kreisen zusammen. Sie zeichnen sich durch flache, 8 bis 14 mm lange, behaarte Staubfäden mit auffallend orangefarbenen Staubbeuteln aus. Die Länge der Staubbeutel variiert zwischen 4 und 9 Millimeter. Die Wilde Tulpe besitzt einen hellgrünen, etwa 10-12 Millimeter langen, oberständigen Fruchtknoten, der aus drei miteinander verwachsenen Fruchtblättern besteht. Scheidewände unterteilen ihn in drei Fruchtknotenfächer. Jedes Fruchtfach enthält zwei Samenleisten. Da kein Griffel ausgebildet ist, schließen drei kurze, gelbe Narbenlappen den Fruchtknoten ab. Die Blüte schließt sich abends und bei trübem, feuchten Wetter in der Sonne breitet sich die Blütenhüllblätter zu einem großen gelben Stern mit einem Durchmesser von 7 bis 8 cm aus.

Blütezeit: April bis Mai.

Standort

In trockenen bis frischen, mässig fetten Bergwiesen und -weiden sowie auf flachgründigen, im Frühling feuchten Felsbändern im offenen Lärchen-Arvenwald auf ansonsten trockenen Böden vor. Sie wächst teilweise auch in der Nähe von einzelstehenden Bäumen und Gebüschen in Wiesen.

Allgemeine Verbreitung

Westmediterranes Florenelement und v. a. in den Gebirgen verbreitet: in Spanien, in den Pyrenäen (E, F), im Zentralmassiv (F), von den Westalpen (F, I) bis zum Gardasee, im Apennin (I) sowie z. T. im Balkan, im Nahen Osten und in Nordafrika.

Wissenswertes: Auch wenn es der Name suggeriert, ist die Wilde Tulpe nicht die Stammform der Gartentulpe (Tulipa gesneriana). Durch den Einsatz von Herbiziden ist die Wilde Tulpe vom Aussterben bedroht und streng geschützt.

Giftigkeit: Die Wilde Tulpe enthält in allen Teilen bis zu 2,5% Glykoside, deren bedeutenstes Tuliposid A ist. Dieses kann sich in das Lacton Tulipalin A chemisch umwandeln. Beide Verbindungen haben eine antibiotische Wirkung und können zu Hautentzündungen führen.

Eingetragen am 10.02.2016Aktualisiert am 14.02.2016 12:05:56