Germer, weißer

Veratrum album

Habitus: Die ausdauernde Pflanze kann bis zu 60 - 130 cm hoch werden. Aus der knolligen Wurzel entspringt ein komplett beblätterter Stengel.

Blätter: Die Blätter sitzen wechselständig, sie haben eine breite elliptische Form und sind an der Unterseite behaart. Die Blätter verströmen einen starken Geruch und fallen auch durch ihre Bogennerven auf,  sind unten flaumig-filzig, oben kahl, tief längsgefaltet, die untern elliptisch bis breit-elliptisch, die obern lanzettlich.

Blüten: In einer endständigen Rispe, die 30 - 60 lang sein kann, stehen die Blüten. Die Blütenhüllblätter stehen weit ab, sind länglich lanzettlich und spitz gezähnelt, sie sind innen weiß, außen grünlich bis schmutziggelb, 7-15 mm lang.

Blütezeit: Juni bis August.

Standort

Auf Alpenwiesen und auf Hochstaudenfluren, er liebt feuchten, stickstoffreichen und etwas kalkhaltigen Boden.

Allgemeine Verbreitung

In den Mittelgebirgen und Gebirgen Europas und in Asien heimisch. In Europa findet man sie in den Pyrenäen, Alpen, Apennin bis nach Finnland verbreitet. In Mittel- und Südeuropa findet man die Pflanzen hauptsächlich in Höhen zwischen 1000 und 2700 m.

Name: Die Pflanze wird auch Nieswurz, Läusewurzel und Lauskraut genannt.

Im Althochdeutschen findet sich der Name germara für den Germer. Der Gattungsname Veratrum leitet sich wahrscheinlich von verare für wahr reden ab. Dies steht wohl damit in Verbindung, dass ein "beniestes Wort" auch ein wahres Wort sei, wie es das Sprichwort sagt (die Pflanze erregt, wie schon erwähnt den Niesreiz). Der Artname album bedeutet weiß und nimmt Bezug auf die Blütenfarbe.

Geschichtliches: In der Antike verwendete man den Germer oft als Mordgift. Die Ärzte des Altertums wussten um seine Wirkung als Brech- und Niesmittel. Mit dem Gift des Weißen Germers wurden auch Pfeile präpariert. Auch im Mittelalter war die heilende, sowie die tödliche Wirkung der Pflanze bekannt. Man benutzte sie z.B. als Mittel gegen Cholera, Fallsucht, Wassersucht, Hüftleiden und auch gegen Zahnschmerzen.

Giftigkeit: Die Pflanze ist stark giftig! Sie enthält in allen Teilen, besonders jedoch im Wurzelstock, giftige Alkaloide wie Protoveratrin und Germerin. Der Alkaloidgehalt nimmt mit steigender Höhe des Pflanzenstandorts ab. So beträgt er auf ca. 700 Meter NN rund 1,5 Prozent und sinkt bei Pflanzen in den höchsten Lagen (ca. 2.500 Meter NN) auf 0,2 Prozent. Die Symptome äußern sich in Erbrechen, heftigem Durchfall, Kältegefühl, Muskelkrämpfe, Atemnot und Kollapszuständen. Der Tod kann zwischen drei und zwölf Stunden nach der Giftaufnahme eintreten. Bei auftretenden Vergiftungserscheinungen sollte unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden. Als Gegenmaßnahmen werden die Gabe von Aktivkohle und wiederholte Magenspülungen mit Kaliumpermanganat empfohlen. Bei drohender Atemlähmung hat sich lang anhaltende künstliche Beatmung bewährt. Ansonsten symptomatische Behandlung durch Wärmezufuhr, Kreislaufstabilisation und Gabe von Schmerzmitteln.

Sonstiges: In der Antike wurde die Pflanze als Mord- sowie als Pfeilgift genutzt. Medizinisch fand der Weiße Germer als Mittel gegen Bluthochdruck Verwendung. Durch die sehr hohe Toxizität wird die Pflanze heute nicht mehr als Heilpflanze genutzt.

Eingetragen am 08.02.2016Aktualisiert am 14.02.2016 12:14:58