Gartenhyazinthe

Hyacinthus orientalis

Habitus: Bis 20 cm hoch werdendes, ausdauerndes Zwiebelgewächs.

Blätter: Die halbaufrechten, grundständigen Blätter werden 15 bis 35 cm lang. Sie sind riemenförmig, rinnig, glänzend und mittelgrün.

Blüten: Die Blüten erscheinen in einer reichblütigen Traube mit bis 20 cm Länge mit bis zu 40 röhrig glockigen Blüten.

Blütezeit: April bis Mai.

Standort

Sonnig durchlässiger, etwas sandiger Boden.

Allgemeine Verbreitung

Beheimatet im östlichen Mittelmeergebiet. Heutzutage in vielen Zuchtformen erhältliche, beliebte Gartenzierpflanze.

Geschichte: Der Gott Apollon liebte den Sohn der Muse Klio, den schönen Hyakinthos. Beim gemeinsamen Diskuswerfen traf Apollon versehentlich den Jüngling und verwundete ihn so schwer, dass er in den Armen des untröstlichen Gottes sein Leben aushauchte. Aus dem Blut aber, das der Wunde entströmte, erhob sich bald die duftende Hyazinthe.

Nach einer anderen Sage ist die Blume aus dem Blut des Ajax entstanden. Dieser Held im Kampf gegen Troja stritt mit Odysseus um die Waffen des im Kampf gefallenen Achilles. Als Agamemnon diese dem Odysseus zusprach, geriet Ajax in Raserei und stürzte sich in sein Schwert.

Viele unserer schönsten Zwiebelblumen kamen in der frühen Neuzeit aus dem mächtigen Osmanischen Reich und seiner blumenfreudigen Hauptstadt Konstantinopel nach Mitteleuropa. Holzschnitt »Türkischer Kamelreiter« (16. Jahrhundert). Während bei den Griechen der Antike die aus edlem Blut entstandene Hyazinthe ein Symbol der Trauer und des Todes war, stand sie im Orient für Lebensfreude und Schönheit. Dichter wie etwa der berühmte persische Poet Hafis (1326-1390) verglichen mit Vorliebe das lockige und duftende Haar schöner Frauen mit Hyazinthenblüten. Im Serail in Konstantinopel gab es einen Hyazinthengarten, dessen Beete nur mit Hyazinthen in verschiedenen Farben bepflanzt waren.

Zunächst begeisterte man sich vor allem in Wien für die Hyazinthe wie auch für andere Zwiebelblumen. Später, als sich in Holland das Tulpenfieber gelegt hatte, wurde die Hyazinthe insbesondere in Haarlem mit viel Sorgfalt kultiviert. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es dort geradezu eine Sucht nach neuen Hyazinthenvarietäten, die dann auch sehr teuer bezahlt wurden.

Ein weiteres Zentrum der Hyazinthenkultur wurde Berlin. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 durch Ludwig XIV. wurden die Hugenotten in Frankreich erneut verfolgt und viele flohen. Der Große Kurfürst nahm einen beträchtlichen Teil der Flüchtlinge auf, sodass um 1700 rund 30% der Bevölkerung Berlins französische Hugenotten waren. Sie brachten aus Frankreich Wissen über die dort ebenfalls ausgiebig betriebene Zwiebelblumenzucht mit. Der Sandboden Berlins erwies sich für die Anzucht dieser Gewächse als sehr geeignet, im Südosten der Stadt fanden die Züchter zudem feuchten Untergrund. Ein berühmter Züchter im 18. Jahrhundert, der Hauptphase der Zwiebelkultur in Berlin, war etwa David Bouche, der 1740 die erste größere und bedeutendere Hyazinthenausstellung organisierte. Auch viele Privatleute frönten mit Leidenschaft dem Hobby, Hyazinthen (und Tulpen) zu züchten. Im Frühling war es üblich, zu Fuß oder mit dem Wagen zu den riesigen Hyazinthenfeldern hinauszufahren und sich an Formen, Farben und Duft zu erfreuen. Bis in die 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts währte in Berlin die Liebe zu den Hyazinthen, dann ließ plötzlich die Begeisterung nach und man fand die Blumenfelder auf einmal langweilig. Anfang der 40er-Jahre hörten mangels Interesse des Publikums die Schaustellungen ganz auf.

Eingetragen am 08.02.2016Aktualisiert am 14.02.2016 12:17:05