Rade, Korn-Rade

Agrostemma githago

Habitus: Die Pflanze ist etwa 30-60 cm, mitunter bis zu 90 cm hoch. Die gesamte Pflanze ist dicht anliegend seidig behaart. Der Stengel ist aufstrebend.

Blätter: Die Blätter sind schmal lanzettlich bis linealisch und sind wie bei allen Nelkenartigen gegenständig.

Blüten: Die Kornrade hat 5 Blütenblätter, die glockig verwachsen sind. Der schmale, längliche Blütenkelch mit den gut erkennbaren Nerven, bildet 5 schmale abspreizende Zipfel aus, die die große endständige Einzelblüte von 3-5 cm Größe um etwa 1/3 ihrer Länge überragen. Jedes Kronblatt der blass purpurn gefärbten Blüte ist am äußeren Rand schwach eingebuchtet. Zur Mitte zu sind jeweils 3 Nerven deutlich zu erkennen. Der Schlund ist weißlich.

Blütezeit: Juni bis August.

Standort

Sie bevorzugt sandig - lehmigen Boden und ist in 1200m anzutreffen. Heute ist die Pflanze durch die Kultivierung der Getreideäcker immer seltener geworden. Sie kommt aber in Gärten als Zierpflanze vor.   

Allgemeine Verbreitung

Europa, Asien, N-Afrika, Kanaren, in N-Amerika eingebürgert.

Name: Mit Rade wurde die Pflanze schon im Mittelalter bezeichnet. Weitere Namen waren Schwarzer Ackerkümmel, Rote Kornblume, Roggenrose sowie Kornnelke. All diese Namen weisen darauf hin, das die Kornrade eine Ackerblume ist. Ihrer Giftwirkung wegen wurde sie aber auch Höllenkorn genannt. Der Gattungsname Agrostemma setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort agros für Acker und stemma für Kranz, ein Hinweis, daß die Pflanze zum Winden von Kränzen benutzt wurde.

Der Artname githago weist auf die Ähnlichkeit der Kornradensamen mit denen des Schwarzkümmels hin, der den griechischen Namen gith trug.

Vermehrung: Die Samen können nicht einfach aus der Samenkapsel ausfallen, da diese an ihrem Ausgang etwas verengt ist. Das erklärt, dass die Samen erst beim Dreschen ausfielen und mit der Getreideeinsaat in den Boden gelangten. Früher hatte man die Getreidekörner und die Samen der Korn-Rade nicht ausgelesen. Die Trennung gelang erst mit der Saatgutreinigung.

Volkstümliches: Ebenso wie die Primel zum Frühling und das Mädesüß zur Mittsommerzeit gehört, so ist die Kornrade eindeutig Lammas, dem Fest des Lug und der Kornmutter im August, zugeordnet. Dem Bauern zeigt das Aufblühen ihrer wunderschönen roten Blüten (»Teufelsaugen«) an, dass die Getreideernte unmittelbar bevorsteht. In Franken heißt es: »Raden, Raden rot, in vier Wochen gibt's neu's Brot!«

Heilwirkung: Seit dem Mittelalter wurde die Droge zur Behandlung von Geschwüren, Fisteln und Hämorrhagien genutzt. Ob sie mit der bereits im Altertum als Melanthium bekannten Droge identisch ist, wird allerdings bezweifelt. Gegen Ende des 18. Jh. ist die Droge aus dem Arzneischatz weitgehend verschwunden. A. githago hat in früheren Zeiten das Brotgetreide verunreinigt und damit bes. im Mittelalter zu Massenvergiftungen beigetragen, wobei erwähnt werden muß, daß auch Mutterkorn (Claviceps purpurea) hieran beteiligt war.

Im Garten: Die seltene Korn-Rade hat längst die Gärten erobert. Sie wurde hinsichtlich ihrer Blütenfarbe und ihrer seidig glänzenden Behaarung weiter bearbeitet. Die Gartenform zeichnet sich durch eine kräftige purpurne Farbe der Blüten und durch die dichte leicht weißliche Behaarung von Stengel und Blättern aus. Für die Blumenliebhaber bietet die Korn-Rade eine wunderbare Ergänzung im Stein- oder Sommergarten. Die Standortamplitude ist leicht nachzuempfinden bevorzugt werden auch hier sandig-lehmige Bodenschichten, frei von Vernässung. Auch ein gehaltvoller Boden in sonnig-warmer Lage ist geeignet. Die Korn-Rade bietet einen sehr schönen Kontrast zu Gräsern und Mittags- und Studentenblumen. Mit ihrem Standortspektrum ist sie auch für den Steingarten geeignet.

Eingetragen am 07.02.2016Aktualisiert am 14.02.2016 12:17:41