Waldrebe, gewöhnliche

Clematis vitalba

Habitus: Die holzige Liane ist 15-20m hoch. Die älteren Sprosse haben eine hellbraune, faserige Rinde, die jüngeren sind kantig und verankern sich mit Hilfe der eingerollten Blattstiele an Zweigen von Bäumen.

Blätter: Die Blätter sind grün, gegenständig, gefiedert und mit 3-9 eiförmigen bis herzförmigen, gesägten Blättchen.

Blüten: Die Blüten sind weiß, ohne Kronblätter, aber mit 4 weißen, auf beiden Seiten filzigen Kelchblättern. Die Staubblätter sind zahlreich und mit 7 bis 8 mm etwas länger als gewöhnlich. Blüten in Rispen.

Frucht: Frucht ist aus vielen, behaarten und mit einem langen, federartigen Anhängsel versehenen Nüßchen zusammengesetzt. Die Fruchtblätter sind nicht verwachsen und silbrig behaart. Zur Fruchtreife wachsen die Griffel zu behaarten Flugorganen.

Blütezeit: Juni bis August

Standort

Auwälder, an Waldrändern, wo er an verschiedenen Bäumen und Sträuchern emporklimmt, Gebüsche, Trockenwälder liebt kalkreiche, tiefgründige Lehmböden stickstoffliebend, wärmeliebend, zerstreut.

Allgemeine Verbreitung

In Mittel- und Südeuropa, nördlich bis England, bis etwa 1500 m.

Giftigkeit: Die Gemeine Waldrebe ist als giftig klassifiziert. Alle Pflanzenteile sind giftig. Hauptwirkstoff ist Protoanemonin und Anemonin. Protoanemonin besitz eine kräftige örtliche Reizwirkung (Schleimhäute). Vom Körper aufgenommenes Protoanemonin beeinträchtigt das zentrale Nervensystem und kann bei entsprechender Dosis zum Tod durch Kreislauf- und Atemlähmung erfolgen. Auch die Nieren und Harnwege werden gereizt. Protoanemonin geht beim trocknen in Anemonin über, die getrocknete Pflanze ist frei von hautreizender Wirkung.

Geschichtliches: Die Waldrebe wurde schon im Altertum zu medizinischen Zwecken verwendet. So schreibt Dioskurides von ihren Heilkräften: "Ihre Frucht, fein gestoßen mit Wasser oder Honigwasser getrunken, führt Schleim und Galle nach unten ab. Die Blätter als Umschlag vertreiben Aussatz." Die mittelalterlichen Kräuterbücher bringen ähnliche Indikationen. Die Stengel und Blätter wurden unter dem Namen Stipites et Herba Clematidis silvestris in den Offizinen geführt. Aus der Alpen-Waldrebe stellte man früher Seile her und nahm die Ranken zum Körbeflechten. Reste davon hat man in alten Pfahlbauten gefunden.

Heilwirkung: Clematis vitalba wurde in Teilen Europas als Tabakersatz geraucht. Ihre Frucht, fein gestoßen mit Wasser oder Honigwasser getrunken, führt Schleim und Galle nach unten ab. Die Blätter als Umschlag vertreiben Aussatz. Ehemals sei die Pflanze angewendet worden bei Quartanfieber, Wassersucht und äußerlich bei rheumatischen, gichtischen Schmerzen sowie bei Krätze. Der Ansicht, daß C. vitalba in "ihren medizinischen Tugenden" denen der C. recta nahe stehe, ist auch Geiger . Beim Verarbeiten von frischem Kraut von Clematis vitalba und anderen anemoninhaltigen Pflanzen in einer Fleischmaschine entsteht eine fast unerträgliche Atmosphäre, welche Nasenschleimhaut und Augen zu starkem Niesen bzw. Tränenfluß reizt .

Eingetragen am 28.01.2016Aktualisiert am 31.01.2016 15:03:10