Nieswurz, stinkende

Helleborus foetidus

Habitus: Die 30-50 cm hohe, ausdauernde Pflanze hat eine buschige Gestalt. Der Stengel ist verholzt .

Blätter: Die Grundblätter sind 5-10cm lang gestielt und haben eine dunkelgrüne breite, hellgrüne die Scheide. Die Battspreite ist 5-9fach fußförmig geteilt und die Blattabschnitte sind lanzettlich gezähnt. Die oberen Stengelblätter sind ganzrandig, oval und 2-5cm lang. Die Stengelblätter sind wechselständig.

Blüten: Die Blütenhüllblätter sind grün und oft mit einem roten Rand. Mehrere Blüten stehen am Ende der Zweige oder des Stengels in einem locker rispigen Blütenstand. Die Blüten sind  nickend und 2-3cm im Durchmesser. Die Blütenhüllblätter überlappen sich etwas.

Frucht: Als Frucht erscheint eine vielsamige Balgfrucht.                

Blütezeit: März bis Mai.  

Standort

Wächst auf trockenen, steinigen Abhängen, Felsen, in lichten Bergwäldern, Gebüschen, an Waldrändern, Wegrändern, auf Rutschhalden, an Zäunen und an sonstigen unkultivierten Orten. Sie kommt vereinzelt bis 1800m  vor. Sie liebt Kalk und ist hier und da auch als Gartenpflanze verwildert.

Allgemeine Verbreitung

Die Pflanze ist in Südeuropa, Westeuropa und im südlichen Mitteleuropa heimisch. In Deutschland wird sie nur im mittleren und südwestlichen Bereich gefunden.

Giftigkeit: Alle Pflanzenteile sind sehr stark giftig. Die größte Konzentration der Wirkstoffe ist in der Wurzel und in den Samen gefunden worden. Alle Gifte bleiben beim Trocknen erhalten.

Wirkung: Der Saft der Pflanze ruft auf der Haut und der Schleimhaut eine starke Reizung mit Entzündungen und Blasenbildung hervor. Bei oraler Aufnahme kann es zu Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen kommen. Schwindel, Ohrensausen, Sehstörungen, vermehrter Speichelfluss, Koliken und Krämpfe sind deutlichere Zeichen einer Vergiftung. Durch das Helleborein kann eine digitalisähnliche Symptomatik entstehen. Der Tod tritt durch eine Atemlähmung ein.

Heilwirkung: Die Stinkende Nieswurz wurde früher als Brechmittel, Abführmittel und zu Wurmkuren verwendet. Mittlerweile sind die Präparate der Pflanze wegen der großen Vergiftungsgefahr aus der Medizin verschwunden. Auch als Mittel gegen Läuse fand sie Verwendung.

Volksglaube: Seit dem Altertum hat die Christrose eine wichtige Bedeutung als Heil-, Gift- und Zauberpflanze. Sie diente vor allem zur Heilung des Wahnsinns, der durch Dämonen verursacht wurde. Den Wurzeln der Christrose wurde Zaubermacht zugesprochen. Wer sie bei sich trug, dem waren ewige Jugend und Schutz vor Krankheiten, vor allem Wassersucht, gewiss. Damit sie ihre Wunderkraft auch tatsächlich behielt, musste sie insgeheim aus der Erde ausgegraben werden. 

Sonstiges: Das Laub der bei uns heimischen „Stinkenden Nieswurz“ (Helleborus foetidus, nach dem Wurzelgeruch) ist das ganze Jahr attraktiv und eine kräftige Pflanze bringt über 100 Blüten. Zerreibt man die Wurzel, so entweicht ein Geruch wie Bratenduft!

Gartenbau: Für den gärtnerischen Anbau der Christrosen sind nur wenige Arten geeignet. Die Massenvermehrung ist bisher im großen Stil noch nicht gelungen. Dadurch steigert sich natürlich der Wert. Eine diffizile und langwierige Pflanzenauslese sichert gärtnerischen Kulturerfolg. Das Ergebnis der vielen Arbeit zeigt sich nach elf Monaten Kulturzeit in einer fast unbeschreiblichen Blütenvielfalt. Für Gärtner eine interessante, wenn auch knifflige Kultur, da sich der Erfolg nicht genau steuern lässt - wie beispielsweise bei Rosen. Probleme kann es mit dem „Wurzelbohrer“ geben. Dieser Hauptschädling lässt sich seit einigen Jahren biologisch mit Nützlingen wie beispielsweise räuberischen Nematoden in den Griff bekommen.

Nach Teilung der Pflanzen, wenn die Bildung neuer Wurzeln einsetzt (je nach Witterungsverlauf im Mai oder Juni), werden sie ins Freiland gepflanzt. Erst zur Blütezeit werden die Christrosen überdacht und durch Wärme in ihrer Vegetation unterstützt. Zunächst erlebt die Pflanze einen Blattschub, je nach Temperatur zwischen März und April, dann einen Wurzelschub (Mai, Juni), dann wieder einen Blattschub im August. Im darauf folgenden Monat sind wieder die Wurzeln dran. Dann ist es endlich soweit: Die Blüten treiben aus - inzwischen sind die letzten vier Wochen des Jahres angebrochen.

Die Winterblüher bevorzugen im Garten einen schattigen Platz, wenn möglich auch gern unter einem lichten Laubbaum. Lehmig humoser Boden und ausreichend Feuchtigkeit sind Garanten für blühwillige Pflanzen. Wesentlich für das Gedeihen der Christrosen im Garten ist, dass Sie sie dort stehen lassen, wo sie einmal eingepflanzt wurden. Wenn Sie ihnen ihre Ruhe lassen, können diese Stauden uralt und von Jahr zu Jahr üppiger und wertvoller werden. Wenn die Vegetation der anderen Pflanzen im winterlichen Garten ruht, zeigen sich die Christrose mit ihren immergrünen, gelappten Blättern. Hier und da brechen nach den ersten Frösten bereits einzelne Blüten aus dem Boden. Neben der wohlbekannten frühblühenden, großblütigen Helleborus niger, läßt sich auch die Orientalische Christrose Helleborus orientalis in vielen Gärten finden. Die Stammart ist auf kalkhaltigen Böden in den Bergregionen Europas (Alpen, Karpaten, Apenninen) beheimatet. Die Nachfrage an Christrosen hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, denn sie gehören inzwischen unbestritten für viele Familien ganz traditionell zur Advents- und Weihnachtszeit. Die im Blumenfachgeschäft angebotenen Sorten variieren in der Blütenfarbe vom dunklen Purpurviolett über Rosa, Gelbgrün bis zum zarten Weiß, und manche Blüten sind auffällig purpurn gepunktet. Es gibt viel winterliches Beiwerk, das die Christrose schmücken könnte. Doch weniger ist auch hier mehr, um die einzelnen Blüten und Knospen wirken zu lassen.Wenn die Staubgefäße zu stäuben beginnen, ist der richtige Schnittzeitpunkt der Christrosen. Um die Haltbarkeit der weichstieligen Blumen zu verbessern, ritzen einige Floristen die unteren Stielenden zwei bis drei Zentimeter vorsichtig mit einem scharfen Messer ein, andere schwören auf „Frischhaltemittel“ und geben eine halbe Prise davon ins Vasenwasser. Die zart blühenden Kostbarkeiten der Natur bringen Wärme in unsere Seele, und deshalb sollten die Christrosen so lange wie möglich halten - nicht nur in der Erinnerung.

Eingetragen am 25.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 10:12:04