Nieswurz, grüne

Helleborus viridis

Habitus:  Die Pflanze ist ausdauernd, hat einen krautigen Wuchs und wird 20-40 cm hoch.

Blätter: Die langgestielten Blätter sind 7-9 teilig, mattgrün, die oberen Stengelblätter sind ebenfalls geteilt und gezähnt, und stehen an den verzweigten Stengeln mit 2 gestielten Grundblättern.

Blüten: Die Blüten stehen nickend in kleinen Trauben auf dickem, aufrechtem Stängel, sind ausgebreitet und erreichen eine Größe von 4 - 6 cm. Die Blüten sind gelbgrün, kugelig, nickend, mit 5 großen, grünen Kelchblättern und einer Fülle von Staubblättern in der Mitte. Die Blütenblätter sind zu Honigblättern zurückgebildet.

Frucht: Als Frucht erscheint eine vielsamige Balgfrucht.

Blütezeit: März bis April.

Standort

Benötigt kalkreiche, feuchte Böden, wächst in Wäldern, in Buschwerk und auf Steinböden bis in 1600 m Höhe. Auch als Gartenzierpflanze ist sie zu finden.

Allgemeine Verbreitung

Die grüne Nieswurz ist in Westeuropa und Mitteleuropa heimisch. In Deutschland wird sie vereinzelt in den Alpen angetroffen.

Name: Der Gattungsname Helleborus setzt sich aus den griechischen Worten helein für töten und bor für Speise zusammen, was bedeutet, daß ein Verzehr der Pflanze tödlich sein kann. Der Artname viridis kommt aus dem lateinischen und bedeutet grün, womit er auf die Blütenfarbe hinweist. Den Namen Nieswurz erhielt die Pflanze wegen ihrer Verwendung in Nies- und Schnupfpulvern.

Heilwirkung: Die Pflanze wird homöopathisch bei Hirnhautentzündung, Kreislaufschwäche, Nierenentzündungen und Epilepsie eingesetzt.

Legende von der Christrose: Vor langer Zeit, als noch der Norden im Bann des Heidentumes lag und die neue Lehre durch fromme Priester sich nur schrittweise Bahn brach, da thront auf einem stolzen Edelsitz, umringt von seinem Hofgesinde ein mächtiger germanischer Fürst, mit Helga, seinem Kind. Ihm war der Christenglaube verhasst, einen schwertlosen Mann hielt er für wertlos. Doch Helga, der die fromme Amme vom Christuskind erzählt hat, hat sich den stillen, sanften Jesus zum Herzenskönig auserwählt. Mit Stürmen geht das Jahr zu Ende. Es türmet sich der Schnee zu Hauf  da sieht das Mädchen am Kamine zum finstern Vater fröhlich auf. „Oh Vater, morgen ist Weihnachten,“ sie streicht das blonde Haar zurück „Ja, morgen ist das Fest der Freude!“ Ihr Stimmchen bebet schier vor Glück. „Schweig mir mit deinen Ammenmärchen, der weise Gott gefällt mir nicht, der immer nur von Feindesliebe, von Frieden und Versöhnung spricht.

In meinem Gau gilt noch die Regel: Der starke Herr, der schwache Knecht. Ein König ohne Schmuck und Waffen, von dem man nichts gewisses weiß, der steht bei uns nicht hoch im Preis. Wo ist sein Land? Wo seine Leute? Mit Dornen hat man ihn gekrönt. Am Schandpfahl mußt´er schmählich enden.“ Klein Helgas Vater grimmig höhnt: “Eh`ich dem Christengott mich beugte und unterm Kreuze sollte knie`n, eh müßten hier vor meinem Auge die Rosen unterm Schnee erblüh`n.“

Klein Helgas Augen stehn in Tränen, Ihr Herz zuckt bei dem schlimmen Wort. Es zieht sie aus des Vaters Nähe zum dichtverschneiten Walde fort. Dort, wo das Reh nur leise schreitet, kniet nieder sie in ihrer Not.Sie faltet fromm die kleinen Hände und betet zu dem Christengott: „Herr Jesus in der Herrlichkeit, dein Reich ist groß, dein Arm reicht weit. Du hast mit deiner Wundermacht viel größeres dereinst vollbracht. Erhöre eines Kindes Flehn, laß auch ein Wunder heut`geschehn, daß Vater deine Allmacht schaut und an dich glaubt und dir vertraut. Schaff Rosen, Herr, wie er begehrt, daß sich sein Fluch in Segen kehrt. Ich weiß, du kannst`s, ich glaube fest, daß du Herr, dein nicht spotten läßt.“ Getröstet geht das Kind nach Hause. Bald bricht die Heilige Nacht herein.  In weißer Hülle liegt die Erde, vom Himmel flattert Sternenschein. Da tritt ein Engel in die Kammer, in der das Mädchen friedlich schlief.

Er trug ein Pflänzchen in den Händen und grub es in die Erde tief. "Du sollst ein Zeugnis sein des Höchsten, daß fromme Glaube Wunder schafft. Blüh`denn zum Preis des Jesuskind um Weihnacht stets mit neuer Pracht.“ Am Morgen, als der Graf erwachte, wollt`er den Augen nimmer traun, denn unter Helgas Fenster waren die schönsten Rosen anzuschaun. Da schmilzt sein Trotz wie Schnee im Frühling, Anbetend sinkt er in die Knie, und Helga schlingt um ihn die Arme: „Christrosen, Vater!“, jubelt sie!

Giftstoffe: Die Grüne Nieswurz enthält herzwirksame Glycoside und Protoanemonin. Die Vergiftungserscheinungen sind Kratzen in Mund und Rachen bedingt durch Reizung der Schleimhäute. Ferner kommt es zu Erbrechen und Durchfällen, zu unregelmäßigem Herzschlag, zu Unruhe und Krämpfen. Lähmungen können Atemstillstand zur Folge haben. Die Pflanzeninhaltsstoffe verursachen zuerst eine Erregung der motorischen Hirnzentren, wobei die Atmung als erstes betroffen ist. Es folgt eine Unruhe des Betroffenen, die mit Übelkeit, Erbrechen und Krämpfen begleitet ist. Schließlich ist eine Lähmung zu erkennen, von der die Atmung sehr stark betroffen ist. Die Alkaloide Celliamin und Sprintillamin sollen durch eine unmittelbare Schädigung des Atemzentrums zum Tode führen.

Brauchtum: Sie galt als Mittel zur Erhaltung der ewigen Jugend. Zu Pulver verarbeitet, auf den Boden gestreut, sollte sie gar unsichtbar machen! „Das soll ein nützlich Purgation sein, eine Reinigung des Leibes von aller böser, schädlicher Überflüssigkeit schrien die Marktschreier von damals auf den Jahrmärkten, die sie als sogenannte Wunderdroge anboten. Die Nieswurz wurde im Altertum gegen Geisteskrankheiten (helleborio = verrückt) angewendet. Nach einer Legendewurde z. B. Herakles durch die Helleboruswurzel von seinem Wahnsinn, in dem er seine Kinder erschlug und ins Feuer warf, geheilt.

Mit der Nieswurz putzte man sich - allerdings des Giftes wegen nicht ganz ungefährlich - die Nase frei und meinte, damit böse Geister und Krankheiten auszuniesen. Die pulverisierten Rhizome der Christrose sind heute noch Bestandteile von Schnupftabaksorten (z. B. Schneeberger)  und Niespulvern.

Eingetragen am 25.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 10:13:51