Eisenhut, blauer

Aconitum napellus

Habitus: Es handelt sich um eine 50-150 cm hohe, krautige, ausdauernde Staude. Die Wurzel ist rübenartig und bildet im Laufe des Jahres eine neue Knolle, während die vorjährige im Winter abstirbt.

Blätter: Die Pflanze hat zahlreiche, dicht stehende Stengelblätter, die bis weit hinauf gestielt sind, wobei die obersten weniger geteilt sind als die unteren. Untere Stengelblätter sind bis zum Grund tief handförmig und 5- bis 7-teilig und wechselständig, Die Blattabschnitte sind fiederig in schmale Zipfel zerteilt. Die Einzelabschnitte erscheinen gebuchtet.

Blüten: Die Blüten sind dunkel blauviolett, seltener tiefblau, hellblau, rötlich violett oder weißblau gescheckt. Beim Blütenstand handelt es sich um eine stets vielblütige, mehrfach zusammengesetzte Traube, seltener um eine einfache Traube in zusammengesetzten Trauben ist die endständige Traube stets mehrfach größer als die seitenständigen Trauben. Die Blüten sind zweiseitig mit helmförmig gewölbter Oberlippe, der Helm ist meist breiter als hoch und nie deutlich höher als breit.

Frucht: In einer Balgkapsel entwickeln sich die drei- bis sechskantigen Samen.

Blütezeit: Juni bis September.

Standort

Der Blaue Eisenhut wächst auf feuchten Weiden, Hochstaudenfluren und in höheren Berglagen. In den Alpen findet man die Pflanze bis zu einer Höhe von 2500 m. Er bevorzugt nährstoffreiche Böden. Er liebt es feucht, licht und nährstoffreich und wird auch als Gartenzierpflanze angebaut.

Allgemeine Verbreitung

In den Gebirgen Mitteleuropas, im Norden bis Schweden, in Asien (Sibirien, Himalaja) und Nordamerika.

Geschichte: Die griechische Mythologie weiß zu berichten, weshalb der Eisenhut solch starke Giftigkeit besitzt. Herkules soll Schuld sein, neben Orpheus der einzige Bezwinger des Höllenhundes Cerberus, Wächter der Unterwelt. Die Wut gegen Herkules übertrug sich auf den vom überwältigten Cerberus gestreiften Eisenhut. Die griechische Zauberin Medea bediente sich des Eisenhutes, um Rache an ihrem untreu gewordenen Ehemann Jason zu nehmen, indem sie versuchte, damit seinen Sohn Theseus zu töten. Im antiken Griechenland war es der Bevölkerung verboten den Eisenhut anzupflanzen, in den staatlichen Gärten indes wurde er allerdings gehalten. Ein Giftanschlag auf den Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert schlug fehl, da er den bitteren Geschmack sofort bemerkte. Er soll aber, so schreibt die Sage, 3 Jahre später dann doch an den Folgen des Giftes gestorben sein. Auch der römische Kaiser Claudius und Pabst Hadrian VI sollen mit Eisenhut vergiftet worden sein. Im Altertum wurde der Eisenhut hauptsächlich  seiner Giftwirkung wegen verwendet. Mit ihm vergiftete Pfeil- und Speerspitzen sowie Schwerter waren eine tödliche Waffe. Weiterhin diente es zum Abfaulen von  Fleischteilen. Im Jahre 117 n.Chr. wurde in Rom dann im Zuge der ersten Gesetze gegen Giftmischerei das Pflanzen von Eisenhut in  Gärten verboten.

Im Mittelalter wurde der Eisenhut lediglich zum Töten von Läusen empfohlen. Ansonsten rückte er wegen der Vergiftungsfälle ins Interesse: Makaber lesen sich die Berichte der von Papst und Kaiser genehmigten Versuche an zum Tode verurteilten Verbrechern, ein Gegengift zu finden.

Aus dem Russischen stammt die Legende, dass sich Luzifer unter einem Eisenhut versteckte, als er aus dem Himmel vertrieben wurde. Der Erzengel Gabriel soll ihn dort aber aufgespürt und die Pflanze mit einem Blitz durchschossen haben, so dass Luzifer weglief.

Heilwirkung: Eisenhut wirkt in potenzierter Form über das Nervensystem auf fast den gesamten Organismus. Vorrangig ist die schmerzlindernde Wirkung bei Neuralgien, Ischias und Gicht. Zusätzlich wirkt er gegen Fieber und hilft bei Erkältungskrankheiten (besonders Schnupfen und Bronchialkatarrh), auch vorbeugend. In der Homöopathie setzt man den Eisenhut auch bei gewissen Herzleiden ein. Als Hausmittel fand er nur zögerlich Verwendung, sicherlich wegen seiner Giftigkeit. Plinius berichtete lediglich über seine Anwendung bei Augenleiden. Erst nach dem Mittelalter wurde er neben den genannten Leiden auch gegen Schlaflosigkeit sowie Entzündungen im Verdauungstrakt eingesetzt.  Nochmals soll davor gewarnt werden, den Eisenhut in konzentrierten  ubereitungen selbst anzuwenden. Es besteht wegen seiner Giftigkeit akute Lebensgefahr! Nur in den Händen eines Arztes ist er ein hochpotentes und nützliches Arzneimittel.

Eingetragen am 25.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 10:28:25