Fetthenne, grosse

Sedum telephium

Habitus: Die Pflanze ist ausdauernd und 20 bis 70 cm hoch. Die Wurzeln sind dick, rübenförmig, spindelförmig auslaufend. Die Grundachse ist schief, kurz und unverzweigt. Der Stengel ist aufrecht oder am Grund aufsteigend, einfach oder oben verzweigt und kahl.

Blätter: Die Laubblätter sind fleischig, flach, breit eiförmig, ungleich gezähnt, seltener ganzrandig, wechsel- oder gegenständig oder in 3-blätterigen Quirlen.

Blüten: Die Blüten sind zwitterig, auf 1,5 bis 3 mm langen Stielen zu endständigen, dichtgedrängten, meist ebensträußigen Trugdolden vereinigt. Die 5 Kelchblätter, dreieckig und spitz. Die 5 Kronblätter sind länglich-eiförmig, an der Spitze kapuzenförmig zusammengezogen, 3 bis 5 mm lang, gelblichgrün oder purpurrot. Die Staubblätter sind so lang wie die Kronblätter. Die 5 Balgfrüchte sind Richtung Grund verschmälert, 3 bis 4 mm lang, in den 1,2 mm langen Griffel zugespitzt. Die Samen sind länglich, 1,5 bis 2 mm lang.

Blütezeit: Juli bis September.

Standort

Auf Felsen, Felsschutt, trockenen Wiesen, in lichten Föhren- und Eichenwäldern, an Weg- und Ackerrändern, auf Dämmen, Mauern, Alluvionen, in Hecken, auf Kartoffeläckern.

Allgemeine Verbreitung

Europa (nördlich bis Ranen und Norriand in Schweden, Finnland und Onega.Karelen) Kleinasien, Sibirien (bis Zentralchina).

Brauchtum: Auf das Dach gepflanzt, sollte sie z. B. den Blitz abwehren, und ihr schnelles Welken galt als Zeichen für den frühen Tod eines Menschen. Als Heilpflanze wird sie ähnlich wie die Hauswurz verwendet. Schon Dioskurides und Plinius erwähnten sie als Wundermittel sie wurde zum Heilen von Brüchen, bei Hautentzündungen und ver-schiedenen Hautleiden verwendet. Eine andere Fett-hennenart, der scharfe Mauerpfeffer (S. acre L.), hat kräftig gelbe Blüten und scharf schmeckende, kleine, schmale Blätter, mit deren Saft Schwielen und Hühner-augen zum Verschwinden gebracht werden können. 

Besonders in unruhigen Zeiten wurde die Pflanze gegen Brüche angewendet: Auch als Aphrodisiacum wird die Pflanze den Rindern gegeben, daher an der Mosel Stierkraut genannt. Nach den knolligen Wurzelverdickungen wird die Pflanze im Samland und in Kärnten Wilde Bohnen genannt. Nach einem weitverbreiteten Volksglauben ist die Pflanze (vorzüglich, wenn sie am Johannistag gepflückt wurde) ein Orakel über Leben und Tod. — Wenn man am Johannisabend so viele Pflanzen der grossen Fetthenne als Leute im Hause sind in einen Deckenbalken der Stube steckt und jeder den Namen eines Hausgenossen gibt, so kann man sehen, wer zuerst von diesen sterben wird, es ist der, dessen Pflanze zuerst welkt.

Eingetragen am 19.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 10:43:51