Raps

Brassica napus

Habitus: Der Raps ist eine ein- oder zweijährige Pflanze. Er erreicht eine Wuchshöhe von 40 - 120 cm. Der Stengel verzweigt sich regelmäßig in Seitentriebe und bleibt fast kahl. Die Wurzel ist rübenförmig ausgebildet.

Blätter: Die zuunterst am Stengel stehenden Blätter haben bis zu 15 Zentimeter lange Blattstiele, die Spreite ist im Umriss eiförmig, länglich-rund bis lanzettlich, fiederblattartig gelappt (manchmal nicht weiter unterteilt) und 5 bis 25 (selten bis zu 40) Zentimeter lang und 2 bis 7 (10) Zentimeter breit. Die äußersten Lappen sind eiförmig, am Rand gezähnt, gewellt oder ganzrandig. Je Seite der Mittelrippe stehen ein bis sechs seitliche Lappen, deutlich kleiner als die Schlußlappen, gelegentlich fehlend und ebenfalls am Rand gezähnt, gewellt oder ganzrandig. Die oben am Stängel stehenden Blätter sind ungestielt, lanzettlich, eiförmig oder länglich-rund, bis zu 8 Zentimeter lang und 3,5 Zentimeter breit, ihr ohrförmiger Ansatz umschließt den Stengel, der Rand ist ganz oder gewellt.

Blüten: Die Blüten des Rapses sitzen am oberen Ende des Stengels in einer Traube aus 20 bis 60 Einzelblüten. Die Blütenstiele sind gerade, weit gespreizt und 1,2 bis 2,3 (1 bis 3) Zentimeter lang. Die Kelchblätter sind länglich-rund, 5 bis 10 Millimeter lang und 1,5 bis 2,5 Millimeter breit, aufwärtsweisend oder selten fast aufrecht. Die Kronblätter sind hell- bis blassgelb, breit umgekehrt-eiförmig mit abgerundeter Spitze, 1 bis 1,6 (0,9 bis 1,8) Zentimeter lang und 6 bis 9 (5 bis 10) Millimeter breit und 5 bis 9 Millimeter langem Nagel.

Blütezeit: April bis Mai.

Standort

Beliebte Nutzpflanze. Verwildert sieht man den Raps nur selten in letzter Zeit jedoch öfter entlang von Verkehrswegen.

Allgemeine Verbreitung

In fast ganz Europa angebaut.

Geschichte: Raps wird weltweit als Nutzpflanze angebaut, in erster Linie zur Gewinnung von Rapsöl aus der Saat. Raps hat einen Ölgehalt von 40 Prozent und war schon den Römern bekannt. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde er landwirtschaftlich kultiviert. Das aus den Rapssamen gepresste Speiseöl hatte einen schlechten Ruf. Grund war sein bitterer Geschmack, der auf einen hohen Gehalt an Erucasäure zurückzuführen war. Bis in die Neuzeit lieferte Raps Brennstoff für Öllampen. Allenfalls in Hungerzeiten kam Rapsöl auch als Nahrungsmittel auf den Tisch. In beiden Weltkriegen wurde in Deutschland der Rapsanbau forciert, um sich aus der Abhängigkeit von Fett- und Öleinfuhren zu lösen. Vor allem Margarine wurde aus heimischem Rapsöl hergestellt. Als Speiseöl untauglich, als Futtermittel ungeeignet - Raps blieb auf die Verwertung als technische Öle beschränkt. Diese Verwendungsbeschränkung entfiel ab ca. Mitte der 70er Jahre: Es kamen Neuzüchtungen mit zwei neuen Merkmalen auf den Markt: Das Öl aus diesem 00-Raps ("Doppel-Null") enthielt nur noch geringe Mengen der bitter schmeckenden Erucasäure und waren nahezu frei von Senfölglykosiden. Diese giftigen Stoffe hatten bis dahin eine Verwendung als Lebensmittel bzw. als Tierfutter weitgehend ausgeschlossen. Bis in die jüngere Vergangenheit stand die Verwertung des ernährungsphysiologisch wertvollen Öls zur menschlichen Ernährung sowie als Rohstoff für Speisefette im Mittelpunkt, inzwischen verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Nutzung als nachwachsender Rohstoff. 2007 wurden bereits drei Viertel des in Deutschland erzeugten Rapsöls zur Erzeugung von Biokraftstoffen oder zur Verwertung in der Industrie genutzt. Als Biokraftstoff wird Rapsöl ohne weitere Verarbeitung als Rapsölkraftstoff genutzt oder nach der Verarbeitung zu Rapsölmethylesther (RME) als Biodiesel. Biologisch abbaubare Schmierstoffe aus Rapsöl haben vor allem bei Arbeiten in der Natur an Bedeutung gewonnen. Daneben wird Rapsöl in der chemischen und pharmazeutischen Industrie verwendet und dient als Grundstoff für Materialien wie Farben, Bio-Kunststoffe, Kaltschaum, Weichmacher und Tenside.

Als Nebenprodukt der Rapsölgewinnung in Ölmühlen fallen je nach Verarbeitungsmethode rund zwei Drittel der Rapssaatmasse als Pressrückstand in Form von Rapskuchen, Rapsexpeller oder Rapsextraktionsschrot an, das vor allem als eiweißreiches Tierfutter Verwendung findet und Sojaschrot teilweise ersetzt. Glycerin, ein Bestandteil des Öls, das als Nebenprodukt der Biodieselproduktion anfällt, findet ebenfalls Verwendung in der Futtermittelindustrie, zunehmend aber auch in der chemischen Industrie sowie als Energieträger. Das bei der Ernte anfallende Rapsstroh verbleibt in der Regel als Humus- und Nährstofflieferant auf dem Feld, kann aber grundsätzlich auch energetisch genutzt werden.

Für die Honigproduktion haben Rapskulturen große Bedeutung. Rapsblüten sind unter anderem in Deutschland eine der wichtigsten Nektarquellen für Honigbienen.

Standort: Die Ansprüche von Raps an den Boden sind denen des Weizens vergleichbar. Raps benötigt tiefgründigen Boden, der eine ungehinderte Wurzelentwicklung bis unterhalb des Bearbeitungshorizonts ermöglicht. Tiefgründige Lehmböden mit ph-Werten um 6,5 sind für den Anbau besonders geeignet. Ungeeignete Standorte für Raps sind sehr tonige Böden mit starker Neigung zu Staunässe wegen Einschränkungen bei der Bodenbearbeitung sowie extrem leichte oder flachgründige Böden, bei denen Trockenperioden die Ertragssicherheit verringern. Bei Moorböden mit Spätfrostgefahr kann es bei Winterrapsanbau zur Schädigung der Blüte, zum Platzen der Pflanzenstängel oder auch zum Auffrieren des Bestandes mit Totalschäden kommen.

Raps besitzt nur eine begrenzte Frosthärte bis zu etwa 15°C bis 20°C bei schneefreiem Boden. Verändert sich die Bodenstruktur durch Frosteinwirkung (Auffrieren), so können zudem Wurzeln abreißen. Warme Mittagstemperaturen bei beginnender Atmung der Pflanzen gegen Winterende können zum Vertrocknen führen, da die Wurzeln bei noch gefrorenem Boden nicht genügend Wasser aufnehmen können.

Fruchtfolge: Raps ist nicht selbstverträglich, das heißt, dass man nach dem Anbau das Feld drei bis vier Jahre nicht mehr mit Raps bepflanzen soll, um ein vermehrtes Auftreten spezifischer Pflanzenkrankheiten und -schädlinge zu vermeiden. Raps kann daher einen Anteil von höchstens 25 bis 33 Prozent in der Fruchtfolge einnehmen, um Mindererträge beziehungsweise verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden. Auch vor dem Anbau verwandter Kulturpflanzen nach Raps sind Anbaupausen nötig, so bei Beta-Rüben wegen Rübennematoden sowie bei Kohl- und Stoppelrüben wegen Kohlhernie.

Der Wert von Raps für die Fruchtfolge ist vor allem in getreidebetonten Fruchtfolgen hoch. Die Blattfrucht Raps gilt hier als wichtiges Fruchtfolgeglied, das die Strukturbildung und biologische Aktivität des Bodens fördert. Der Humusaufbau wird gefördert, da ein großer Teil der erzeugten Biomasse (Wurzeln, Stroh) nach der Ernte auf dem Feld bleibt. Bei der Umsetzung der Biomasse aus Ernterückständen werden noch im Herbst erhebliche Mengen an Stickstoff für Folgefrüchte verfügbar. Vor allem Sommerraps sorgt mit einer guten Durchwurzelung des Bodens für dessen gute Durchlüftung und Sauerstoffversorgung. Winterraps kann von Vorfrüchten freigesetzte Stickstoffmengen noch im Herbst aufnehmen. Nach der Ernte im Boden verbliebene Rapssaat bleibt für bis zu 20 Jahre keimfähig und kann bei Auswuchs für die Nachfrüchte störend sein.

Eingetragen am 19.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 10:57:14