Stoppelrübe

Brassica rapa

Habitus: Die Rübe besteht aus der Wurzel und dem unteren Stengelanteil. Die Stoppelrübe ist zweijährig. Ihre Höhe ist 40 - 80 cm

Blätter: Auf der Rübe sitzt eine aufrechte Rosette von fiederspaltigen, kurz und dünn behaarten Blättern. Die Blätter sind bis auf den Mittelnerv fiederteilig, der Endabschnitt ist größer als die Seitenabschnitte. Sie sind bläulich bereift, die oberen umfassen den Stengel herzförmig.

Blüten: Die gelben Blüten stehen in mäßig reichblütigen, meist doldig eingeebneten Trauben an den Enden des Stengels und der Äste. Sie haben einen Durchmesser von 0,8-1,2 cm und bestehen aus 4 rundlichen, keilig in den Stiel verschmälerten Blütenblättern. Die 4 Kelchblätter stehen fast waagerecht ab.

Frucht: Die Frucht ist eine kahle, etwas abgeflachte Schote von 4-6,5 cm Länge und 2-3 mm Dicke.

Blütezeit: April bis September.

Standort

Kultiviert als Öl- und Futterpflanze, häufig verwildert, auf Schuttstellen und Äckern collin bis montan.

Allgemeine Verbreitung

In Europa, Vorderasien bis Pakistan, Nordchina und Mittelasien angebaut.

Geschichte: Lange Zeit sprechen die Naturgeschichten und Kräuterbücher der Alten nur unspezifisch und allgemein von Rüben. Dioskorides schreibt, dass Rüben, gekocht als Gemüse oder in Salzwasser eingelegt gegessen, Blähungen hervorrufen und wenig Nahrung geben. Er nennt als weiteren Namen für die Rüben die griechische Bezeichnung gongyle und meint das bedeutungsgleich zu rapum, denn er unterscheidet dadurch nicht verschiedene Pflanzen, geschweige denn, dass er damit auch nur im entferntesten die Varietät gongylodes, unseren heutigen Kohlrabi, gemeint hat. Nach der Abbildung, die er der Beschreibung beigibt, könnte es sich aber der Form der Blätter und der Rübe nach doch um die Stoppelrübe handeln. Allerdings variieren die Formen der Rüben sehr, diese sind bei den heutigen Sorten sehr unterschiedlich von langgestreckt bis rund oder plattrund, von weiß- bis gelbfleischig, rotköpfig oder rotrindig. Der hier wiedergegebene Holzschnitt ist praktisch identisch mit der Abbildung bei Dioskorides und stammt aus dem Kräuterbuch von 1532 des Otto Brunfels.

Heutige Bedeutung und Verwendung: Als besonderes Gemüse und Spezialität unter den Stoppelrüben oder Rübsen, wozu neben Mai- und Herbstrüben auch der im Norden Deutschlands beliebte Stielmus zu zählen ist, gelten die Teltower Rübchen (Brassica rapa ssp. rapa forma teltowiensis), eine nur daumengroße Zwergform, die Jahrhunderte lang nur südlich von Berlin im Sandboden der Mark Brandenburg kultiviert und wegen ihres eigenartigen Geschmacks unter Feinschmeckern immer schon geschätzt wurde. Sie enthalten weniger Wasser als die anderen Rübsensorten, dafür relativ viel Zucker, Stärkemehl und bis zu 3 % Eiweiß. Sie werden heute im Raum Berlin kaum noch gepflanzt und kommen aus Norddeutschland insbesondere den Vierlanden bei Hamburg. Teltower Rübchen haben eine lange Tradition und galten als Delikatesse. Goethe ließ sie sich per Eilboten von Freunden aus Berlin nach Weimar schicken. Sogar der Feinschmecker und Justizminister Napoleons Cambacérès servierte die feinen Rübchen auf seiner Festtafel. Sie können in gesalzenem Wasser gekocht und in einer Soße aus Butter, Mehl, Gemüsewasser und Milch zubereitet werden. Gewürzt wird diese mit Salz, weißem Pfeffer und wenig Muskatnuss.

Ein anderes Rezept ist:

  •  800 g Teltower Rübchen
  •  40 g Butter oder Margarine
  •  20 g Zucker
  •  1/8 l heiße Fleischbrühe aus Würfeln
  •   Salz, weißer Pfeffer
  •  1 Teel. Speisestärke
  •  1 Bund  Petersilie

Rübchen waschen, schälen, abtropfen lassen und in feine Scheiben oder 2 cm große Würfel schneiden. Butter oder Margarine im Topf schmelzen, Zucker einrühren und 2 Min. goldbraun anrösten. Rübchen dazugeben und 5 Min. leicht bräunen. Heiße Fleischbrühe angießen, salzen und pfeffern. Dann bei schwacher Hitze zugedeckt 45 Min. dünsten. Speisestärke in einem Becher mit sehr wenig Wasser glattrühren. Den Gemüsefond damit binden und einmal kurz aufkochen lassen. Evtl. mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Die Teltower Rübchen in eine vorgewärmte Schüssel geben, mit feingehackter Petersilie bestreuen und servieren.

Kultivierung und Züchtung: Als Stammpflanze des Rübsens gilt der Feldkohl (Brassica campestris), ein in Europa und Asien weit verbreitetes Wildkraut. Wahrscheinlich wurde Rübsen erstmals im Mittelalter in Europa in Kultur genommen. Er wächst niedriger als Raps und liefert einen geringeren Kornertrag mit weniger Ölgehalt. Winterfeste Rübsensorten wurden für jene Gebiete gezüchtet, in denen die Überwinterung des Rapses nicht mehr zufriedenstellend ist, oder die Rapsaussaat zu spät sein würde.

Zuchtziele: Die Zuchtziele entsprechen im wesentlichen denen des Rapses. Einen Schwerpunkt bildet die Schaffung von blatt- und nährstoffreichen Grünfuttersorten.

Eingetragen am 19.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 10:57:55