Rettich

Raphanus sativus

Habitus: Es handelt sich um eine ein- bis zweijährige Pflanze, die 30 bis 100 Zentimeter hoch wird.

Blätter: Die Blätter sind gezähnt, fiederspaltig oder gefiedert, jedoch sind die Fiedern nicht bis zur Rhachis getrennt. Die Stengelblätter sind nicht stengelumfassend.

Blüten: Die Pflanze hat violette oder weiße, dunkel geäderten Blüte, die sich im zweiten Jahr entwickeln, Sie stehen in lockeren Trauben am Ende des Stengels und haben einen Durchmesser von 1-2 cm.   

Frucht: Die Frucht ist eine kurze, gedunsene Schote, die nicht oder nur leicht perlschnurartig gegliedert ist. Diese haben im Gegensatz zu Raps oder Kohl zwischen den Samen noch quer verlaufende Kammerwände (sog. Gliederschote). Bei Reife bleibt die Frucht geschlossen.

Blütezeit: Mai bis Juni.

Standort

Die Art kommt nur in Kultur vor. Beansprucht nährstoffreiche, tiefgründige Böden und regelmäßige Wasserversorgung.

Allgemeine Verbreitung

In den gemäßigten Zonen aller Erdteile angebaut.

Geschichte: Die Abstammung des Garten-Rettichs von einer Wildart ist nicht eindeutig geklärt. Als wahrscheinliche Stammform gilt der Strand-Rettich (Raphanus maritimum). Aus dieser Art, die im östlichen Mittelmeer heimisch ist, dürften eventuell auch unter Einkreuzung weiterer Arten oder Unterarten, nach und nach die heutigen Formen entstanden sein, Berichte Herodots über die Nennung des Rettichs in Inschriften der Cheops-Pyramide sind nicht glaubwürdig.

Aus dem Altertum gibt es schriftliche Aufzeichnungen: Theophrast kennt bereits verschiedene Sorten, Plinius der Ältere nennt auch die Nutzung des Ölrettichs in Ägypten und kindsgroße Rettiche in Germanien. Die älteste erhaltene Abbildung ist aus dem Codex des Dioskorides (um 500). Im Mittelalter wird er auch in Deutschland erwähnt, bei Hildegard von Bingen heißt er retich, Albertus Magnus nennt ihn radix. In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts ist er fast immer abgebildet. Abgebildet sind die länglichen Rettiche und die Blüten mit den zugespitzten Gliederschoten. Deren Knollen ähnelten den Heute noch angebauten Eiszapfen.

Hildegard von Bingen und ihre Erfahrungen mit der Pflanze Rettich: "Der Rettich ist mehr warm als kalt. Aber nachdem er ausgegraben ist, soll man ihn unter der Erde an einem feuchten Ort für zwei oder drei Tage ausgegraben liegen lassen, damit sein Grün gemäßigt werde, auf dass es um so besser sei zu essen. Und gegessen reinigt er das Gehirn und vermindert die schädlichen Säfte der Eingeweide. Denn wenn ein starker und fetter Mensch Rettich ißt, heilt er ihn und reinigt ihn innerlich. Den Kranken aber und den am Körper Mageren schädigt er. Aber wenn ein Kranker ihn essen will, soll er ihn zuvor auf einem erhitzten Stein trocknen und pulverisieren, und diesem Pulver gebe er helles oder gebratenes Salz bei sowie Fenchel-Samen, und so esse er ihn mit Brot, und seinen Unrat reinigt er innerlich und kräftigt ihn.

Man pulverisiere Rettich und  koche Honig mit Wein und schütte dieses Pulver hinein, und etwas abgekühlt trinke es nach dem Essen und nüchtern, und dieses Pulver wird ihn vom Schleim reinigen, und der Honig bewirkt, dass er nicht mager wird. Dass man ihn nach dem Essen wirken spürt, kommt daher, dass er die üblen Säfte und den Unrat aus dem Menschen austreibt. Wer aber Rettich ißt, der esse nachher Galgant, und dies unterdrückt den Gestank des Atems, und so schadet er dem Menschen nicht."

Eingetragen am 17.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:01:37