Schwertlilie, deutsche

Iris germanica

Habitus: Die etwa 30 cm bis 1m hohe Staude überdauert mit kurzem, rundlichen Wurzelstock (Rhizom), der meist von den Resten älterer Blätter umgeben ist. Die Jaherestriebe des ästigen Rhizoms werden bis 5cm lang und 3cm dick. Da sich das Rhizom im allgemeinen nach allen Seiten ausbreitet, liegt der ältere absterbende Teil, nach innen und bildet daher später im Rasen eine Blöße. Die kräftigen Stengel überragen die Blätter, sie sind etwa von der Mitte an verzweigt.

Blätter: Die graugrünen Laubblätter haben zweizeilige Anordnung, sind breit schwertförmig und gewöhnlich sichelförmig gebogen. Vorn sind sie zugespitzt oder in eine kurze Spitze verschmälert. Die nicht blühenden Triebe tragen nur wenige Schneiden und Blätter.

Blüten: Von den 3 bis 5 violetten bis blauen Blüten sind die unteren lang und die oberen kurzstielig. Die Blütenhülle besitzt gleichartige Glieder (Perigonblätter), daher lassen sich nicht Kelch- und Kronenblätter unterscheiden. Die 3 äußeren Perigonabschnitte sind zurückgeschlagen und die 3 inneren, etwas kürzeren, stehen aufrecht und neigen sich oben zusammen. Die 3 äußeren, etwas dunkleren Perigonabschnitte sind verkehrt eiförmig und haben im unteren Teil oben einen gelben Bart, der aus mehrzelligen Papillen besteht. Am Grund sind sie gelblich weiß und von breiten, dunklen Adern durchzogen. Die inneren Perigonabschnitte sind heller, 8cm bis 10cm lang, rundlich-verkehrt-eiförmig und plötzlich in den Nagel verschmälert. Die am Grund fadenförmigen Griffel tragen am Ende 3 sehr große, blumenblattartige, an der Spitz zweilippige Griffeläste. Die kleinere, ausgerandete Unterlippe trägt auf der Oberseite die Narbenpapillen. Unter den Griffelästen liegen die Staubbeutel. Sie sind so lang wie die Staubfäden. Die dreifächrige, fachspaltige Fruchtkapsel ist vielsamig.

Blütezeit: Mai bis Juli.

Standort

Auf kalkhaltigen, nährstoffreichen Böden in klimatisch begünstigten Lagen, insbesondere Weinbergen des Mittelmeergebietes. Bei uns nur als Gartenzierpflanze oder daraus verwildert.

Allgemeine Verbreitung

Stammt aus dem Mittelmeergebiet und ist bei uns sehr selten verwildert.

Geschichte: "In summa / die Violwurtz ist zu vielen Dingen gut", so resümiert Dioskurides die "innerliche Krafft" und das "äusserlich Vermögen" dieser Pflanze, die er an den Anfang des ersten Buchs "Von den Wolriechenden Kräutern / Gewürzen / allerley Oelen unnd Salben / viel unnd mancherley Bäumen / und was an denselbigen wächst / und herauß zufliessen pflegt" seines "in siben sonderbare Bücher underschieden" Kräuterbuchs stellt. Sie steht auch in der Pflanzenliste des 70. Kapitels des Capitulare an erster Stelle, was kein Zufall ist, wenn man weiß, dass nach der Bibel das Kräuterbuch des Dioskurides das meist gelesene Buch des Mittelalters war und es als Vorlage für die Pflanzenliste des Capitulare diente.

Iris bedeutet Regenbogen, weil die Farben der Blüten sich dem Regenbogen vergleichen lassen. Der Name Violwurtz erklärt sich aus der Verwendung, denn man nutzte die in feine Scheiben geschnittenen, getrockneten Wurzelsprosse, die mit zunehmendem Alter einen feinen Veilchenduft verströmen. Verantwortlich hierfür ist das darin enthaltene ätherische Öl, das in der Antike zur Würze des Weins oder zur Beseitigung üblen Mund- und Schweißgeruches diente. Theophrast und Plinius loben als allerbeste und gehaltvollste Pflanzen die in Illyrien und Macedonien wachsenden, nach Dioskurides folgen dann die aus Afrika stammenden. Innerlich wirkt sie schleimlösend, harntreibend, (frisch verwendet) abführend und gegen Husten, Katarrh sowie Durchfall, mit Honig genossen nimmt sie einem verderbenbringendem Mittel die Kraft äußerlich bei tiefen Wunden und Geschwüren, die sei mit neuem Fleisch füllt. Dioskurides beschreibt, dass sie in reiner Form gestoßen und mit Honig vermischt als Mittel zur Abtreibung oder als Bestandteil "der Frawen Zäpfflin", die in der Antike als Pessar dienten, verwendet wurde. Gekocht und als Pflaster aufgelegt erweicht sie die Drüsen und alte Verhärtungen. Mit Essig und Rosensalbe aufgestrichen wirkt sie wohltuend und lindernd bei Kopfschmerzen. Noch bis in unsere Zeit hat man die entrindete und getrocknete (Spross-)Wurzel zahnenden Kindern zum Beißen gegeben. Die Schwertlilien sind die Pflanzen der griechischen Götterbotin Iris, deren Aufgabe es war, die Seelen der Sterblichen entlang der Bahn des glänzenden Regenbogens in das Land des ewigen Friedens zu geleiten. Noch heute schmückt man im Orient die Gräber von Verstorbenen mit weißen oder blauen Schwertlilien. Als Überbringerin göttlicher Botschaften wurde die Iris in der christlichen Symbolik zur Blume der Verkündigung. Die wichtigste Aussage dieser Symbolik ist aber der Regenbogen selbst als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen und als Zeichen der Versöhnung nach der großen Sintflut, denn das erste, was Noah sah, zusammen mit der Taube, die den Ölzweig brachte, war der Regenbogen.

Eingetragen am 11.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:18:37