Schwertlilie, sibirische

Iris sibirica

Habitus: Bis 100 cm hoch werdende, mehrjährige Pflanze.

Blätter: Sie hat lange, spitze, lanzettliche, schwertförmige Stengel unfassende Laubblätter, die sich im Herbst bronze- oder orangefarben verfärben.

Blüten: Die kräftig violettblauen Blüten mit dem für Schwertlilien typischen Aufbau (die drei äußeren Blütenhüllblätter sind nach außen gebogen, die drei inneren Blütenhüllblätter stehen aufrecht). Die Blüten zeigen eine starke Äderung.

Frucht: Der obere Teil des Fruchtknotens ist fruchtbar, die Frucht ist daher nicht geschnäbelt, die Samen sind abgeflacht.

Blütezeit: Mai bis Juni.

Standort

Bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze, die kühl und luftfeucht sind, gedeiht am besten auf einem frischen bis feuchten Boden, der nährstoffreich und lehmig ist. Auf Sumpfwiesen bildet diese Sumpfpflanze gelegentlich ausgedehnte Bestände aus.

Allgemeine Verbreitung

Mittel- und Osteuropa, Südskandinavien, nördlicher Balkan, Sibirien, Kaukasus, Iran.

Heilpflanze: Der Wurzelstock (auch Veilchenwurzel genannt) enthält u. a. Stärke, ätherisches Öl, Gerbstoff und das sogenannte, nach Veilchen duftende Iridin, welches harntreibend wirkt. Der Wurzelstock wird zermahlen oder gepulvert in Hustentees, diversen Pudern und Zahnpulvern verwendet. Bereits im Altertum gab man zahnenden Säuglingen Wurzelstücke zum Beißen. Wegen mangelnder Hygiene ist diese Verwendung aber aus der Mode gekommen. Im Mittelalter behandelte man mit der Lilie Prellungen jeder Art. In der U.S. Pharmacopoeia war die Schwertlilie als Brech- und Abführmittel verzeichnet. Sie findet heute eine breitere medizinische Anwendung wie bei Asthma, Bronchitis, Husten Brechreiz, Ekelgefühl, Blähungen und Kreislaufschwäche. Sie dient als Zusatz in Zahnpflegemitteln und Mitteln gegen Mundgeruch. In der Kosmetik und Parfümindustrie dient sie in Pudern als Fixativ. Wegen seines veilchenartigen Geruchs findet das ätherische Öl vielfache Verwendung: als Zusatz zu Likören (Benediktiner, Danziger Goldwasser, Cordial Medoc) und zum Aromatisieren von Weinen und Tabaken.

Geschichte: "In summa / die Violwurtz ist zu vielen Dingen gut", so resümiert Dioskurides die "innerliche Krafft" und das "äusserlich Vermögen" dieser Pflanze, die er an den Anfang des ersten Buchs "Von den Wolriechenden Kräutern / Gewürzen / allerley Oelen unnd Salben / viel unnd mancherley Bäumen / und was an denselbigen wächst / und herauß zufliessen pflegt" seines "in siben sonderbare Bücher underschieden" Kräuterbuchs stellt. Sie steht auch in der Pflanzenliste des 70. Kapitels des Capitulare an erster Stelle, was kein Zufall ist, wenn man weiß, dass nach der Bibel das Kräuterbuch des Dioskurides das meist gelesene Buch des Mittelalters war und es als Vorlage für die Pflanzenliste des Capitulare diente. Iris bedeutet Regenbogen, weil die Farben der Blüten sich dem Regenbogen vergleichen lassen. Der Name Violwurtz erklärt sich aus der Verwendung, denn man nutzte die in feine Scheiben geschnittenen, getrockneten Wurzelsprosse, die mit zunehmendem Alter einen feinen Veilchenduft verströmen. Verantwortlich hierfür ist das darin enthaltene ätherische Öl, das in der Antike zur Würze des Weins oder zur Beseitigung üblen Mund- und Schweißgeruches diente. Theophrast und Plinius loben als allerbeste und gehaltvollste Pflanzen die in Illyrien und Macedonien wachsenden, nach Dioskurides folgen dann die aus Afrika stammenden. Innerlich wirkt sie schleimlösend, harntreibend, (frisch verwendet) abführend und gegen Husten, Katarrh sowie Durchfall, mit Honig genossen nimmt sie einem verderbenbringendem Mittel die Kraft äußerlich bei tiefen Wunden und Geschwüren, die sei mit neuem Fleisch füllt. Dioskurides beschreibt, dass sie in reiner Form gestoßen und mit Honig vermischt als Mittel zur Abtreibung oder als Bestandteil "der Frawen Zäpfflin", die in der Antike als Pessar dienten, verwendet wurde. Gekocht und als Pflaster aufgelegt erweicht sie die Drüsen und alte Verhärtungen. Mit Essig und Rosensalbe aufgestrichen wirkt sie wohltuend und lindernd bei Kopfschmerzen. Noch bis in unsere Zeit hat man die entrindete und getrocknete (Spross-)Wurzel zahnenden Kindern zum Beißen gegeben. Die Schwertlilien sind die Pflanzen der griechischen Götterbotin Iris, deren Aufgabe es war, die Seelen der Sterblichen entlang der Bahn des glänzenden Regenbogens in das Land des ewigen Friedens zu geleiten. Noch heute schmückt man im Orient die Gräber von Verstorbenen mit weißen oder blauen Schwertlilien. Als Überbringerin göttlicher Botschaften wurde die Iris in der christlichen Symbolik zur Blume der Verkündigung. Die wichtigste Aussage dieser Symbolik ist aber der Regenbogen selbst als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen und als Zeichen der Versöhnung nach der großen Sintflut, denn das erste, was Noah sah, zusammen mit der Taube, die den Ölzweig brachte, war der Regenbogen.

Verwendung im Garten: An feuchten bis frischen, sonnigen, nicht zu sauren Standorten. Für Gartenteiche, Sumpfzonen und Feuchtwiesen geeignet. Verträgt auch kurze Sommertrockenheit. Breitet sich nur langsam über das Wurzelrhizom aus und bildet, trotz der zahlreichen Samen nur wenig junge Sämlinge. Sehr schöne und mittlerweile kostbare Sommerblume. Wichtig für Wildpflanzengärten. Schöne und dauerhafte Schnittblume für Wildblumensträuße.

Aus der Vergangenheit: Die Iris ist eine vielgestaltige, außergewöhnliche und vor allem schöne Pflanzengattung, die schon sehr früh das Interesse der Menschen auf sich gezogen hat. Die Fresken im minoischen Tempel Knossos auf Kreta dürften wohl die ältesten noch erhaltenen Irisdarstellungen sein und stammen aus der Zeit um 1500 v. Chr. In allen Kulturen finden wir die Iris in einer symbolischen Sonderstellung unter den Blumen. Im alten Ägypten symbolisiert sie die Beredsamkeit, in der mohammedanischen (islamischen) Kultur ist sie ein Zeichen des Wohlstandes, der dadurch auch den Toten wieder zuteil kommen soll, indem man sie auf Gräbern anpflanzt. Vielleicht liegt darin der Grund, weshalb man auch heute noch sehr oft Iris albicans im Mittelmeerraum auf und um Friedhöfe antrifft. Iris albicans stammt ursprünglich aus Saudi-Arabien und wurde vermutlich durch die Sarazenen im Mittelmeergebiet verbreitet. Iris auf Friedhöfen, in Kirchen, Klöstern oder Tempeln, ergeben ein besonderes symbolisches Bild, denn Iris ist die Götterbotin, die die Seelen der verstorbenen Menschen auf der Bahn des Regenbogens, in das Reich des ewigen Friedens begleitete. Durch Mönche und Kreuzritter fand die Bartiris den Weg über die Alpen in den Norden und wurde von da an bei uns in Gärten, vor allem in Klostergärten kultiviert.

Eingetragen am 11.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:20:10