Aloe, echte Aloe

Aloe vera

Habitus: Die Pflanze wächst stammlos oder mit kurzen Stämmen, ist sprossend und bildet dichte Gruppen. Der Stamm erreicht einen Umfang bis zu 30 Zentimeter.

Blätter: Die etwa 1 lanzettlich-verjüngten Laubblätter sind dicht rosettig am Stamm angeordnet. Ihre 40 bis 50 Zentimeter lange und 6 bis 7 Zentimeter breite Blattspreite ist graugrün und manchmal rötlich überhaucht. Die Blattoberfläche ist glatt. An den leicht rosafarbenen Rändern befinden sich im Abstand von 10 bis 20 Millimetern etwa 2 Millimeter lange, feste bleiche Zähne. Der Blattsaft ist trocken gelb.

Blüten: Der einfache oder ein- bis zweimal verzweigte Blütenstand ist 60 bis 90 Zentimeter lang und trägt zylindrisch spitz zulaufende Trauben von 30 bis 40 Zentimeter Länge und 5 bis 6 Zentimeter Breite. Die eiförmig-spitzen, zurückgeschlagenen Tragblätter sind 10 Millimeter lang und 3 bis 5 Millimeter breit. Die roten Blüten sitzen an etwa 5 Millimeter langen Blütenstielen. Die etwa 28 bis 30 mm langen Blüten sind leicht bauchig. An der Basis sind sie gerundet, über dem Fruchtknoten erweitert und an der Mündung verengt. Ihre Tepalen sind auf einer Länge von 18 Millimetern frei. Die Staubblätter ragen etwa 5 Millimeter aus der Blüte heraus.

Blütezeit: Januar bis Dezember.

Standort

An trockenheißen Standorten.

Allgemeine Verbreitung

Kulturpflanze, Heimat: Südafrika.

Geschichte: Die ersten Rezepturen zur Anwendung von Aloe fand man auf sumerischen Tontafeln, geschrieben in Keilschrift um 1700 v. Chr. Diese Tafeln, die in der Nähe der Stadt Nippur (Irak) gefunden wurden, gehören zu den ältesten Dokumenten pharmazeutischbotanischen Wissens. Viele weitere Überlieferungen zeigen uns, daß Aloe auch Jahrhunderte später immer noch als Arzneipflanze geschätzt wurde. Beschrieben wurde sie zum. Beispiel 1552 v. Chr. im "Papyrus Ebers", 78 n. Chr. in Dioscorides' "De Materia Medica", 512 n. Chr. im "Codex Aniciae Julianae" (erste Illustration einer Aloepflanze), und im 16. Jh. bei Paracelsus und Leonhart Fuchs. Aloë soll aus dem arabischen Alloeh, hebräischen halal (glänzend, bitter) abstammen. Selbst Alexander der Große hat die Wirkung der Aloë Socotrina (nach der Insel Sokotra benannt) erkannt. Damit trieb man eifrig Handel.

Bei Kaiser Otto dem II. ging es daneben: Er bekam nach 16 g Aloë eine tödlich endende hämorrhagische Darmentzündung. Weitere Aloë-Sorten sind: Cap-Aloë, Socotra-Aloë, Natal-Aloë, indische Aloë, Curacao-Aloë und Ross-Aloë. Die im alten Testament erwähnte Aloe hat mit dem Aloesaft nichts gemein. Es wurde aus der Holzrinde einer indischen Pflanze (Aquilaria agallocha)gewonnen. Die Tamilen bezeichneten es als Aghil. 

Heilwirkung: Art der Zubereitung, Applikationsform und Anwendungsgebiete waren vielfältig. Frische oder getrocknete Blätter, gepreßter Saft, getrockneter und gepulverter Saft wurden mit Wasser, Wein, Essig oder Honig aufgegossen verabreicht. Die angegebenen Indikationen reichten von Haarausfall und Kopfschmerzen über Gallenleiden, Verstopfung, Würmer und Hämorrhoiden bis hin zu Verbrennungen und Geschwüren die Wirkung auf die Wundheilung wurde besonders hervorgehoben.

Aloe vera ist in Ostafrika, Südarabien, auf den Kanarischen und Kapverdischen Inseln und im Mittelmeergebiet heimisch. Kultiviert wird sie auch in Venezuela, auf den Kleinen Antillen und neuerdings in Florida. Da die Droge über Curagao (Karibik) exportiert wurde, erhielt sie den Handelsnamen "Curagao-Aloe". Aloe gehört zu den starken AnthraceenDrogen. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind also Anthrachinone. Die Blätter werden abgeschnitten und übereinander am Rand einer Grube, die mit einer Ziegenhaut oder Segeltuch ausgelegt ist, aufgeschichtet. Durch den Anschnitt entleeren die dünnwandigen Exkretzellen ihren Inhalt. Sodann platzen die darüberliegenden Zellen, bis alle Exkretzellen des Blattes leer sind. So fließen ohne zusätzlichen Preßdruck pro Blatt etwa 5 bis 10 ml Saft aus, eine im Pflanzenreich seltene Erscheinung. Der gesammelte Saft kann dann auf zweierlei Weise weiterverarbeitet werden. Entweder man läßt ihn an der Sonne eindicken und erhält eine braune, matt aussehende, harte Masse, die sogenannte "Hepatica-Ware", oder man erhitzt den Saft in Kupferkesseln stundenlang über offenem Feuer, das entstehende Produkt ist die dunkelbraune und durchscheinende "Lucida-Ware". Zerkleinert erinnert es an Kandiszucker, schmeckt aber unangenehm bitter.

Wie die anderen Anthraceen-Drogen ist Aloe ein Abführmittel, stärker wirksam allerdings, da die Anthrachinone in weit höherer Konzentration vorliegen. Daher müssen auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen besonders gewissenhaft beachtet werden. Auf keinen Fall darf Aloe in der Schwangerschaft oder über längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden.

In den bei uns erhältlichen Handelspräparaten, meist Extrakte oder Dragees, wird Aloe fast immer mit anderen Drogen kombiniert. In weitaus geringerer Konzentration ist Aloe wegen seines bitteren Geschmakkes gelegentlich auch Bestandteil verdauungsfördernder Bittermittel. Wohl aus Stabilitätsgründen war bei uns lange Zeit nur der getrocknete Blattsaft bekannt. Seit einigen Jahren gibt es AloeGel-Präparate als Brand- und Wundsalben, vor allem aber als Kosmetika im Handel.

Aloe-Gel ist nicht der spontan austretende Blattsaft, sondern eine klare viskose Masse, die nach einem anderen Verfahren aus dem Blattgewebe gewonnen wird. Angeregt durch die volksmedizinischen Verwendungen hatten Wissenschaftler frische Aloeblätter untersucht und konnten nachweisen, daß die Heilungstendenz verletzter Haut bei Geschwüren, Verbrennungen oder mechanischer Verletzung deutlich zunahm. Ursache könnten antibakterielle und entzündungswidrige Eigenschaften sowie die bewiesene Verbesserung der Regenerationsfähigkeit der Zellen sein. Bis jetzt ist jedoch unklar, ob durch die herkömmlichen Verarbeitungsmethoden diese Wirkung der frischen Blätter erhalten bleibt.

 
 

 

Eingetragen am 05.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:21:14