Fenchel

Foenículum vulgáre

Habitus: Der Fenchel ist eine ausdauernde, zweijährige, bis 2 m hohe Pflanze. Sie hat eine spindelförmige, fleischige Wurzel. Der Stengel ist stielrund, fein gerillt und markig. Die ganze Pflanze ist blaßgrün bereift.

Blätter: Die Blätter stehen grundsätzlich wechselständig, wobei die Knoten unten enger aufeinander folgen als im oberen Teil des Stängels. Die grundständigen Blätter umfassen mit ihren basalen Blattscheiden zwiebelartig den spindelförmigen Spross. Beim Gemüsefenchel verdicken sich diese, werden fleischig und bilden eine bis 10 cm dicke und etwa 15 cm lange Zwiebel. Die grundständigen Blätter sind 2-3 fach gefiedert mit fein zerteilten, 3-7 cm langen und kaum 1 mm breiten Zipfeln. Der Fiedergrad und die Länge der Zipfel nimmt bei den oberen Blättern kontinuierlich ab.

Blüten: An den Enden der Haupt- und Seitentriebe stehen 4-20 Dolden. Diese setzen sich aus Teilblütenständen 1. und 2. Ordnung zusammen. Die Hüllblätter der Dolden 1. Ordnung und sogenannte Hüllchenblätter der Dolden 2. Ordnung fehlen. Die Dolden bilden keinen gleichmäßig geformten Schirm, sondern wegen unterschiedlicher Längen der Doldenstrahlen überdecken sie sich gegenseitig in mehreren Etagen. Die im Durchmesser 2,5 mm großen Blüten sind gelb und besitzen fünf breit-eiförmige bis rundliche Kronblätter. Die zweisamigen Spaltfrüchte sind 0,5-1 cm lang und im Durchmesser um 2 mm von ovalem bis rundlichem Querschnitt. Der Länge nach ziehen sich über die Samen die sogenannten Ölstriemen, Drüsengänge in der Schale der Samen, die etherisches Öl enthalten.

Blütezeit: Juli bis August.

Standort

Fenchel benötigt trockenen, nährstoffreichen Lehm- oder Lößboden in Lagen mit sommerwarmem Klima. Als Gewürz- und Gemüsepflanze verwildert er gelegentlich und ist dann selten und unbeständig auf gartennahem Ödland anzutreffen.

Allgemeine Verbreitung

Stammt wahrscheinlich aus dem östlichen Mittelmeerraum. Die heute in mehrere Varietäten gegliederte Art ist von Südeuropa bis Westasien heimisch und wird in mehreren Kultursorten weithin angebaut.

Geschichtliches: Der Fenchel ist dank seines angenehmen Geschmacks und Geruches schon im Altertum als Heil- und Gewürzpflanze überall bekannt gewesen. Ihm entspricht das marathron des Theophrast und des Dioskurides, sowie das foeniculum des Columella und das foeniculum des Plinius. Kraut und Früchte befördern nach Dioskurides die Milchabsonderung, die Wurzel fein zerstoßen und mit Milch getrunken heile den Biß des tollen Hundes, die Abkochung des Blütenstengels sei für Blasen- und Nierenleiden zuträglich, mit Wein getrunken sei der Blütenstengel gut gegen Schlangenbiß. - Plinius erzählt die alte Fabel, daß die Schlangen, wenn sie ihre Haut abstreiften, mit Fenchelsaft ihre Augen stärkten und meint, daß auch die Augen der Menschen dadurch gestärkt würden. Scribonius Largus nennt den Fenchelsaft als Bestandteil eines Augenmittels und empfiehlt den Samen zu Kataplasmen bei Podagra. Auch bei den alten Ägyptern, Arabern und Chinesen war der Fenchel bekannt. Im Mittelalter wurde der Fenchel häufig in den Kräuterbüchern erwähnt. So z. B. empfiehlt das Rezeptbuch des Marcellus Empiricus aus Bordeaux (etwa 5. Jahrh. n. Chr.) als Mittel gegen starken Husten, saubere grüne Fenchelwurzel zu zerstoßen und den Saft nüchtern mit altem Wein neun Tage hintereinander auf der Türschwelle zu trinken. Die allgemeine Wertschätzung, deren sich der Fenchel in früheren Zeiten erfreute, wird in folgendem nach Weinmann zitierten Spruch ausgedrückt: "Dem Fieber und dem Gifft kan Fenchel widerstehen, Er macht den Magen rein, und dient recht hell zu sehen."

Äußerlich wird das ätherische Öl gern als Antiparasitikum angewandt und zwar gegen Läuse und Flöhe, hauptsächlich aber gegen Krätzmilben und Hühnerläuse. Das gemahlene Fenchelstroh ist Hauptbestandteil des üblichen Kraftfutters für das Vieh. Wirkung Der Fenchel wird schon von Hippokrates und Paracelsus empfohlen. Von Bock zum innerlichen und äußerlichen Gebrauch bei Augenleiden, gegen Vergiftungen und als milchsekretionsförderndes Mittel geschildert. Die hl. Hildegard verwandte ihn zur Schleimlösung. Nach v. Haller kommt dem Fenchelsamen magen- und darmstärkende und erwärmende, windzerteilende, diuretische, galaktagoge und augenstärkende Kraft zu auch soll Fenchel bei Bauchschmerzen, Kolik, Gastrospasmen, ferner bei Husten und anderen Brust- und Lungenaffektionen dienlich sein. Auch Osiander und Hufeland schätzten ihn. In der Volksmedizin wurde besonders gern vom Fenchel bei Meteorismus kleiner Kinder Gebrauch gemacht, auch bei Bronchialkatarrh findet er Anwendung. Hertwig beobachtete, daß durch regelmäßigen Zusatz von Fenchel zu der Nahrung schwächlicher Kinder, diese sich langsam kräftigten. Andererseits soll der Fenchel einen aufgeschwemmten Organismus allmählich entfetten. Nach Potter wird der Fenchel hauptsächlich als Karminativum, Stomachikum und mildes Stimulans gebraucht. Auch in Frankreich wird die Pflanze, besonders wenn sie frisch ist, als stark wirkendes diuretisches Mittel angesehen. H. Leclerc berichtet von einem gichtischen Offizier, dessen Nierenfunktionen durch die Anstrengungen des Weltkrieges in starkem Maße nachgelassen hatten, und den er mit ausgezeichnetem Erfolge zum Frühstück einige Flaschen vom Infus des frisch geernteten Fenchels trinken ließ. Über die Verwendung in der tschechischen Volksmedizin gibt folgende, von Dostál zusammengestellte Übersicht Auskunft: Nach Veleslavín stärkt Fenchel den Magen, schärft das Auge, unterstützt die Verdauung, regt die Milchdrüsentätigkeit an, heilt die Nieren, die Blase, Milz und Leber. Äußerlich angewendet, stärkt Fenchel die Augen, vertilgt Ohrenwürmer und heilt die Pocken. - Wird der Fenchel den Speisen zugegeben, reinigt er das Auge. Zerstoßen und mit Schweinefett vermengt, reinigt er das Gesicht von Sommersprossen und Mitessern. Alte Leute sollen zur Stärkung der Augen Brot in Wein getränkt und mit Fenchelpulver bestreut, essen. Falls man jeden Tag früh einen Löffel des gezuckerten Fenchels ißt, wird die Sehkraft gestärkt, die Schwindelanfälle verschwinden, die Milch der stillenden Mütter wird vermehrt und verbessert, die Lunge wird gereinigt und die Nierenschmerzen verschwinden. Pulverisierte Samen in Milch gekocht, heilen Kolik- und Krampfanfälle. Ein Dekokt aus Samen wird als Medizin bei Augenerkrankungen genommen. Ferner unterstützt Fenchel die Milchdrüsentätigkeit.

Verwendung in der Volksheilkunde:Fencheltee fördert die Verdauung, wirkt gegen Blähungen, ist harntreibend und hat eine schmerzlindernde Wirkung. Bekannt ist auch seine krampf-und schleimlösende Wirkung bei Husten und Bronchitis. Bei stillenden Müttern regt Fencheltee die Milchbildung an. Fenchelhonig wird als Beruhigungsmittel bei Kleinkindern eingesetzt. Zur Teezubereitung wird der Fenchelsamen kurz aufgekocht bei Erwachsenen benötigt man 2-4 g, bei Kindern 1-1,5 g des Samens.

Fenchel mit Käse überbacken

Fenchel in Scheiben schneiden und in Weißwein und Fleischbrühe mit einer Prise Muskat und Salz 10 Min. kochen. Dann die Brühe mit Speisestärke binden und kräftig abschmecken. Die Fenchelscheiben in eine eingefettete, feuerfeste Form geben. Gehackte Petersilie in die Soße mischen und über den Fenchel geben. Käse mit Butterflöckchen darüber schichten und im vorgeheizten Ofen 20 Min. bei 220 Grad überbacken.

Fenchelsalat mit Schinken

Fenchelknollen in dicke Scheiben schneiden und würfeln und in eine Schüssel geben. Weinessig darüber gießen und mit Salz, Knoblauchsalz und Pfeffer stark würzen. Öl darüber gießen, mischen und in eine saubere Salatschüssel geben. Schinken in Scheiben schneiden und über den Fenchel streuen. Geschälte, entkernte und in Scheiben geschnittene Äpfel darüber schichten. Zum Schluss Mandarinen auflegen. Den Salat servieren und am Tisch mischen. Der Salat kann als Appetitanreger vor dem Essen oder zum Abendbrot gegessen werden.

Eingetragen am 03.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:26:19