Efeu

Hedera helix

Habitus: Der mit Haftwurzeln besetzte, kletternde Strauch erreicht eine Höhe von 3-15 m, teilweise sogar bis zu 50 m.

Blätter:  Die wechselständigen Blätter sind immergrün, ledrig und glänzend. Sie haben eine eiförmig-lanzettliche Form und sind, bis auf die Blätter an den fruchtenden Zweigen, fünflappig.

Blüten: Die Blütenstände sind grünlichgelbe Dolden, die dichte, halbkugelige Trauben bilden. Die Kelchzähne sind kurz, fast dreieckig, weißfilzig, abfallend. Die 5 Kronenblätter sind länglich, am Rande schwach eingerollt und zurückgeschlagen. Es gibt 5 Staubblätter und 1 unterständigen Fruchtknoten mit 5 Fächern. Der Griffel ist zu einer Säule verwachsen. Die Frucht ist eine kugelige, meist 5-fächerige Beere, die erst im nächsten Frühjahr schwarz und reif wird. Sie enthält 3 bis 5 Samen, die unreif rötlichviolett, später dunkelbraun und zuletzt schwarz sind. Sie sind nierenförmig, dreikantig, spitz.

Blütezeit: September - November.

Standort

Die verbreitete Pflanze ist in Laub- und Mischwäldern und an Felsen zu finden. An Bäumen und Mauern klettert sie bis in sehr große Höhen. Als Zierpflanze ist sie in mehreren Variationen zu finden.

Allgemeine Verbreitung

Ganz West-, Süd- und  Mitteleuropa.

Name: Die Herkunft des Namens Efeu ist nicht eindeutig geklärt eine Deutung verweist auf das lateinische Wort ibex für Steinbock, also Kletterer, die sich auch im althochdeutschen Wort ebah widerspiegeln soll. Klar dagegen ist die Herkunft des Gattungsnamens Hedera. Er leitet sich vom griechischen Wort hedra für sitzen ab und bezieht sich damit auf die Haftwurzeln, mit denen die Pflanze Halt (Sitz) findet.

Der lateinische Artname helix heißt windend.

Mystik: Zu Ehren des Wintergottes (Samain) und der Wintergöttin, »der Alten«, schmückten die Inselkelten zur Wintersonnenwendzeit ihre Wohnungen und Heiligtümer mit Mistel, Stechpalme und Efeu. Die schleimigen weißen Beeren der Mistel und die blutroten Beeren der Stechpalme (Ilex aquifolium) versinnbildlichten das Fruchtbarkeitsgeschehen in den »Mutternächten« tief inmitten des Winters: die einen Beeren als das Sperma des Gottes, die anderen als das fruchtbare Menstrualblut der Göttin. Der Efeu, diese vegetabile Schlange, bildete das vermittelnde Dritte. Die Göttin selbst wurde manchmal als Efeuranke dargestellt, die die Gottheit fest umrankt und umklammert. Einige Zeit war das Schmücken mit diesen immergrünen Pflanzen zur Weihnachtszeit als »heidnisch« verboten, ist aber längst wieder Mode. Bei der Getreideernte galt der Efeu als Einte-Maien. Die Schnitter schmückten die zuletzt geerntete Garbe mit Efeukränzen und bezeichneten sie als das Efeumädchen, das Ivy Girl. Sie gehörte dem Bauern, der als Letzter mit dem Schneiden und Binden des Getreides fertig wurde. Dass er sie heimnehmen musste, war weniger eine Auszeichnung als vielmehr Spott und Schmach. Das Ivy Girl bedeutete nichts Gutes, denn es war eigentlich keine andere als die alte Cailleach, die düstere Wintergöttin selbst. Gelegentlich wurde dem Ivy Girl ein Holly Boy (ein Stechpalmenknabe) hinzugesellt. Die Verbindung des Efeus mit der Erdgöttin kommt auch darin zum Ausdruck, dass die Jäger erzählen, dass sich die Wildschweine mit dem Kraut heilen, wenn sie verwundet sind, und dass die Bache, wenn sie junge bekommt, Efeugrün verzehrt, um leichter zu gebären. Diesen Beobachtungen zufolge hängten die Bauern den Hausschweinen einen Efeuzweig um den Hals. Der Efeuzweig schütze die Tiere auch vor Verzauberung, weshalb man auch das Sankt-Antonius-Schwein mit einem Efeukranz um den Hals zum Metzger führte (PFRGER 1864: 25). Das gehört sicherlich in den Bereich ursprünglich keltischer Folklore.

Die mit Cailleach, der Winter- und Eulengöttin, assoziierte Kletterpflanze ist ein treffendes Symbol des Todes oder des Lebens jenseits des Todes. Und auch das blieb in Brauchtum und Überlieferung erhalten. Efeu ist eine Friedhofspflanze, die häufig auf Gräbern gepflanzt wird. Für die Christen wurde sie ein Symbol des Todes und der Auferstehung. Efeukränze werden noch zur Fronleichnamsprozession gebunden. Die eher zwiespältige Haltung der Menschen gegenüber dieser Pflanze kommt auch darin zum Ausdruck, dass es heißt, man solle Efeu nicht mit ins Haus bringen. Es würde Unglück bringen, das Eheglück zerstören oder bewirken, dass die Tochter unverheiratet bleibe. Neben dem Haus gepflanzt, fordert der Efeu alle sieben Jahre ein Todesopfer. Tod und Sexualität bedingen einander. So ist auch verständlich, dass der Efeu klammernde Liebe - im höheren SinneTreue und Freundschaft - symbolisierte. Er wurde wegen seiner verstrickenden, festklammernden Wurzeln zum Liebeszauber benutzt. Wenn ein Mädchen während der Walpurgisnacht einen Kranz aus Efeu aufsetzt, lockt sie damit Liebhaber und Freier herbei (AiGREMONT 1997: 18). In der alten Blumensprache besagt der Efeu: »Ich halte dich fest du entkommst mir nicht.«

Die Angaben, die Marcellus Empiricus zur heilkundlichen Anwendung in der gallischen Volksmedizin macht, unterscheiden sich nicht von jener der Römer. Wie die Römer benutzten die Gallier des 5. Jahrhunderts n. u. Z. Efeukränze als Kopfumgürtung, um die vom starken Weingenuss erhitzte Stirn zu kühlen. Hier kommt sozusagen das homöopathische Prinzip zum Zuge: Das Kraut des Dionysos wird gegen Dionysos verwendet. Marcellus berichtet, dass die Augenärzte aus Efeu Collyrien gegen Augenfluss herstellten.

Die mittelalterliche Volksmedizin benutzte die jungen Efeublätter als nicht unproblematisches Abtreibungsmittel. Die mit Honig bestrichenen Blätter sollen, in die Scheide eingeführt, den Abortus bewirken. Zerstoßene Fruchtdolden sollten, als Zäpfchen angewendet, die Menstruation beschleunigen. Man schrieb der Pflanze eine scharfe, reizende Kraft zu. Ein Absud aus den Dolden soll, nach der Regel getrunken, die Empfängnis verhüten. In der Provence legte man einer verstorbenen Jungfrau als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit Efeublätter auf den Sarg. Und in Bayern benutzte man ein Pulver aus verbrannten Efeuwurzeln als Jungfernprobe. War das Mädchen keine Jungfrau mehr, dann konnte es seinen Urin nicht halten.

Heilwirkung: Heute hat man den Efeu analysiert und in ihm ein Saponin entdeckt - am stärksten ist es in den Beeren vorhanden -, das mit Cholesterin in der Zellmembran reagiert und die Zellen platzen lässt und dadurch Magen-Darm-Störungen, Übelkeit, Erbrechen und beschleunigten Puls auslöst. Neu ist der Gebrauch der jungen frischen Blätter als schleimlösendes, krampfstillendes Mittel bei Bronchitis und Keuchhusten. Äußerlich als Waschungen bei Fußpilz, Hautschuppen und Grind wirken die Saponine entzündungshemmend und pilztötend.

Werner C. Simonis, ein anthroposophischer Arzt, macht darauf aufmerksam, dass in homöopathischen Erprobungen des Efeus vor allem die Schleimhäute, das Gallen-Leber-System und die Schilddrüse - Efeu akkumuliert Jod - angesprochen wurden. Das sind Organe, die unserem Bewusstsein weitgehend entzogen sind und dabei besonders innige Beziehungen zu dumpfen Lebensprozessen haben. In anderen Worten, die Pflanze wirkt tief in archaische Lebensvorgänge, jenseits des entwicklungsgeschichtlich neueren neuralen Systems, hinein. Sie verbindet sozusagen mit dem Reptil in uns.

Volksheilkunde: In der Heilkunde wurde er bereits von Hippokrates und Dioskurides empfohlen. In der Volksmedizin fand er Verwendung bei Nieren- und Gallenbeschwerden, Husten und äußerlich als Salbe bei Hautleiden. Wissenschaftlich Untersuchungen bestätigen einen krampf- und schleimlösenden Effekt (Fertigpräparate). In Teeform sollte er nicht eingenommen werden, da Efeu giftig ist!!

Und wenn ein Hühnerauge quält - kleingefaltet ein Efeublatt auflegen, Pflaster darüber - jeweils nach 24 Stunden zweimal wiederholt - läßt sich dann das Hühnerauge schmerzlos ablösen.

Kulturanleitung: Man sollte den Efeu schattig bis halbschattig stellen oder pflanzen, alle buntlaubigen Sorten müssen heller stehen, aber vor direkter Sonne geschützt werden. Ideal ist ein Westfenster oder Ostfenster, denn Morgen oder Abendsonne liebt der Efeu. Im Winter sollte man einen kühleren Standort vorziehen, da es sonst zu Schädlingsbefall kommt. Was die Temperatur anbelangt, so ist der Efeu sehr anpassungsfähig. Bei luftigem Standort gedeiht er am besten. Im Sommer sind normale Raumtemperaturen gut, im Winter 0-1C. Der Efeu möchte im Sommer relativ feucht gehalten werden, der Wurzelballen darf dabei nicht vernässen. Sie können den jungen Efeu gut an einem Stab hochleiten, wenn Sie dies nicht tun, kriecht er. Einen leichten Formschnitt wird jederzeit gut vertragen. Einen stärkeren Rückschnitt am besten Ende Juni, eventuell auch im März.

Eingetragen am 03.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:29:41