Geissfuss / Giersch

Aegopodium podagraria

Habitus: Es handelt sich um eine ausdauernde Pflanze, Sie kann bis 1 m hoch werden. Die Stengel sind aufrecht, nach oben ästig verzweigt, hohl und kantig gefurcht. Hat einen langen, ziemlich schlanken Wurzelstock. Die langen dünnen, unterirdisch wuchernden, halmdicken Rhizome sind manchem Hobbygärtner schon zur Plage geworden.

Blätter: Die Blätter sind 3-zählig etwa 8-22 cm lang und von dreieckigem Umriß. Die Abschnitte sind bis 8 cm lang, am Grund oft etwas asymmetrisch, vorne spitz, sitzend oder kurz gestielt. Die sattgrünen Blätter sind am Rand unregelmäßig gezähnt.

Blüten: Die weißen Blüten bilden Dolden. Die zusammengesetzten Dolden sind flach und 12- bis 20-strahlig. Bei den kleinen weißen Blüten fehlt die Hülle. Die reife Frucht ist hellbräunlich bis dunkelbraun mit strohgelben Rippen, kümmelähnlich, etwa 3 mm lang und 2 mm im größten Querdurchmesser und leicht in die Teilfrüchte trennbar.

Blütezeit : Juni - Juli.

Standort

Gemein in feuchten Gebüschen, an schattigen Hecken und Zäunen, in lichten Wäldern, auf Äckern, an Straßenrändern, von der Ebene bis in die alpine Region.

Allgemeine Verbreitung

Fast ganz Europa bis auf Iberien,  Kleinasien, Kaukasus, Sibirien,  nach Nordamerika verschleppt und eingebürgert.

Vermehrung: Die Blüten sind nektarführende Scheibenblumen, sie werden durch Insekten bestäubt Obwohl zahlreiche Samen gebildet werden können tragen sie nur wenig zur Ausbreitung bei. Seine Konkurrenzkraft entfaltet der Giersch über unterirdische Ausläufer: Er bildet tief reichende unterirdische Wurzelausläufer, vergleichbar denen der Distel. Darüber hinaus besitzt er noch die Fähigkeit, Sprossausläufer zu bilden, die jedoch im Gegensatz zu denen der Erdbeerpflanze in etwa 5 bis 10 cm Bodentiefe verlaufen. Durch Bewurzelung entstehen daran zahlreiche Tochterpflänzchen, die nach zwei bis drei Jahren selbstständig werden. Auf diese Weise können in kürzester Zeit dichte Befallsnester entstehen.

Geschichtliches: In alten Kräuterbüchern wird Aegopodium podagraria als Herba Sancti Gerhardi bezeichnet (nach dem wohltätigen Abt Gerhard von Brogne [gest. 959]). Thal erwähnt die Art 1577 für den Harz als Angelica erratica. C. Bauhin (1623) kennt sie als Angelica silvestris minor sive erratica. Im Herbarium von Rostius in Lund aus dem Jahre 1611 ist sie als Pimpinella major. vertreten. Die jungen Blätter, Blattstiele und Stängel, die einen schwachen Möhrengeruch besitzen, geben, wie Spinat zubereitet, ein zartes und schmackhaftes Wildgemüse bzw. Salat, der schon im 14. Jahrhundert am polnischen Königshofe sehr geschätzt worden sein soll. Noch heute bildet der Geißfuß vielerorts in Nordwestdeutschland einen der Hauptbestandteile des früher allgemein bekannten Frühjahrsgerichtes, der sog. "Neunstärke". Um Osnabrück auch unter dem Namen "Kott-Moos" bekannt, welche besonders am "Grünkräutertag" (Gründonnerstag) gegessen und "Grüne Suppe" genannt wird. Er gehört also zu den sog. "Neunerleikräutern".

Heilwirkung: Die im Namen der Pflanze angedeutete Wirkung gegen Podagra kannte schon Matthiolus , und auch Johnson  gibt eine gute Beschreibung der Pflanze und ihrer Heilkraft bei Podagra, die sich nicht nur auf eine Linderung der Schmerzen beschränke, sondern zugleich Rückgang der Schwellung und Entzündung bewirke. Außerdem sollen Kraut und Wurzel als Bad und heiße Auflage bei Hämorrhoiden dienlich sein. Die Anwendung des zerquetschten Krautes gegen Podagra hat sich in der Volksmedizin bis heute gehalten , daneben dient es auch als Wundmittel . Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle  empfiehlt es gegen Gicht, Ischias und Rheuma, ferner bei Vergiftungen und äußerlich gegen Mückenstiche. In Ostpreußen wird der Geißfuß oder Giersch den Schweinen bei Rotlauf gegeben Schweine, die öfter Giersch fressen, sollen keinen Rotlauf bekommen. Von Inhaltsstoffen ist nichts bekannt.. Aegopodium wird vor allem als Gemüse, selten in Arzneiform verwendet. Angewandter Pflanzenteil: Nur Gerard-Johnson lassen auch die Wurzel des Giersch mit verwenden. Alle übrigen Angaben beziehen sich auf das Kraut. Schulz erwähnt die Wirkung der frischen, zerquetschten Blätter und Clarke läßt die Essenz aus der frischen Pflanze herstellen. Das "Teep" wird aus dem frischen Kraut gewonnen, aus dem auch die homöopathische Urtinktur nach dem HAB. hergestellt wird (§ 3).

Gierscheintopf

Zutaten: 8 Hand voll Gierschblätter, 2 EL Olivenöl, 1 Zwiebel, 4 festkochende Kartoffeln, Salz, Pfeffer, 1 TL Curry, ½ l Wasser, 1 Knoblauchzehe, 1 EL Petersilie.
Zubereitung: Die Gierschblätter von den groben Stängeln befreien und waschen. In reichlich Wasser zirka drei Minuten blanchieren, gut ausdrücken und hacken. Das Öl in einem Schmortopf erhitzen, die klein gewürfelte Zwiebel hineingeben und glasig dünsten.
Den Giersch hinzufügen und bei schwacher Hitze unter Rühren zirka fünf Minuten dünsten. Anschließend die in dünne Scheiben geschnittenen Kartoffeln dazugeben. Mit Salz, Pfeffer und Curry würzen. Das kochende Wasser, die zerdrückte Knoblauchzehe und die gehackte Petersilie zugeben. Zugedeckt bei schwacher Hitze 30 Minuten kochen lassen.

Ganz besonders schmackhaft sind gefüllte Kartoffeln mit Giersch. Für die Füllung von zwei großen Kartoffeln nimmt man eine Zwiebel, einen Esslöffel Olivenöl, eine halbe Knoblauchzehe, zwei Hände voll Gierschblätter, 50 Gramm Frischkäse, Salz, Pfeffer, Curry, Paprika und 30 Gramm geriebenen Emmentaler. Die gewürfelte Zwiebel, die zerdrückte Knoblauchzehe und die kleingehackten Gierschblätter werden in Öl gedünstet. Anschließend wird der Frischkäse untergerührt und mit den Gewürzen abgeschmeckt. Die Masse wird in die gekochten, ausgehöhlten Kartoffeln gefüllt. Zu guter Letzt werden die Kartoffeln etwa zwanzig Minuten bei 200 Grad im Ofen mit dem geriebenen Käse überbacken.

Eingetragen am 03.01.2016Aktualisiert am 27.01.2016 11:30:17